Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1866-12-01 · 42 (1.12.1866) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
42 (1.12.1866)
Date
1866-12-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2542917-2543175-2543217--5093-2549123
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

831 832 »ach der Erzählung dieses Herrn soll in Szegedin geschehen sein. Von einer Nachholung der siebentätigen Trauer war keine Rede, denn dieselbe wird*) ja auch nach einem Feste nicht nachgcholt." Der Rabbiner bestand jedoch auf seinem AuSspruch, und meinte, daß überhaupt die Cholera-Epidemie nicht so viele Opfer fordere, um von rituellem Standpunkte als Pest betrachtet zu werden. Die Einwendung, daß es ja nur auf die Angst der Bevölkerung und deren Gemüthsbewegung ankomme, wollte er nicht gelten lassen. Aus dem Schulchan Aruch, rief er mit Pathos, muß mau lernen, wann es erlaubt ist, sich zu fürchten, und wann nicht!! F. Prag, 18. November. Gestern am Sabbath ויצא hielt Herr N. Adolf Brüll, Hörer der Filosofie, Bruder des den Lesern des ״Ben Chananja" wohlbekannten Dr. Nehemias Brüll, in der großen Hofschnle vor einem sehr zahlreichen Auditorium, eine sowol der Form, als auch dem Inhalte nach gleich gediegene Rede, durch die er sich den 111t# getheilten Beifall aller Anwesenden erwarb. Herr Brüll hat nicht nur bei seinem ersten Versuche glänzende Erfolge für sich erzieltj; auch den andern Nabbinats-Kandidaten hat er dadurch den Weg zur Kanzel geebnet. ף• Paris, 20. November. Trotz der Anstrengungen, die von einer außerhalb des Zentral-Konsistorinms stehenden Minorität, sowie von dem Frankfurter Jeschurun in entgegegcngesetzter Richtung versucht wurden, ist doch Herr Grand- Rabbin Isidor zum Grand-Ra bl) in des Zentral- Konsistori 11!11 s, und somit zum geistlichen Oberhaupte der französischen Juden, gewählt worden. Allen Freunden eines besonnenen, theologisch motivirten, nichts überstürzenden Fortschrittes ist diese Wahl ein höchst erfreuliches Ereigniß, zu welchem man dem Gewählten und den Wählern vom Herzen gratuliren muß. Gottes bester Segen begleite unfern neuen Oberhirten, den Mann unserer Wahl und 1111# serer Verehrung, ans der von ihm geöffneten Laufbahn, damit er in seinem ganzen, weiten Wirkungskreise überall empfängliche Herzen finde und erfreuliche Erfahrungen mache**). A. Main), im Nov. Ein vor Kurzem erschienener Aufruf zur Gründung eines Seminars in Rheinland be- Hufs Ausbildung jüdischer Lehrer kann nicht verfehlen, als ein Zeichen geistigen Aufschwunges unserer israelitschen Mitbürger allgemeine Anerkennung zu finden. Diese Provinz zählt — ohne das angrenzende Nassau und Frankfurt, mit welchem circa 20.600 Bekenner des mosaischen Glaubens Preußen geworden — doppelt so viel Juden als Westphalcn und dock ist bisher nichts geschehen, um den überall fühlbaren Mangel an Lehrern abzuhelfen. DaS Seminar in Münster hatte zunächst dem Bedürfniß seiner eigenen Provinz Rechnung zu tragen, und es ist ihm nicht mehr oder minder gelungen, durch Heranbildung trefflicher Schulkräfte einen empfänglichen Sinn für Wissen unter der Jugend zu *) Der oppvnmnde Hr. Rabbiner hatte >vvl Jare Dea 39t>, I. int Sinne. Aber schon N. Jak. Neischer war freisinnig genug, im Bezug auf einen Kranken zu sagen: ועקר האבלות הוא מרירות לבו (Scheh. Jak. I. 2, 88.) Auch das אבלות קטן bietet hier einen Anhaltspunkt. Dem mikrologischen Pilpnl muß man aber immer das