Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 42 (1.12.1866)
- Date
- 1866-12-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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826 versuche erfolglos blieben, so sah sich daS Vorsteheramt zn seinem Be d au e rn g en ö th tg t, die Der Handlungen seinerseis für beendet, unv sich zltrMitwirkung bei Legisation der fraglichen Statutenänderungen außer Stande zu erklären. Ueber den. an den vergangenen hohen Festtagen unter Leitung des Herrn Dr. Jolowicz stattgehabten deutschen Gottesdienstes mit Chorgesang uud Orgelbeglektung ünterlasse ich deshalb ausführlich zu berichten, weil Dr. Jolowicz in seiner im Drucke bald vollendeten Geschichte der Juden in Königsberg, welche hier, wie auswärts, eine überraschend große Zahl von christlichen-und jüdischen Abonnenten bereits gesunden, selbst darüber umständlich sprechen wird, und Herrn Dr. Stein, der der Wahrheit zum Trotz den Meralibi Mecklenburg zum Oberrabbi stempelt und absichtlich das Datum des Dispenses zum öffentlichen Geschäftsbetrieb an Sabbat und Festtagen außer Acht läßt,, (denn damals war der christliche Mittheilnehmer deS Geschäftes bereits tpdt) zu antworten, dazu fehlt es mir an Muße. GöhMkN, im November. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurden für ihre während der preußischen Okkupation bewiesene Treue und Aufopferung nachfolgende Juden ausgezeichnet: Mar Dormitzer, Präsident der Prager Handels- und Gewerbekammer durch den Orden der eisernen Krone III. Klasse; die Stadträthe Gottlieb und Adolf Bondi und Adolf Schwab, die Stadtverordneten Abraham Becker und David Zappen, dann der Med. Dr. Pribram in Prag und der Med. Dr. I. Kalmus in Brünn erhielten das Verdienstkreuz mit der Krone, Jsak Daniel Pick, Fabrikant in Nachod, bekam das goldene Verdienstkreuz. Dem Med. Dr. Veit Lövit und Med. Dr. Karl Lederer in Horie, Med. Dr. Mandelbaum in Adlerkosteletz,. Moses Schwarz, Zivilwnndarzt in Nachod, Med. Dr. Moriz Neustadtl in Jungbunzlau, Leopold Pick, Handelsmann in Reschitz, wurde der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben. Htsd. Pest, im November. (Schluß). Wir kommen nun in unserer Revue auf die jüdischen Vertreter in den künstlerischen Kreisen unserer Stadt zu sprechen. Wir mußten uns vor Kurzem von einem Missionär zum Beweise der eingefleischten unaustilgbaren Handelslicbe unserer Glaubensgenossen das Mährchen erzählen lassen, wie die Juden selbst tief im Innern des himmlischen Reiches sich mit dem Geldwechselgeschäft und Hausiren mit alten Kleidern beschäftigten. Wer es nicht glaubt, möge sich persönlich davon überzeugen. Was unsere Kreise betrifft, wurde bereits, und wie wir glauben, sehr genügender Weise erhärtet, daß sich die rastlose Ansdauer und der seltene Thätigkeitstrieb der Juden in allen Branchen bethätigt hat, wo ihnen nur die Möglichkeit deS Mitwirkens geboten wurde. Wie wird denn der Herr Pater den unverhältnißmäßig großeu Antheil der Juden an Knust und Wissenschaft erklären? Wie wird er, wenn eS ihm bekannt ist, daß eben im Künst-!erleben die ideelle Welt die materielle so ganz und gar verdrängt, wie wird er es für möglich halten, daß sich auch nur ein einziger Jude dieser Laufbahn widmet? wie wird sein, wenn auch an Wunder gewöhnter Geist das Wunder der epochalen Erscheinungen einer Rachel, Rosa Csillag, eines Felix Mendelssohn-Bartholdy, Mayer Beer, Helaevey 826 Joachim -vdie alle im Laufe weniger Jahrzehnte dem Schoße des JndenthumeS entsproßen — begreifen können? Und so .finden wir׳ auch in dem engeren Kreise unserer Stadt Männer, deren Namen sich würdige Anerkennung errungen. So die drei berühmten Violinisten Grün, Rivley- Kohue und Singer, (gegenwärtig in Carlsruhe), und wenn wir hier als vierten im Bunde hierzu rechnen dürfen, Eduard Remsnyi. Als ausgezeichnete Klaviervirtuosen nennen wir die Herren Deutsch, Hcrczka, Friedrich BoSkowitz und den vielversprechenden, in Paris erzogenen, jungen Henri Ketten. Wir bemerken ferner Gustav Böhm, den talentvollen Regisseur unserer Opernabende, und daS Säugerpaar Ellinger. Hier sei auch der thätigen Musikverlagshandlung von Rozsavölgyi, die so mächtig zur Entwicklung der ungarischen Musik beigetragcn, rühmend Erwähnung gethau. Auf den anderen Gebieten der Kunst erwähnen wir: den in Rom lebenden Bildhauer Engel, dessen Entwurf für die Szschsnpi-Statue wegen Eleganz und Abel der Formen gerechter Weise so lebhafte Bewunderung gefunden; den einst ebendaselbst lebenden, nunmehr verewigten Guttmann, dem die erwähnenswerthe Auszeichnung zu Theil geworden, die Büste Pius IX. anzufertigen; überdies zählen wir auch mehrere talentvolle Maler, besonders im Fache des Porträts. Unter den photografischen Ateliers zeichnen sich auch mehrere in hervorragender Weise aus, so daß deren Leistungen mit denen des Auslandes sich messen dürfen. Unter den Architekten finden wir unfern Wechselmann, der auch beim Ausbaue unseres prachtvollen Tempels leitend mitgewirkt. Die zwei: Namen, die als unvergängliche Sterne auf den Himmel der Kunst leuchten, den Geigerkönig Joachim nnd Rosa Csillag haben wir schon oben genannt; ihr Ruf hat die Welt durcheilt und dem Ungar und Juden gleichviel Ehre gebracht! Und so wären wir denn am Schluffe nnserer. Revue angelangt. So weit unsere Kenntniß der Verhältnisse reichte, haben wir eS versucht, ein vollständiges Bild jüdischen Strebens in unserer Stadt zu bieten. Diese erste Zusammenstellung wird zwar dem Fehler der Lückenhaftigkeit nicht ent-. gehen können; daß es uns jedoch nicht um persönliche Lob- Preisungen zu thun war, wird jeder Leser eingestehen, der sich erinnert, daß wir den verschiedensten Kategorien angehörige Persönlichkeiten aufführten, ohne anderen Leitfaden als die Rücksicht auf seine Verdienste. Mögen jene, die die Lücke merken , dieselbe nach bestem Wissen anszufüllen bestrebt sein. Wir legen die Feder mit Genugthuung aus der Hand, wenn eS unS gelungen sein sollte, sowol einerseits zur Hebung des Selbstbewußtseinö, als auch anderseits zur ' Beleuchtung mancher in rücksichtloser Intoleranz eingeheckter Vornrtheile, wenn anch nur in geringem Mäße, beigetragen zu haben. X. Prag, 22. November. Als ich vor einigen Tagen in Pest anwesend war, gereichte es mir zur angenehmen Ueberraschung, von einem Geschäftsfreunde zu der eben damals stattfindenden Jakob Kern-Feier des Vereines zur Beförderung des Ackerbaues und der Gewerbe eingeladeu zu 43