Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 42 (1.12.1866)
- Date
- 1866-12-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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833 Volksbildung, jener sichersten und breitesten Grundlage der Gesellschaft, zu erreichen; sondern man müßte die Volksschule auf sechs Klassen ausdehnen. Die in Wien erscheincüde vortreffliche Zeitschrift die ״Volksschule" hat in Oesterreich für oie Ausführung dieses Planes die Initiative ergriffen, der Wiener Lehrervereiu hat für eine sechsklassige Volksschule einen vollständigen Lehrplan ausgearbcitet und wären die traurigen Kriegsereignisse nicht eingetreten, Wien hätte vielleicht bereits sechsklassige Volksschulen, wie sie Leipzig hat, oaS mit seinen Volks- und Bürgerschulen unerreicht dasteht. Wenn nun vier Jahre für eine christliche Schule nicht ausreichen, wie viel weniger können sie dies bei einer jüdischen Schule Ungarns. Unsere Kinder sollen vor allem die Muttersprache gründlich erlernen, sollen hierin den christlichen .Kindern nicht uachstehen, sollen auch gut deutsch lernen; wer wird die Nothwcndigkeit dieser Sprache für jüdische Kinder bestreiten? so'-eu mit den Grundlehren ihrer Religion vertraut gemacht werden und die Bibel übersetzen können, sollen gute Rechner, Schreiber, und vielleicht auch Zeichner sein, sollen Naturgeschichte, Naturlehre und HeimatSkunde lernen, gleich wichtig als Vorbereitung für höhere Schulen, als fürs praktische Leben, und dieses alles soll in vier, und wenn »vir eine Vorbereitungsklasse dazu rechnen, in fünf Jahren geschehen! ES gehört keine große Anstrengung dazu, die Un- Möglichkeit desselben zu beweisen. Es muß also die jüdische .Schule n»n so mehr eine sechsklassige »verden! 9־ Nun sehen »vir aber ein, daß in jüdischen Gemeinden ckei aller Opferlvillgkeit, bei dem Umstande, daß ft»? ihre rSchulen mit sehr wenigen Ausnahmen aus eigenem Säckel ..erhalten, der Kostenpunkt gewaltig schwer in die Wagschale fällt, und »vir glauben mit unserem Plane einer in vier .Jahren eintretenden Stabilität der Klassen abhelfen zu können. Es bleiben nämlich bei dein jedesmaligen Cyklns von vier Jahren die Schüler aller Klassen 2Jahre sitzen, das heißt das Schuljahr »vird auf 21 Monate aus- .gedehnt, oder was gleichbedeutend ist, die Schüler der 4. .Klasse steigen »nit ihrem Lehrer in die 5. und so alle übrigen In eine höhere Klasse auf. .Die Schüler bleiben auf diese Weise, ohne daß ein Lehrer mehr angestellt zu werden braucht, ׳.um ein Jahr länger in der Volksschule zurück. Der einzige Uebelstand, daß sich im vierten oder fünften Jahre die Schü-!erzähl in der ersten oder beziehungsweise in der Vordere!- .rungsklasse zu sehr anhäust, ist gering und kann durch die .größere Schwierigkeit, die man in dem resp. Jahre der Aufmahme von Kindern unter sechs Jahren »nacht, verrnindert werden. Wenn diese Maßregel, gegen die sich von» pädagogischen Standpunkte nichts, gar nichts einrv'enden läßt, behörd- Uch sanktionirt »vürde, könnte dein Renneu derjenigen Aelrern, die durch Eisenbahn und Telegraf verwöhnt, sich gerne .beim Unterrichte ihrer Kinder überstürzen, Einhalt gethan werden. Wir behalten uns vor, im Falle unser Vorschlag, dessen Priorität »vir nicht für uns in Anspruch nehmen, Beifall finden sollte,für eine nach unserem Sinn zu organisirende jübische Schule den geehrten Lesern des ״B. CH." einen Lehrplan vorzulegeu. Wenn »vir uns auch überzeugt halten, daß »vir eiue»n Provisorium das Wort reden, so glauben »vir doch, daß es nicht leicht ein unschuldigeres und segenreicheres je gegeben hat; denn ein größeres Maß von Kenntnissen, eine größere Tüchtigkeit in der ungarischen und deutschen .und ein höheres Lehrziel in unserer heiligen Sprache, über deren zu geringe Pflege allgemein geklagt »vird, könnten für unsere Schüler die