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Ben Chananja · 1866-12-01 · 42 (1.12.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
42 (1.12.1866)
Date
1866-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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817 818 die Mitlelschnlen besuchenden Zöglingen und auch denen, die die Schule mit dem praktischen Leben vertauschen, Gelegenheit geboten sei, ja, daß es ihnen, nämlich den Gymnasial- und Realschülern, zur strengsten Pflicht gemacht werde, den Hebräischen Unterricht fortznsetzen. Zur Erreichung dieser edlen Zwecke, hat daö ehrenwerthe Korrrit6, bestehend aus den Herren Dr. Schulhof, Dr. Mendel, Löwinger, Spitzer, Engel 2c. sich bezüglich des Kostenpunktes mit den einzelnen Gemeindegliedern verständigt. Der hebräische Unterricht an der Musterschule wurde um einige Stunden per Woche er, weitert; der Unterricht am Untergymnasium und an der Un- 'errealschule wurde den zwei Neligionslehrern an der Musterschnle zngewiesen, und da dieser Unterricht nur die Fortsetznng und Ergänzung des in der Volksschule Erlernten bildet, so läßt sich mit Sicherheit ein erfreuliches Resultat prognostiziren. Während man nun solchergestalt dem dortigen Rabbiner die Last des Unterrichtes erleichterte, indem sich nun seine Thätigkeit blvs auf die Obergymnasialschüler erstreckt, scheinen die Quellen der Unzufriedenheit vorläufig verstopft zu sein. Wie es. dort in maßgebenden Kreisen transpirirte, soll auch die Rabbinerfrage bald aufs Tapet kommen und einer friedlichen Lösung zugeführt werden. Bekanntlich ist Rabbiner Ehrlich trotz seiner Sprachenkenntniß und seiner Gelehrsamkeit nur als Rabbinatsverwesex ausgenommen, und als solcher soll er auch in Zukunft neben dem für den großen Tempel anzustellenden Rabbiner-Prediger seinen Platz behalten. Philalethes. N e V 2 v Io g L e. v. Hotzenploh) 7. November. Gestern verschied Dr. LitKlisoli, ein allgemein gearteter und beliebter Arzt. Im Jahre 1807 geboren, wurde er als Kind armer Eltern in der Talmud-Thoraschule unterrichtet, zu deren begabtesten Zöglingen er gehörte. Durch eigenen Fleiß eignete er sich die französische und englische Sprache an, erwarb sich als Hauslehrer einige Gulden , und stndirte in Prag die Chirurgie. In einem Alter von 45 Jahren machte er, die der Lehr- und Lernfreiheit günstigeren Gesetze benützend, die Ma< turitätsprüfnng, und unterzog sich noch einigen medizinischen Prüfungen, um den Doktorhut zu erlangen. Er wirkte nicht nur als Arzt, sondern auch als Mitglied seiner Neligionsgemeinde sehr segenreich. An seinem Leichenbegängnisse betheiligte sich auch die christliche Bevölkerung. Er hinterließ eine Witwe und mehrere unversorgte Kinder. Friede seiner Asche! Mllfkirchen, 12. November. Heute haben wir UNter allgemeiner und ungeheuchclter Theiluahme der hiesigen israelitischeu Bevölkerung eine Frau zu Grabe getragen, mit welcher die Hoffnungen und die Stütze der Armen eingesargt wurden. Katharina Grün,. die Gattin des hiesigen Vorstehers Sigmund Grün, war eine jener Gottlob nicht seltenen Bieder-Frauen Israels, die die Vorsehung als verkörperte Wohlthätigkeit zur Erde gesandt, die kein anderes Bedürfuiß kennen , als den Nächsten Gutes zu thun. Die Verewigte war der Schutzengel der Armen. Sie verwendete die, Güter, mit denen sie der Himmel gesegnet, dazu, die Blößen der Nakten zu bedecken, ihre Wunden zn heilen und ihr kümmerliches Los zu erleichtern. Ohne mit ihrem seltenen WohlthätigkeitSsinn zu prunken, übte sie die von Alters her auf uns vererbten Tugenden, Barmherzigkeit und Milde, ans eine so edle Weise, daß sie den Empfänger nicht beschämte, noch ihn