Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 42 (1.12.1866)
- Date
- 1866-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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811 812 monien hat, die im Einzelnen und Ganzen für den Schwörenden durchaus inhaltö- und bedeutungslos, ja schmählich sind; in fernerer Erwägung, daß in Widerspruch mit §. 94 des Anhanges zur allgemeinen G erichtsordnung, welcher vorschreibt: x. ״Diese zu beobachtenden Zeremonien dürfen nicht abgekürzt und verändert werden", dennoch die Bannbedrohung, der Zuruf an alle anwesenden Juden: ״Weichet von dem Aufenthalte dieser frevelhaften.Lente!" ״Wisse , daß du nicht nach deinem Sinne und deiner Auslegung der Worte , sondern nach dem Verstände, den nur wir (sie) und die Richter mit den Worten verbinden, den Eid ablegst", »icht mehr gesprochen werden, obgleich sie weder durch ein, Gesetz, noch :durch eine bekannt gewordene Verordnung: aufgehoben w orden sind: ... . . , , aus allen diesen Gründen bitte/ich/ergebenst, das hohe Hans der Abgeordneten.wolle beschließen : Daß der noch immer gesetzlich geforderte Judeneid mit der dazu gehörenden Vermahnung und den daran geknüpften Gebräuchen von jetzt an aufgehoben.und,.durch die Formel: ״Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden. So wahr mir Gott helfe!" ersetzt werde./ ,, , Genügt auch zur Beseitigung und Widerlegung möglicher Einwendnngen gegen diesen Beschluß der Hinweis auf die? kleine Schrift: ״die Vorschriften über Eidesleistung -der Juden beleuchtet von Dr. Zunz." Berlin 1859 (Springer), welche den fraglichen Gegenstand, erschöpfend behandelt;. / so will ich doch׳noch einige Punkte hervorhebendie geeignet sein dürften, die, Sache, noch schärfer zu beleuchten. ׳Zunächst; ist noch daran sestzuhalten, daß die jüdischen . Preußen seit;-1812 gleiche Gerichtsbarkeit. mit.;den christlichen Statsbürgern haben, und . ohne Ausnahme ln-,allen Privatrechtlichen Angelegenheiten einzig und allein nach den Landesgesetzen,, und nicht etwa nach, talmudisch-rabbinischen - .Nechtßaiissprüchen. gerichtet werden. :Welchen Sinn hat eS; nun, daß man bei dem Eide eines Juden. die Mitwirkung eines jüdischen,Kultusbeamten ckkd.mit Ausnahme bei Zeugeneiden. auch den Eintritt in die Synagoge, oder ,Betlokal für .unumgänglich nöthig erachtet?. Diese Prozedur, ist nicht .nur, eine Verletzung , der in. der Statsverfassuug auch, den ,,Juden verbürgten, Gleichheit, por dem Gesetze ,, sondern .sie . schädigt,auch geradezu,das:^.materielle Interesse des.Christenwenn dieser die .verlierende,,Partei,im Prozesse ist und .den oder die Judeneide veranlaßt hat,: deren Gebühren für den Kultusbeamten,und die Zeugen nicht unerheblich sind./ Pie - ganze Mummerei, bei..dem ,Eide. eines Juden ist,ferner nicht nur kein,Schutzmittel gegen die.Ablegung,eines .falschen , Schwures, sondern im Gegentheil, sie ist.gerade dazu angethan, den Meineid zu befördern, ,wie.,dies,der, 1864,,in Mariencherder vorgekommene Fall beweist, , wo der für deri geleisteten Meineid bestrafte Jude seinen falschen Schwur ,damit zu entschuldigen suchte, daß die gesetzlich, vorgeschriedenen Formalitäten, wie Händewaschen u. s. w... nicht, gehörig vollzogen worden wären, daher l)ätte er ohne Gewissensbisse die Wahrheit verrathen dürfen. Solchem argen Frevel kann aber nur dann fortan mit Erfolg gesteuert werden, wenn alle verwirrenden und verwirrten Formalitäten von dem feierlichen Akte der EideSleistung entfernt werden, und diese auf ihre ursprüngliche Form, die Betheuerung der Wahrheit unter Anrufung Gottes, zurückgeführt wird. Zieht.man zu all dem noch den Umstand in Erwägung, daß in den neu annektirten Staten die beregten Formen beim Eide der Juden abgeschafft sind so stellt sich die Nothwendigkeit, dasselbe im Mutterlands zu thun, um so dringender heraus. In tiefster Ehrfurcht rc. berliner Äriese. I. Berlin, im November. Es wird Ihnen nicht unwillkommen sein, geehrtester Herr Redakteur, für Ihr Blatt, das seit Jahren für ,den Fortschritt im Judenthume mit Muth und Sachkenntniß kämpft und wirkt, ein Charakterbild 6n miniature, der Zustande in hiesiger jüdischer Gemeinde zu erhalten. Daß eine Gemeinde, welche 30,000 Seelen zählt, auch die heterogensten Elemente, in ihrer Mitte vereint, — das ist in unserer Zeit selbstverständlich. Wo überhaupt gibt es in der gebildeten Welt"noch" eine jüdische Gemeinde, in welcher alle Mitglieder derselben ein und dieselbe religiöse .-Richtung verfolgen? Wie überall gibt es demnach auch hier Parteien, die!in ihren religiösen Ansichten auseinander ge- - hen. . Neben der! Reformgemeinde, zu/ welcher ein ansehnlicher Theil die Gemeinde zählt, besteht noch ein Verein, ״Schochare Tob" genannt, der die::äußerste:Ultraorthodoxie 3u ve^rälentiren -jld& bnö Ansehen gibt. Ich sage, ״sich das -.Ansehen gibt", denn für den. Tieferblickenden stellt sich leicht ,heraus, daß unter den Truppen dieser Gesellschaft Manche . oder Viele sich findew, welchen,die- Maske, der Frömmelei nicht./,-recht.׳sitzen will. Es ist indessen auch ayderswo;,kein Mangel an Zwitterfrommen!, die da eifern gegen das Ah- . ׳schaffen eines.;/Jeknm Purkan", ,und am Sabbath vor aller Welt oder im Verborgenen Geschäfte treiben, kurz כשר -reden und טרסה leben. Zwischen-diesen extremen Richtungen stehen die beiden .Gemeindesyuagogen. Man., darf.. sagen: beide;, denn selbst, die alte Synagoge, welche schon unter Dr. Sachs manche Peform, wie das Abstellen der Pijutim 'an״allen Festsabbatheu und׳ Festen außer am Neujahrs- und Versöhnungsiage ׳einführte, hatte unter diesen Zeloten ihre Gegner. Die neue Synagoge zählt natürlich unter dieser Klajse'׳ sinh Hochbeinigen a-ldersi׳ weit, mehr/ und größere Bekämpfer. Allein selbst die Orthodoxie, welche nicht von Parteilichkeit geblendet' ist', erkennt'es an, daß der Gottesdienst in dieser' Synagoge erhebend. und'/ erbauend ist. — In dem ' Gebetbuche, das. für die neue/Synagoge eingeführt ist, tvur- ''den' drei Hrtnzipien''föMH'altenr 1) Sollten alle Gebetstücke auögeschieden oder abgeändert' werden, ' welche Klagen ent- -- halten, zu welchen jetzt kein Grund, demnach auch keine Berechtignng vorhanden ist; 2): durften Wünsche. nach/einem politischen Messiasreiche, nach der Auferstehung eines jüd. States in Palästina, welche gegen die ganze Anschauüngsweise der Aufgeklärten ausgesprochen wären, keinen Platz