Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 42 (1.12.1866)
- Date
- 1866-12-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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835 Von mancher Seite würde mir wol der Vorwurf gemacht, daß ich es zweckmäßig erachtete, meine Knaben nach Parts zu führen, als ob unser Vaterland kein verwendbares Institut aufzuweisen hätte. Ich gab jedoch die zwei Jünglinge in das Institut Springer, das zufällig in Paris sich befindet, und bin überzeugt, daß kluge Pariser Eltern ihre Kinder nach einem andern Orte brächten, wenn eben daselbst jenes Institut bestünde. Weit entfernt davon, den Inhabern ähnlicher Institute in unsenn Vaterlande auf irgend eine Weife nahe trete» zu wollen, glaube ich denselben sogar einen Dienst zu erweisen, indem ich ihre Aufmerksamkeit dabim lenke, wo eine Gott und Menschen gefällige Pflanze blüht. ‘ L. Horowitz. Ch. Homonna, Ende Oktober. Vor Kurzem war die Hiesige Kultuövyrstehung beim h. k. ung. Statthaltereirathe bittlich eingeschritten wegen einer alljährlichen Subvention ans dem ungarischen Schulfonde, uud langte dieser Tage das betreffende Gesuch an die Zempliner Komitatsbehörde zurück mit dem Bemerken, es sei dasselbe gehörig zu inftruireu, sodann werde diesem Ansuchen mit Vergnügen entsprochen werden. Unsere Hauptschule geht demnach einer besseren Zukunft entgegen.. Und wenn wir die Schulfreundlichkeit der hiesigen Gemeindeglieder mit der Antipathie und Apathie der Bewohner unserer Komitatsstadt in Betracht ziehen, könnte es in Bälde leicht der Fall werden, daß unserer Unterrichtsanstalt der Rang einer Musterschule zu Theil wird. WolMMigkeit und Wohlthätigkeitsanstaltcn. Szegedin, im November. Der hiestge Großhändler Franz Lustig, der gern und oft, unserer Armen gedenkt, hat auch dieses Jahr fünf Schüler unserer Schule mit warmer guter Fußbekleidung versehen. L. -Liklos, 12. November. Auf Anregung unseres ehrw. Herrn Rabbiners Ahron Noth bildeten sich im Verlaufe vorigen Monats in der hiesigen, erst in der Eutwicklung begriffenen Gemeinde, zwei Vereine mit bedeutendem Erfolge, und zwar ein Fräuenverein, der es in Hinsicht des Zweckes mit allen anderen ähnlichen Institutionen gemein hat, und ein Jugendverein, der es sich zur lobenswerthen Aufgabe gemacht, arme Schulkinder der Gemeinde zu unterstützen, in der rauhen Jahreszeit mit Kleidungsstücken zu versehen, damit dieselben im Stande seien dem Schulunterrichte ungehindert beiwohnen zu können. Ferner kann ich nicht umhin auch die Strebsamkeit und den Opferwillen 'aller einzelnen Mitglieder der Gemeinde nach Gebühr hervorzuheben. Indem wir nun den Männern, Frauen und der Jugend unserer Gemeinde für ihre edlen humanen Bestrebungen öffentliche Anerkennung zollen, dürfen wir, um gerecht zu sein, jene Person nicht unerwähnt lassen, welche auf Anerkennung von Seite unserer Gemeinde den größten Anspruch hat, d. i. unser ehrwürdiger Herr Rabbiner, indem derselbe im heiligen Eifer seines Berufes keine Gelegenheint verabsäumt, begeistert daher auch begeisternd für die Sache Gottes zu sprechen, und den Impuls zu allen edlen Bestrebungen zu geben. M. Ans Brunn.. In Nr. 40 d. Bl. ist irrthümlich unter den Dekorirten jüdischen Glaubens Josef Kafka angegeben, dieser ist Nichtjude; dagegen wurde Herr Dr. I. Kalmus, Sekuudararzt am hiesigen St. Anna-Spital, auch Sekretär des isr. Frauenvereins allhier, unter den Dekorirten nicht angeführt. Von den von Sr. Majestät für die hiesigen Armen gespendeten 10.000 fl. hat der Gemeinderath dem jüdischen Frauenverein 800 fl. zukommen lassen, welche, von demselben zur Vertheilung von Holz- und Wohnungsbeiträgen verwendet werden. Auch die Gemeinde Neurausnitz hat bei Sr. Majestät eine augenblickliche Abhilfe in ihrer Nothläge gefunden. Se. Majestät haben bei Ihrer Durchfahrt 836 von dem jüdischen Bürgermeister, Herrn David Brüll, dic Nothlage der