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Ben Chananja · 1866-12-01 · 42 (1.12.1866) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
42 (1.12.1866)
Date
1866-12-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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827 828 werden. Ich leistete dieser Aufforderung um so lieber Folge, als der Verewigte mir ein guter Freund gewesen, und ich der Pietät für ihn gerne meinen Zoll abtragen wollte. Auf dem Gemeindehause fand ich ein gewähltes Publikum versammelt. Das Bild des Verstorbenen wurde enthüllt und hielt Herr Oberrabbiner Meisel bei diesem Anlasse eine paffend sinnige Anrede. Sie dürften wol, geehrter Herr Redakteur, die Bemerkung machen, daß dies Alles zwar recht gut und schön sei, sich jedoch deshalb vielleicht doch nicht verlohne, hierüber von Prag auS direkte zu referiren? Derselben Ansicht bin auch ich, hatte auch bisher nichts Anstoßerregendes an dieser Feierlichkeit gefunden, wenn der Direktor jenes Ver, eines sich nicht veranlaßt gefunden hatte, diese Feier durch eine Rede zu illustriren, die in ihrer Art zwar unvergleichlich sein mag, welche Art jedoch durchaus nicht zu den Er- Wartungen stimmte, die ich an die Rede eines gewesenen Gemeindevorstandes und Vereinsdirektors geknüpft hatte. Wenn in unserer Stadt Männer, wie Dr. Wessely, Todesco, das Wort ergreifen, sind wir gewohnt, etwas Gediegenes, Durchdachtes zu hören; aber wahrlich nicht in der letzten Dorfgemeinde dürfte es geschehen, daß ein Mann, der weder durch Talent, noch durch Bildung dazu berufen ist, die Rednertribüne besteige , um die Ohren der Zuhörer durch seinen Jargon auf das unverzeihlichste zu beleidigen. Unser Redner steht weder mit Logik noch mit Sprache auf bestem Fuße und er kann von Glück sagen, daß kein Schüler der Normalklaffen zugegen gewesen, der vielleicht dem Kitzel nicht hätte widerstehen können, seinen Vorsteher auf die Wiener Schulgrammatik zu verweisen! Nein, mein Herr! Sie mögen zwar ein sehr tüchtiger, sehr praktischer Geschäftsmann, ein sehr verwendbarer Kholsman sein, aber die würdige Vertretung jüdischer Interessen — das ist nicht Ihre Sache! Ich habe mir sagen lassen, daß der Einfluß dieses Herrn als gewesenen Vorstehers durch Jahvzehende hindurch in den wichtigsten Gemeindeangelegenheilen prädominirend gewesen und daß seine Macht erst mit dem Uebergewichte des liberalen Elementes geschwunden; doch sprach seine siegestrunkeue Miene, sein selbstbewußtes Auftreten dafür, daß er in dem tröstlichen Selbstbewußtsein eines verkannten Genies lebt, daö sich trotzdem noch heute berufen fühlt, die Judenheit in gewohnter Weise zu vertreten. Wann wird mau es endlich allgemein anerkennen, daß nur Bildung Macht ist; daß Geld zwar auch Macht, aber Geld nicht Bildung ist! E. Pest, im Nov. Der in musikalischen Kreisen so beliebte und geschätzte Violinvirtuose Herr Grün eröffnete gestern den Cyklus seiner Konzerte im Beisein einer zahlreichen und gewählten Hörerschaft. Wir müssen ihm volles Lob zollen, sowol hinsichtlich seiner richtigen Auffassung echt klassischer Tonwerke, als auch bezüglich seiner ungewöhnlichen Technik. Möge er auch ferner seinen Glaubensgenossen, die, weil unterdrückt, doppelt Ursache haben, auf einen aus ihrer Mitte hervorgegangenen Künstler mit freudigem Stolze zu blicken, Ehre machen, und möge eS seiner künstlerischen Laufbahn in Zukunft nie wieder hemmend sein, daß er einer nur noch tolerirten Religion angehört. Kultus ttttd Kultusgtttikiude. 8. Sztgedin, im November. Die Jllustrirte Zeitung bringt in ihrer letzten Nummer nachstehende Ueberstcht der jüdischen Bevölkerung in Europa: Rußland V/4 Million; Oesterreich 1 Million; Norddeutscher Bund Mill.; Süddeutsche Staten 120.000; Frankreich 74.000; Niederlande 64.000; Europäische Türkei 63.000; Großbritanien 15.000; Belgien 15.000; Schweiz 10.000; Dänemark 4000; Schweden und Norwegen 1000, zusammen drei Millionen. . Paris, im November. Die Juden in Hokitika in Neuseeland, ungefähr 120—150 an der Zahl haben eine beträchtliche Summe zusammengeschossen, um eine Synagoge zu bauen. Der Bau hat bereits begonnen, und das Gotteshaus wird wahrscheinlich bis zu den nächsten hohen Festen vollendet sein. Ein Vorstand hat sich konstituirt; Herr M. B. Marks, Esquire, ist Präsident. In Australien ist ein jüdisches Zentralkomitd im Entstehen. Den Impuls dazu gab Rev. I. Friedmann in Sandhurst (Arch. Jsr.). Wien, 16. November. Die Todlenfeier für die im letzten Kriege gefallenen israelitischen Soldaten (407 an der Zahl) fand gestern Abends 5 Uhr in dem Tempel der innern Stadt, (<^eitenstättengaffe), statt. Das Gotteshaus erstrahlte im Glanze von unzähligen Wachskerzen, die Bündeslade war mit einem prachtvollen schwarzen Sammtvorhange verhüllt, über derselben waren weißrothe und schwarz- ' gelbe Fahnen angebracht. Der Tempel konnte die Zahl der Theilnehmer au dieser Feier kaum fassen. Vor dem Tempel war eine aus den Israeliten des Regiments Nr. 32 formitte halbe Kompagnie en pleine parade mit Feldzeichen aufgestellt, innerhalb bildeten israelitische Chargen und Mannschaft Spalier. Um 5 Uhr erschien FML. Hartung als Delegirter des Kriegsministeriums in Begleitung einer zahlreichen Generalität, Bürgermeister Dr. Z elinka, fast sämmtliche Mitglieder des patriotischen Hilfsvereins, der ehemalige Justizminister Frhr. v. Pratobevera, der Polizeidirektor Baron Strobach und mehrere andere Autoritäten; das rechte Mittelschiff des Tempels war von Stabs- und Oberoffizieren der hiesigen Garnison gefüllt, außerdem war die sammtliche israelitische Mannschaft der Garnison in den Tempel kommandirt worden. FML. Baron Hartung und die Generalität nahmen in der Loge links vom Sanktuarium Platz, während in der rechten Loge der Prediger Dr. Jellinek, Se. Ehrwürden der Chacham der -jüdisch-türkischen Gemeinde Ru b enB a r u ch, Se. Ehrwürden der Rabbiner der orthodoren Gemeinde Horovitz und die Vertreter der Kultusgemeinde erschienen. Die Feier begann mit der Absingung eines von Professor Sulz er komponirten Psalms, sodann folgte die schwungvolle Denkrede, welche Dr. J e llinek hielt, und in welcher er die Einigkeit der Stämme und Konfessionen, welche im Heere herrscht, gegenüber dem unerfreulichen Schauspiele der Zerwürfniß aus politischem Gebiete betonte und segnend Kaiser Josef H. gedachte, der,

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