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Ben Chananja · 1866-11-01 · 40 (1.11.1866) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
40 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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121 122 Lebens. Zur Liebe müssen sie erzogen werden, dass in ihnen der Menschheit Männer und Frauen erblühen, die nicht zurückstehen, wenn der Menschheit Wohl gefördert werden soll, in kleinen oder in grossen Kreisen. Zur bescheidenen Anspruchlosigkeit müssen sie erzogen werden, dass sie Wohlgefallen finden in den Augen Gottes und der Menschen. Damit aber das Haus, seiner hohen Be- Stimmung entsprechend', Erziehungs- und Bildungsanstalt werden könne, dazu müssen Gatte und Gatlin, Vater und Mutter in treuer Liebe und aufrichtiger Hingebung sich die Hände reichen; willig und freudig muss das Gute und Treffliche im Hause geübt werden. Der Geist der Liebe und des Wohlthuns, der Geist der Tugend und der Gottesfurcht muss im Hause walten; Sabbath und Festtage müssen mit Hingebung und Weihe gefeiert, die religiösen Bräuche mit Andacht geübt werden. So sollte 68 sein. Wie sieht es aber aus, wenn Lässigkeit sieh einschleichet in das Haus, in die. Familie? Da ist das Band der Liebe gelockert, das die Hausgenossen an einander knüpfen sollte; da tritt, wenn auch nicht Zank und Streit, doch Kälte und Entfremdung ein zwischen denen, die einst sich Liebe und Treue gelobet haben, zwischen Gatte und Gattin; da wird die höchste •und heiligste Aufgabe des Hauses, die Erziehung, mit Gleichgiltigkeit angesehen und vollzogen. Der Geist der Frömmigkeit wirket nicht im Hause; Sabbath und Festtage werden ohne Weihe gefeiert, die religiösen Bräuche ohne Andacht gettbet. Wie könnte da der Gottesgedanke, das religiöse Bewusstsein im Kinde sich entfalten und zur beherrschenden Lebensmacht ihm• werden! Gatte und Gattin gehen mit Gleichgiltigkeit und Kälte neben einander her, oder stehen in Zwietracht einander gegenüber. Wie könnte da Achtung vor den Eltern der Kinder Herzen erfüllen! Gatte und Gattin, Vater und Mutter zeigen sich kalt, theilnahmslos gegen Armiith und Dürftigkeit. Wie könnten da die•‘ kindlichen Herzen Liebe und Wohlwollen gegen ihre Mitmenschen, namentlich die Armen, erwärmen! Gatte und Gattin, Vater und Mutter zeigen sich gleichgiltig, abgewendet allen, höhern, edlern Bestrebungen der Menschheit. Wie könnte da in der Kinder Herzen ein höheres, menschenwürdiges Streben erwachen, das über den Kreis des Nächstliegenden hinausreicht; wie könnte da in ihren Herzen ein edleres Gefühl, in ihrem Geiste ein hoher, heiliger Gedanke aufkommen! Gatte und Gattin, Vater und Mutter blicken mit Geringschätzung auf ihre Umgebung. Wie könnte da in den Herzen der Kinder die bescheidene Anspruchlosigkeit, des Menschen schönste Zier, Raum gewinnen! Seht, m. Fr., in solchem Hause sinkt das Gebälk; denn der Grund, auf dem es aufgerichtet ist, ist unterwühlt; das Dach, das es schützen sollte, lässt Regen durch. — Darum lasset auch uns. verfahren, wie der vorsichtige Hauswirth vor Eintritt der rauhem Jahreszeit verfahrt. Untersuchen wir genau und sorgfältig unser Haus und wo wir Mängel und Lücken wahrnehmen, sei es in unserm ehelichen Verhältnisse, sei es in der Erziehung unserer Kinder oder im Verhalten nach Aussen, da lasset uns bestrebt sein, diese Lücken auszufüllen, die Mängel zu verbessern. , - . III. Wir steigen eine Stufe höher und betrachten mitsammen die Gemeinde, denn, auch bei dieser bewährt sich des weisen Königs Mahnung : ״Durch Lässigkeit sinkt das Gebälk, durch Schlaffheit der Hände dringt Regen' in das Haus.“ M. a. Z., als der jüdisehe Stat vor mehr denn achtzehn Jahrhunderten in Trümmer zerfallen, und wir vertrieben wurden aus unserm Erblande über’ die Länder der Erde, da wären wir dem Untergange preisgegeben gewesen , wenn nicht an die •Stelle des States die• Gemeinde getreten wäre. In der Gemeinde fand sieh der Israelite mit seinen Glaubens- und Stammbrüdern wieder zusammen. An sie schloss er sich mit seinem ganzen Denken .und Fühlen, Wollen und Handein; denn liier •vermochte er ja wieder seine heiligsten und unabweisbarsten Bedürfnisse zu befriedigen. Hier, in der Gemeinde, konnte sr wieder in der Sprache seiner Väter zum Gotte Israels rufen ■und beten in der Mitte derer, die gleicher Abstammung, gleichen Glaubens mit ihm, mit ihm vom Geiste der Andacht und der Frömmigkeit erhoben und erfüllet waren. Ja, hier in der'Gemeinde ward und wird dem Bedürfnisse seines Geistes und Herzens nach Belehrung und Erbauung auf dem

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