Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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126 126 zu können. In das Gemeindeleben streckt 801־ eher Indifferentisraus seine kalte Leichenhand,, und ertödtet, was er zu beleben und vernichtet, was er zu erhalten vorgibt. Doch richten wir unserri Blick nunmehr auf unser eigenes Gemeindeleben. Wo! dürfen wir dies mit dem Gefühle freudiger Genugtlmung betrachten. Denn wohlgeordnet sind unsere Institutionen. Kein Opfer habt Ihr gescheut, ein würdiges, der Gottesverelmmg geweihtes Haus zu errichten; innerhalb desselben werdet Ihr durch Gebet und Verkündigung des Gottes- Wortes erbaut und belehrt. Unsere Kinder werden eingeführt in die glorreiche Vergangenheit der Väter und die Lehre, die Moscheh uns geboten, wird ihnen mit Wärme ans Herz gelegt, damit sie darin Trost und Aufrichtung finden in allen Lagen des Lebens. Unsere Jünglinge und Jungfrauen werden an heiliger Stätte zu ihrem hohen Berufe als Israeliten geweihet. Es fehlt uns nicht an Vereinen, die der Liebe im umfassendsten Sinne gewidmet sind, und unsere Männer und Frauen haben sich in schönem Wetteifer bei diesen-Liebeswerken passend ergänzt. Manches, was zur zweckmässigen Einrichtung unseres Gottesdienstes noch fehlte, ist bereits vorhanden und wird wol auch demnächst zu seiner Verheillichung ins Lehen, treten. So ständen denn unsere Gemeindeinstitutionen wohlgeordnet, unser Gemeindewesen gut verwaltet da, und das Wort : ״Durch Lässigkeit sinkt das .Gebälk,, durch Schlaffheit der Hände dringt liegen in’s Haus“ wäre vergebens zu uns geredet? Ich mag• nicht entscheiden. Prüfen wir uns nur selbst Alle im Stillen, ob wirklich alle Selbstsucht, die Mutter des Unfriedens, ob wirklich aller Indifferentismus, der nagende Wurm an einem schönen Gemeindeleben, gebannt ist aus unserer Mitte; ob wir wirklich Alle unsern Stolz und Ehrgeiz ’nur finden in der Hebung und Veredlung unseres Gemeindewesens, nicht im Zerstören und Vernichten, sondern im Auf- und Ausbau unserer Gemeindeinstitutionen. So_ aber soll es sein in unserer Mitte. Wir Alle wollen unsern Stolz und Ehrgeiz hur in Letzterm finden, und wer den edlen Ehrgeiz besitzet, sich hierin hervorzuthun, findet hier, auf dem Boden der Gemeinde, ein weites Feld gedeihlicher Wirksamkeit. Wir Alle wollen darüber sinnen, wie das Gemeindeleben immer zweckentsprechender, immer schöner sich gestalten könne nach seinen drei Seiten hin, nach denen es sich bethätigen soll, in Bezug auf חורה ,עבורה .ג״ה Lehre, Gottesdienst und Wohlthätigkeit. Und so möge es denn auch mir vergönnt sein, von dieser Stätte.aus einen Vorschlag Euch zu machen, der darauf hinzi eit, dem zuerst genannten Zweige der Wirksamkeit jeder jüdischen Gemeinde, der תורה, eine umfassendere Pflege zuzuwenden. תלמוד חורה die Beschäftigung mit der jüdischen Wissenschaft gehörte zu allen Zeiten, wie zu den heiligsten Aufgaben des Einzelnen, so auch namentlieh der Gemeinde. Wie der Jugend, so war auch dem Alter innerhalb der Gemeinde Gelegenheit geboten, einzudringen in die Tiefen der jüdischen Wissenschaft; denn diese war es ja, von der es heisst: .והגית בו יומם ולילה ״Du sollst über sie sinnen Tag und Nacht.“ (Josua 1, 8), diese war es ja, von der die Alten sagen י,וחלמור תורה כנגד בלם dasssie das höchste sei, mit dem der Israelit sich hescbäftigen könne. (Pea I, 1). — Die Zeiten haben sieh freilich geändert, und'die veränderten Lebensverhältnisse undLebensanschäungen haben die jüdische Wissenschaft, wie sie früher betrieben ward, in den Hintergrund gedrängt, ja denen, zu deren Berufs wissenschäften sie nicht gehört, die Beschäftigung mit ihr fast unmöglich gemacht. Der neuesten Zeit war es Vorbehalten, diesen Mangel einigermassen zu ersetzen, dadurch, dass sie einen, Zweig der jüdischen Wissenschaft schuf und mit Vorliebe anbauete, der auch dem nicht mit der Wissenscaft des Judenthums Innigvertrauten die Mittel;׳. gewährt, in die Tiefe des jüdischen Geisteslebens "in,seinen verschicdenen Wandlungen einzudringen, die äusseren, wie. inneren Erlebnisse seiner Nation, zu .erfahren. Ich meine die. jüdische Geschichte. Wohlaun denn, ich beabsichtige im Laufe dieses Winters aus dieser unserem Interesse so nahe liegenden Wissenschaft vor Euch einige Vorträge zu halten, und Euch somit bekannt und vertraut zu machen mit den äusseren wie inneren Wandlungen, die die Juden in ihrem äusseren wie in ihrem Geistesleben erfahren haben, seitdem sie vertrieben wurden von dem Boden ihrer Väter; dabei werdet ihr erken-