das Unglück der Armut fühlen ließ. Ihr Haus bot dem dürftigen eine Zufluchtsstätte und bei ihr fand jeder Hilfe, der derselben bedürftig war. Sie öffnete ihre milde Hand zur Ertheilung von Gaben und ihren Mund, um demjenigen Trost zu spenden, der 'als Stiefkind der Gesellschaft nur.ihre Kehrseite repräsentlrt und zum Leiden und Dulden bestimmt ist. Mit musterhaftem Takte wußte die Hingeschiedene ihr Wohlthun in ein System zn bringen; darum war sie den sogenannten verschämten Armen ein rettender Engel, der das Unglück bannte, wo es seine schwarzen Fittiche ausgebreitet. Der Frauenverein und' die sonstigen Humanitäts-Anstalten den hiesigen Gemeinde ' verlieren in ihr ein eifriges Mitglied, obwohl sie eS nicht liebte, an der Spitze irgend eines Vereines zu stehen, sondern vorzog, ungesehen ihre Gaben zu vertheilen und stillwirkend zur Erhaltung und Kräftigung der Wohllhätigkeits-Anstalten beizutragen. Schon vor einem Jahre begann eine unheilbare Krankheit, das theure Leben zu gefährden. Die. Verewigte besuchte in Begleitung ihres Gatten den Kurort Karlsbad und kam neugestärkt nach Hause, um den alten neidenswerthen Lebenslauf wieder zu beginnen. Die Besserung sollte jedoch nicht von Dauer sein, denn im Rathschlusse des unerforschlichen Richters war eS anders beschlossen. Die Krankheit trat mit erneuerter Energie auf und sie zu bekämpfen, war weder der angewandten ärztlichen Hilfe, noch der zärtlichen Liebe und Theilnahme möglich, die ihr von allen Seiten entgegengebracht wurden. Samstag am 10. d. M. 8 Uhr Morgens stellten sich die Schatten des Todes ein und Abends 10 Uhr hauchte sie die edle Seele aus. Vor dem Leichenbegängniße strömten die Armen ohne Unterschied der KonffessionFcharenweise in das HauS der Trauer.und hier wurde die beträchtliche Summe von 500 fl. vertheilt. Möge die frühzeitig Verstorbene am Throne des himmlischen Vaters den Lohn ernten, den sie hier auf Erden, in so reichlichem Maße gesäet. Friede ihrer Asche! תנצבח G u t m a nn. Aorrejjiondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältuijsc. Temesvar, 24. November. Herr Jakob Hofbauer ist zum Accesisten beim hiesigen Stadtmagistrat ernannt worden. Er ist vielleicht der erste Jude in Ungarn, dem eine solche Ernennung zu Theil ward. Berlin, im Nov. Die von Dr. Philippson verfaßte, dem Landtage zu überreichende Petition lautet, wie folgt: ״Hohes HauS der Abgeordneten! Die Neugestaltung des Preußischen Vaterlandes nach glorreichen Siegen und die wachsende Verwirklichung der Verfassung ermuthigt auch uns, vor die Abgeordneten des Preußischen Volkes zu treten und um die Erfüllung unserer, wie wir glauben, gerechten Ansprüche zu bitten. Das vergrößerte Preußen umfaßt jetzt über 300,000 Seelen jüdischer Religion. In der Ver, fassung vom 31. Januar 1850 besagt Artikel 12: ״Der Genuß der bürgerlichen und statöbürgerlichen Rechte.ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse." Hiermit stimmt Artikel 4 überein, wenn er feststem: ״Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich. Die öffentlichen Aemrer sind unter Einhaltung der von den Gesetzen festgestellten Bedingungen für alle dazu Befähigten gleich zugänglich." Diesen Bestimmungen der Preußischen Verfassung gemäß kann es wohl keinem Zweifel unterzogen werden, daß auch die Preußen jüdischer Religion auf alle bürgerlichen und statsbürgerlichen Rechte den vollen Anspruch haben. Auch sind diese sich wohl bewußt, daß sie stets und überall mit Freudigkeit all den Pflichten nachgekommen sind , welche das Gesetz und die Vaterlandöliebe allen Bürgern ohne Berücksichtigung des religiösen.

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