Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 42 (1.12.1866)
- Date
- 1866-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543217--5085-2549115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
815 816 bis jetzt 8 Stunden wöchentlich gab, nach dem Ausscheiden des Dr. Rofin, noch 8 Stunden, somit 16 Stunden per Woche und Dr. Holzmann trat ein als Lehrer mit 8 Stunden Unterricht in der Woche. An der ReligionSschule ist die Stelle des Drs. Rosin noch unbesetzt. Dr. Bärwald versieht provisorisch das Direktorium. l4Xr(00fivO0i. &. u 8 J? e t f i 11. 11. November 1866. A. E. In der am 11. Oktober stattgehabten General- Versammlung des Vereines ״Schochare Hattob" wurde Herr Dr. Simon (Sinai) Nascher aus Baja definitiv zum Rabbiuer und Prediger dieses Vereins gewählt, indem auch viele von der Gesammtgemeiude, um die Anstellung desselben zu ermöglichen, als außerordentliche Mitglieder dem Vereine beitraten und freiwillige Spenden zufließen lasten. Gleichzeitig wurde in dieser Versammlung der Neubau einer Synagoge endgiltig zum Beschluß erhoben, und die in der vorhergegangenen Versammlung gewählte Kommission mit der Ausführung desselben beauftragt. Am Sabbath 20) לך. Oft.) hielt Herr Dr. Nascher seine eigentliche Antrittsrede. Anknüpfend an den Träger des Wochenabschnitteö, Abraham, wies der Redner nach, daß Abr.'s Haupttugenden der rechte Geist, der ernste Wille und der feste Charakter gewesen seien, die bei dem Einzelnen sowol, als bei der Gesammtheit zur Geltung gelangen müssen. Zum Schluffe verhieß er auch, sich nicht ganz der Stimme der Neuzeit, sondern mit der alten geheiligten Form die neue Gewandung verschmelzen zu wollen, und sprach darauf — zum ersten Male in der Vereinssynagoge — das Königsgebet in deutscher Sprache. Wie ich höre, erfreut sich die Rede ungetheilten Beifalls, da der Redner mit einer hinreißenden Rede!ein angenehmes Organ verbindet. Das photographische Institut der M. Poppelauerschen Buchhandlung hier bereichert sich fortwährend mit neuen Photographien der berühmtesten Männer und Gelehrten Israels. Neuerdings hat dasselbe eine Gallerte von 22 Talmudgelehrten und Nabbinen in sehr gelungener Darstellung auf einem Bilde, die die Verleger und Eigenthümer (A. M. Bleichrock und Dr. M. Poppelauer) Sir Moses Montefiore gewidmet haben. Dieser nahm die Widmung und die ihm übersendeten fünf Exemplare mit wahrfaft freudigem Dank entgegen, worauf Herr Dr. Löwe noch zwei Eremplare bestellte. Das Bild gereicht jedem Hause zur wahren Zierde. - Die.fünMchiier israelitische Zemeiade. Wahrend eines mehrtägigen Aufenthaltes in Fünskirchen, der Hauptstadt der Baranya, hatte ich Gelegenheit, das Streben dieser Gemeinde von der vortheilhaftesten Seite kennen zu lernen. Licht und Schatten sind wol auch hier wie überall gleichmäßig vertheilt, allein was ich zu meiner Freude im Gegensätze zu andern weit größer» Gemeinden hier nicht wahrnahm, das ist der JndifferentiömuS, der überall, wo I er auftritt, mit seinem eisigen Hauche die zarten Sprößlinge zerstört, so daß das religiöse Leben erstarrt. War diese Gemeinde schon vor mehreren Jahren, bemüht., ihre Juftitutionen den Anforderungen der Zeit konform zu regeln, so daß sie zn wiederholten Malen als eine Mustergemeinde hlngestellt wurde, so hat sich in letzter Zeit noch mehr ein Anlauf zur Vervollkommnung, ein Umschwung zum Bessern