schönen Folgen desselben sein. L. S i l b er st e r n. 1. Pefi, 25; November. Herr Prediger Dr. Cohn wurde von einer aus Juristen und Medizinern bestehenden .Deputation angesucht, der Universitätsjugend Vorträge über 834 Geschichte und Literatur, der Juden halten zu »vollen. Herr Dr. Cohn sprach sich dankend für die Aufforderung aus, nud sagte', zu , die. Vorträge Anfangs Jäuer Legimten zw wollen. Die Vorträge »verden vermuthlich tn den Lokalitäten des ״Izr. Magyar Egylet“ gehalten »verden und auch Nichtstudirende denselben beiwohnen können. . Paris, Ende Okt. *) Der eigentliche Zweck meiner Reise hieher »var, zwei Knaben in ein hiesiges Institut zu führen, und die verehrliche Redaktion dieser gesch. Blätter wird mir sicherlich um so bereitlvilliger gestatten, mich über die ErziehnngSanstalt, welche ich »vählre, anSznsprechen, da dieselbe erstens eine spezifisch jüdische ist, und da zweitens mein Bericht manchen Eltern und Erziehern in meinem Vaterlande als ein nützlicher Wink dienen dürfte. DaS Erziehungs-Institut des Herrn Springer (kus de la tour d’Auvergne) wurde vor 12 Jahren mit vier Knaben eröffnet, und hat während dieser Zeitdauer eiuen solchen Wellruhm zu verdienen verstanden, daß eS nunrnehr über 100 Zöglinge zählt, und zwar nicht blos aus der Heimat, sondern herbeigesührt aus Deutschland, .England, Jlalien, Rußland, der Türkei und Aegypten. Ich will es unumlvunden gestehen, daß der erste, zugleich auch der nachhaltigste Eindruck, den das Institut auf mich machte, dadurch entstand, daß dasselbe einen, ehrlichen, echt jüdischen Charakter in der edelsten Bedeutung offenbart; »viervol auch nichtjüdische Knaben darin Aufnahme finden, die aber von einem christlichen Professor der Anstalt ebenfalls zur Ausübung ihrer religiösen Pflichten streng gehalten werden. Das zie»nlich »veitläufige Gebäude ist einzig den Zöglingen und dein leitenden Personale überlassen. Die Räume zu ebener Erde bieten die Lehrzimmer und den Speisesalon; im ersten Geschoße sind die sehr reinlichen Schlasgemächer der Pensionäre, die Wohnung des Institutsdirektors', ein kleines Spital und. ein sehr zweckmäßig eingerichteter jüdischer Betsalon. Alltäglich um 7 Uhr — zur Sommerzeit früher — versammeln sich hier Lehrer und Zöglinge jüdischer Konfession zur Morgenandacht , welche der. Direktor'׳ selbst leitet. Die Zöglinge, die das dreizehnte Jahr über, schritten haben, »verden zur Anwendung der Philakterien angehalten. An Festtagen »verden die Thorabschnitte verlesen, zu »velchetn die Zöglinge der Reihe nach vorgerufen »verden. Einer der beiden Knaben, die ich hieher brachte—.er ist aus Ungarn — der von seinem jüdischen Erzieher in der Heimat auf unverzeihliche Weise in Glanbensangelegenheit gänzlich verwahrlost »vorden »var, erzählte mir eines- Tages hier in .Paris »nit freudestrahlendem Auge, er sei .im Betzimmer »nit dem Bekleiden der Thorarvlle (גלולה) beehrt »vorden. Es war nicht kindische Eitelkeit, die den Knaben nachhaltig zu eutzückeu schien; eS »var das erste Aufkeimen der Idee von der Heiligkeit jener Rollen, es »var die erste Ahnung,.als er das Pergament um das Holz wand: ־ .עץ חיים היא למהזיקים בה lieber Lehrplan und Nnterrichtsweise werde ich Ihnen bei meiner Nachhausekunft das Programnr zur Verfügung stellen, und ick bemerke nur, daß alles dort Verheißene »nit gewissenhafter Treue eingehalten »vird, so »vie ich i»i Herren Springer, den Direktor der Anstalt, einen Bieber»nann ungewöhnlicher Qualität erkannte, der z»var bei Begründung der Slnstalt seine Lebenseristenz und die seiner »vackern Fämilie im Auge hatte; bei der Führung aber das Wohl der anverträuten Jugend und die gerechten Envartungeu der Eltern vollwichtig in die Wagschäle legt und letzteren Rücksichten stets gerecht »vird, »venn sie auch den erstereu Ein- - trag thutt. Durch Zufall verspätet.