letzte Wort gönnen N e d. **) In diesen Wunsch stimmt ans ganzer Seele ein Der Ned. verbreiten, was sich im allgemeinen von der rheinischen Zugend jüdischer Konfession, zumal in den vielen kleineren Gemeinden, nicht behaupten läßt. Diesem Uebelstande, mit welchem noch andere Hand in Hand gingen, soll abgcholfen werden. Die Rabbiner und Vorstände von Köln, Düsseldorf und Krefeld haben sich au die Spitze des obgedachten Unternehmens gestellt, und die Hochherzigkeit ihrer intelligenten Gemeindemitglieder hat sich sofort glänzend manlfestirt. Ansehnliche Kapitalien und Jahresbeiträge, welche bereits die Höhe von 2000 Thlrn. erreicht, sind in kurzer Zeit gezeichnet worden, und wenn in dem übrigen Theile des Landes, woran kaum zu zweifeln ist, ein gleiches Interesse sich kund gibt, — wie verlautet, soll die Unterhaltung des Seminars, einschließlich der freien Verpflegung seiner Zöglinge, 5000 Thlr. jährlich beanspruchen, — so wird recht bald ein sehr wünschenswerthes Institut ins Leben treten. 6-. Danzig, im November. Die aus dem sechzehnten Jahrhundert stammenden, gegen die Protestanten gerichteten Gesetze des 11119. Corpus 4uris, welche Sie vor Kurzem in Ihrem ausgezeichneten Artikel über die holländischen Juden anführten, stehen in der Geschichte der Gesetzgebungen durchauS nicht vereinzelt da. So sollte nach dem englischen Gesetze von 1540 keiner der protestantischen Ketzerei Verdächtigte ein Amt bekleiden, und wurde allen Katholiken mitersagt, Personen, welche die neuen Ansichten theilen, zu beherbergen, oder zu begünstigen. In demselben Jahre legte der Klerus dem Könige Jakob V. eine Liste mit mehr als drei Hundert Namen aus der Schottischen Aristokratie vor, die als Ketzer angeklagt wurden und als solche hingerichtet werden sollten. (Buckle, Gesch. der׳ Zivilisation. II. S. 210. der ventscheu lieber!'.) Ganz 1111 Sinne Ihres Corpus Juris! Es ist für gebildete Juden in mehrfacher Beziehung nützlich, die Geschichte der Jntolorenz zu kennen, welche von Christen gegen Christen geübt wurde. Aber auch gebildeten Christen dürfte es nicht schaden, sich recht oft daran zu erinnern! Schulwesen. Sztgkdin, im November. Es ist eine nur zu sehr gefühlte und von Sachverständigen konftatirte Thatsache, daß unsere Volksschule ihrem Zwecke nicht entspricht, indem die von ihr erzielten Resultate weit hinter dem gerechten For- Porungen, die die Gegenwart an sie stellt, Zurückbleiben. Wenn auch die Klagen, die von verschiedener Seite gegen die Volksschule erhoben werden, ganz verschieden find; wenn auch die einen behaupten, daß sie für Real- und Gymnasialschnlen zu wenig vorbereitete Schüler entläßt, und die andein, die diesen Vorwurf nicht gelten lassen, weil sie dieselbe alS eine ganz selbständige und nicht als eine für höhere Schulen vorbereitende Anstalt betrachtet wissen wollen, ihr aber das gegebene zu geringe Maß von Kenntnissen und Fertigkeiten Vorhalten, das sie den Schülern für das praktische Leben bietet, so kommen doch beide darin überein, unsere Volksschule mit ihrer gegenwärtigen Organisation als uugenügend zu bezeichnen. Man hat es auf verschiedene Weise versucht, dem Uebelstande abzuhelfen und ist heute zn der Ueberzeugung gelangt, daß selbst die verbesserte Lehrmethode , die bessere materielle Stellung der Lehrer und endlich die höhere AiiSbildüng derselben nicht vermögen,, daS hohe Ziel einer gesunden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.