Gemeinde kaum vernommen, als schon die hiesige Statthalterei telegrafisch angewiesen wurde, der Gemeinde einen bedeutenden Vorschuß von dem auf sie entfallenden Kriegskofteuentschädignngsquantnm zu geben. Der hiesige״ Frauenverein hat seinen Jahresausweis pro 18°%<. veröffentlicht. Es geht daraus hervor ,' daß er 2737 fl. 25 kr. zu wohltätigen Zwecken verausgabt hat. Es ist unleugbar, daß der Verein in vielfacher Beziehung wohlthätig wirk!.. Nur möchten wir den Verein auf das aufmerksam machen, was wir beim Entstehen desselben in d. Bl. schon bemerkteu, seine Kräfte nämlich nicht zu zersplittern. Wer überall helfen will, hilft nirgends; er müßte denn allmächtig wie Gott sein. Wir wollen dies aus einigen Posten des AuSweises darthun. An monatlichen Unterstützungen für 42 Hilfsbedürftige wurden verausgabt 1168 fl., eS kommt also auf einen Armen monatlich 24/ז fl. Das genügt weder zum Sterben noch zum Leben, und die meisten hätten ohne diese Unterstützung ebenfalls sich erhalten können. Zum Kurgebrauche au 21 Kranke 199 fl. 40 kr.,kommt also auf 1 Person 9% fl., was wol zur Fahrt in einen Kurplatz genügt auf Reifespesen. Erziehnngsbeiträge für 3 Mädchen 41 fl., also n 13% fljährlich. Wohlfeile Erziehung! 18 Wöchnerinnen 88 fl., also ü 5 fl.; eine wirklich arme Wöchnerin kann wol eine bedeutend größere Gabe als 5 fl. brauchen, wenn ihr über- Haupt geholfen sein soll. Wir glauben, es sollten die Kräfte für die wichtigen Fälle znsammengehalten und dann sollte und könnte auch ausgiebiger geholfen werden, namentlich gelte dies bezüglich der monatlichen Unterstützungen, diese sollen nur bei der äußersten Dringlichkeit, wie etwa bei einem lange» Siechthume, eintreten, aber dann in ausgiebiger Weise. Die hiesige Chevra Kadbischa'hat seit etwa 3 Jahren keinen Ausweis veröffentlicht. Der Vereinsvorstand hat aus Ersparungsgründeu unsere Mahnung, jährlich einen Ausmeis zu veröffentlichen , nicht beachtet, es war darum kein Wunder, daß er bei der Vertheilung des kaiserlichen ' Gnadengeschenkes nicht beachtet wurde. Wie sollte der Gemeinderath auch an die verborgene h. Brüderschaft denken? Die Unterstützungöbibliothek für jüdische Schüler hat zum Beginne des Schuljahres 170 Bücher an 45 Schüler verliehen.׳ Literatur. Wien, 18. November. Dr. Ludwig August Frankl hat dem Ritter Tegetthöf vor dessen Abreise nach Amerika einen poetischen Abschiedögruß gewidmet, der in der ״Konst. Vorstadtzeitung" und auch als Separatabdruck erschien. Das Gedicht, das den schönsten Arbeiten Fr.'s an die Seite gesetzt, zu werden verdient, beginnt mit den Worten: Zehntausend Heldenleiber׳ sind erschlagen, — In Blut gebadet ist der Doppelaar, — Zersprengt in sieben unheilvollen Tagen, — Ein siegesmnth'ges, tapfres Heer — es war! Die letzte Strophe lautet: Sein (des deutschen Liedes) Ton ist leise jetzt nur angeschlagen^ — Der durch des Westens Wogen nach Dir hallt; — So mögen sie Dich stolz hinnbertragen, — Wo blau der Freiheit Sternenbanner wallt! §. Pest, 19. November. Dr. Äflai'S (Spitzig Jtzig's) Kalender würde zu einer andern Zeit, viel größeres Aufsehen erregt haben. In diesen; Augenblicke wird er von den großen Fragen des Tages in den Hintergrund gedrängt. Der Verfasser ist in! Schoße des Nngarthums erzogen, und ein ungarischer Schriftste-ller im eminenten Sinne des Wortes. Sein gesunder Humor ist hinlänglich bekannt. Sicher!» Vernehmen nach hat der zweimal aufgelegte Kalender im ganzen Lande große Verbreitung gefunden. Spitzig Jtzig verdient in vollem Maße die Aufmunternng, die ihm zu Theil wird. — Lerlin, im November. Ich hatte Gelegenheit, von der unter der Presse befindlichen Geschichte der Juden in Königsberg von Ihrem gelehrten Mitarbeiter Dr. Jvlowicz Einsicht zn nehmen. Cs ist dieses Werk ein wahrer Beitrag znr Sittengeschichte des preußischen States, indem es-,, die Lage und Behandlung der Juden aus der allgemeinen Strömung fcer