Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543215--5053-2549105- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 124 Gebiete der Religion wieder Befriedigung verschafft, hier in der Gemeinde ward und wird seinen Söhnen und Töchtern das heil. Erbe der Väter überliefert; hier werden sie eingeführt in die Religion, in die Sprache und Geschichte seines Stammes und Glaubens; in der Gemeinde werden seine Rinder, Söhne und Töchter geweiht ihrem hohen Berufe, Israeliten zu sein in des Wortes schönster und umfassendster Bedeutung.״ Hier werden ihre Ehebündnisse geschlossen und ihre neuen Pflichten ihnen ans Herz gelegt. Und wenn unsere letzte Stunde schlägt, dann werden wir hier von unsern Glaubensbrüdern dem Schosse der Erde übergeben, und der letzte Beweis der Liebe und Treue uns gezollt von denen, mit welchen durch gleiche Abstammung wir so eng verknüpft waren. Hier wird unser noch gedacht an heiliger Stätte in Liebe und Treue, wenn längst unsere irdischen Ueberreste sich mit dem Staube der Erde vermählt haben. Hier in der Gemeinde werden vereint Handlungen edler Bruderliebe geübt gegen unsere Armen und Dürftigen, gegen unsere Kranken und Leidenden, gegen unsere Sterbenden, ja gegen unsere Todten selbst. — Liebe ist, sollte das heilige Band sein, das die Glieder der Gemeinde mitsammen unauflöslich verknüpft» Liebe, die sich bewährt von der Wiege bis, zum Grabe, vom Neugebornen bis zum lebenssatten Greis, Liebe, die sich bewärt in allen Lebensereignissen, in den glücklichen, wie in den unglücklichen, in den freudigen, wie in den traurigen. So sollte es sein. Aber auch hier ist die Lässigkeit zu beklagen, durch die das Gemeindeleben so oft in seinem Grunde unterwühlet, in seinem Bestände gefährdet und dem Verfalle nahe gebracht wird. — Seht, da nenne ich Euch zwei gefährliche Feinde des Gemeindelebens. Der erste ist die Selb s tsucht, die Muter des Unfriedens. Wo die Selbstsucht herrscht, soll der Eigenwille dem Willen der Gesammtlieit gegenüber durchaus aufrecht erhalten werden, und vermag mau es nicht auf geradem Wege, so wählet man den krummen Weg; und vermag inan es nicht im Frieden, dann wirft man mit frivoler Hand die Fackel der Zwietracht in die friedliche Gesammtheit hinein. Was tliut’s, wenn auch das Gute und Schöne dabei von den Flammen verzehrt wird? Was ihut’s, wenn auch das Bessere hierbei zu Grunde geht! Wie jene falsche, vorgebliche Mutter zu Salomo, also spricht auch die Selbstsucht, die wir die Mutter des Unfriedens genannt: נם לי גם לך לא 11) יהיה גלר. B. K. 5, 26) ״Nicht mir, nicht dir mag die Gemeinde gehören; möge sie lie_ ber zertheilet, zerspaltet, zerklüftet werden; nur meinen Eigenwillen bringe ich nicht als Opfer dar!‘•׳ — Schauet nur einmal hin auf Israels Gemeinden, auf die grossen , wie auf die kleinen. Was erblicken wir nur zu häufig in ihnen? Zerklüftung, Zerspaltung, Unfrieden, Zwietracht. Wol bezeichnet man es als מהלקח לשם'שמים, als Streit aus religiösen Gründen. Aber klingts nicht wie Religion8wie Gotteslästerung, wenn man die Religion als Gegenstand der Zwietracht bezeichnen hört, die Religion, die da gekommen ist, die Mchsehen zu versöhnen, wie es ja heisst, לא נחנה ״ .ההורה אלא לעשוה שלום בעולםEs sei die Religion den Menschen nur gegeben worden, um Frieden zu stiften auf der Welt.“ ־ 'Nein, meine Freunde, ich will Euch nennen, woran die Brandfackel der Zwietracht sich zumeist entzündet, an der Selbstsucht, an dem Eigenwillen, an dem Bestreben, das eigene Ich zur Geltung zu bringen, in den Vordergrund treten zu lassen; da wird dann die Religion erniedriget, in den Staub gezogen, zur Magd heräbgewürdigt ממרים הייה□ עם ה״א da wird dann Gott selbst in den Bund der Gottlosen hineingezogen. Als den zweiten gefährlichen Feind eines schönen Gemeindelebens bezeichne ich den I n d i f f e r e n t i s m u s, die Gleichgiltigkeit ge-, gen die hohen, heiligen. Aufgaben der Gemeinde.. Es stellt sich der Indifferentismus in einer zweifachen Gestalt uns dar. Entweder zieht sich der Indifferente in stolzer Vornehmthuerei vom Gemeindeleben zurück, als handle es sich innerhalb desselben nur um todte Bräuche und Vorschriften, um nutzlose Institutionen und Anstalten, deren Uebung und Wirksamkeit mit dem Geiste unserer Zeit in krassem Widerspruch stände und die demnach einen Anspruch auf Beachtung• und Existenz nicht erheben dürften. Oft genug aber erheuchelt der Indifferente ein lebhaftes Interesse für das Gemeindeleben, um es dadurch um so sicherer und leichter vernichten und zerstören