Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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ihm gänzlich vernichten. — Sieh, mein Freund, Du blickst mit einem gewissen Missbehagen auf die Habe, die Stellung, die Ehre deines Nächsten, Du überredest dich zwar, dieses » Missbehagen stamme ja nur aus der Heberzeugung, dass diese Hüter nicht eigentlich von ihm verdient, nur ungerechter Weise ihm zugefallen seien und wol einen Würdigem zieren könnten. Und doch rufe ich dir zu: Täusche dich nicht selbst über dich; rotte lieber dieses .Missbehagen aus, denn es ist die Wurzel des Neides, wol gar der Neid schon selbst, und du weisst es nicht einmal. Sei nicht lässig bei dem Werke deiner sittliehen Vervollkommnung, sonst sinkt das Gebiilk und Wasser dringt ein. — Du, mein Freund, wirst aufgefordert, dein Seherflein beizutragen zur Vollführung eines edlen Zweckes, zur Unterstützung einer verarmten Familie, oder zur Linderung des Elends in fernen Gegenden. Doch, du meinst, die Familie verdiene das gar nicht, denn sie habe ihr Unglück selbst verschuldet, oder dü weigerst dich der Gabe, weil sie doch voraussichtlich von keiner nachhaltigen Wirkung sei. Das Elend in fernem Gegenden zu mildern, sei aber noch weniger anzurathen/da ja auch in der Nähe genug Dürftige ihre Hände bittend entgegenstrecken. Mag wahr sein, aber wie oft verbirgt sich hinter diesen Reden Hartherzigkeit und Lieblosigkeit! Prüfe dich darum sorgfäl- . tig und' gewissenhaft, denn so du bei dev Prüfung deines Herzens dich lässig zeigst, zieht sich eine Eisrinde um־ dasselbe, die immer dichter wird, und immer mehr den Sonneu strahlen der Liebe Widerstand leistet. Und wie die Sorgfalt für das Herz , das Gemiith, also empfiehlt dir unser Mahnruf auch die gewissenhafte Sorgfalt für deinen Geist, deine Vernunft; denn hier bereitetLässigkeit nicht minder Schaden. Unnachsichtig sei der Mensch wie gegen die Fehler seines Herzens, auch gegen die Irrthüiner und Vorlirtheile seines Geistes. Die Nacht des Vorurtlieils, die Finsterniss des Irrthums versehenche er durch das Licht der Wahrheit und der vorurteilslosen .Prüfung. Du, mein Freund, kannst noch immer vom Aberglauben dich nicht lossagen, hältst noch immer fest an dem Wahne, es gäbe Mächte ausser Gott, die Gewalt und Fähigkeit haben, einzugreifen in dein Schicksal und es zu lenken nach ihrem Willen. Und d u hast dem Unglauben deinen Geist geöffnet, hast dich losgesagt von dem Glauben an Gott und göttliche Vorsehung und göttliehe Weltregierung. Ja, du bespöttelst das Göttliche und bemitleidest diejenigen, welche von Religion und Glauben reden und lehren; denn du meinst, der Mensch sei frei, d. 11. jeder Rechenschaft ledig־, die Welt r— ein Werk des Ohngefahrs, die Weltregierung — ein Irrwahn, von Menschen erfunden. So kann ich es denn auch dir nicht eindringlich genug zurufen : ״Durch Lässigkeit sinkt das Gebälk, durch Schlaffheit der Hände dringt Regan in’s Haus.“ Denn solche Irrthttmer und Vorurtheile wirken zerstörend und vernichtend auf dein Glück, dein Wohl und deine Zufriedenheit. Denn wisse, des Menschen schönstes Vorrecht, hochster Adel, Grundlage seines Glücks ist: in Gott wurzeln, in Gott leben, mit Gott verbunden sein, durch den Glauben den Segen des Himmels gemessen in des, Ewigen Wort und Lehre. ' II. ' Höher denn der Einzelne steht die F amilie, von der nicht minder Koheleths Ausspruch gilt: ״Durch Lässigkeit sinkt das Gebälk, durch Schlaffheit der Hände dringt Regen in das Haus.“ — Die Familie, m. Fr., stellt eine Gemeinschaft von Personen dar, die durch die heiligen Bande der Natur aut einander gewiesen, mitsammen verknüpft sind, und sich Liebe und Treue einander bewahren sollen bis zum Grabe, ja noch über das Grab hinaus'. Damit ist aber Wesen und Aufgabe der Familie noch nicht erschöpft Die Familie ist nicht minder eine Biklungsanst alt für das heue Geschlecht, für die cm-, porbllihende Jugend. Hier .sollen die zarten Menschenblüten mit Liebe und - Treue gehegt und gepflegt, bewahrt und beschützet und in ihrer gedeihlichen Entwicklung gefördert werden, dass sie einst Lebensbäume werden die liebliche, labende und erquickende Früchte tragen. Oder um ohne Bild zu Euch zu spreeben: Im Hause, im Schosse der Familie soll von Vater und Mutter ein wohlthätiger Einfluss geübt werden auf die jungen Sprösslinge, die zarten Kinder. Früh schon soll in ihr weiches Gemtith der Gottesgedaiike geprägt werden, dass er zum Schutz und zum Schirm ihnen diene in allen Lagen des .wechselvollen