bemerkbar gemacht, der gewiß von den heilsamsten Folgen begleitet sein wird. Mit überschwänglicher Kraftanstrengung und mit An- Wendung fast unbegreiflicher künstlicher Mittel'ist es gelungen, einen Tempel aufzuführen, der, als ein riesenhafter Bau in die Höhe ragend, weit und breit verkündet : ״Gemeinsame Hilfe in gemeinsamer Noth Hat Reiche und Statcn gegründet. — Der Mensch ist ein Einsamer nur im Tod, Im Leben und Streben verbündet!" — ' ' Die Musterschule, welche in andern Orten als außer der Gemeinde stehend betrachtet und mitunter auch äugefeindet wird, erfreut sich der allgemeinen Theilnahme, da die an dieser Anstalt wirkenden Lehrer etwaigen billigen Wünschen der Gemeinde Rechnung tragen. Wenn aber trotz dieses guten Einvernehmens Klagen gegen den hebräischen Unterricht laut wurden, so wußten die Einsichtiger» der Gemeinde und mit diesen der Lehrkörper, daß die Klagen im herrschenden Systeme begründet sind, gegen welches ein jeder Kampf vergebens ist. Denn, wie ist es auch zn verlangen, daß ein Kind von 10 Jahren, das' ist die gewöhnliche Zeit des Austrittes aus der Volksschule, in 10״ Monaten, von welchen noch die Wochenferien und die sonstigen Fast- und Festtage abgerechnet werden müssen, den massenhaft aufgespeicherten Stoff in den vorgeschricbenen Schulbüchern in ungarischer und deutscher Sprache, die fünf Bücher Moses gewürzt mit einer Portion Grammatik und obendrein noch einen oder mehrere Theile der Profeten bewältigen könne? Abgesehen nun von diesem Windmühlenkampfe gegen den Spracheu-UtraquismuS, an dem, wie in der Lehrerrpelt bekannt, die eifrigsten und unverdrossensten Schulmänner ihre. Kräfte vergebens zersplittern , um endlich nach Jahren ihre Ohnmacht einzusehen, haben wir auch die Schulzeit, nicht etwa die tägliche zwischen 5 und 7 Stunden, sondern die gesammte, für den Besuch der Volksschule berechnete, nämlich das Vierklasseusystem, als ein uuübersteigliches Hinderniß zu verzeichnen. Dieser in Deutschland schon .lange überwundene Standpunkt wird hoffentlich auch bei uns bald und zwar mit ungleich mehr Berechtigung der bessern Einsicht weichen, und wahrlich, wir haben mehr Anspruch, daß dieser Stein des Anstoßes hiuweggeräumt werde. — Verläßt nun daS zehnjährige Kind mit den in der Volksschule empfangenen Anfängen aus Allem und Jedem die Anstalt; war eö so glücklich, alle vier Klassen in den entsprechenden vier Schulfahren durchzumachen, und Übertritt es nun in die Mittelschulen, da wird vor allem andern der ohnehin leichte Ballast des Hebräischen über Bord geworfen, und die zwei wöchentlichen Religionsstunden beim Rabbiner können bei desfen besten Willen und wäre er auch der tüchtigste Schulmann, den gänzlichen Wegfall des Erlernten unmöglich hemmen. Um wie viel trauriger ist es wol um den Religionsunterricht da bestellt, wo der Rabbiner nicht die zum Lehrer nothwendige Befähigung hat, oder wo er, ein Opfer seiner abhängigen Stellung, Jedermann nach Willen verfahren muß! — Zu Anfang dieses Schuljahres hat sich in Fünfkirchen aus strebsamen, für die heilige Sache erglühten Männern ein provisorisches Komits gebildet, welches in Rücksicht auf die vorhandenen Uebelstände sich die löbliche Aufgäbe gestellt; einerseits die Lehrer au der Musterschule in der Bekämpfung der im Systeme liegenden Schwierigkeiten zu unterstützen, andererseits auch dafür zu sorgen, daß den