Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Homiletische lind didaktische Beilage Nr. 12. 1806. (Beilage zu ״Ben Chananja“ Nr. 40). Dni'cli Lässigkeit sinkt das Gebälk, durch Schlaffheit der Hände dringt Hegen in’s 'Hans. Predigt, gehalten am Sch’mini Azeretk 5627 über . : Koheleth 19; 18. Von llfibb. Dr. M. Silberstein in Lyclt. Andächtige Zuhörer! Eine Reihe heilig verlebter Tage liegt hinter uns. Wie . Gottesboten sind sie uns erschienen, die heiligen Festtage; sie haben uns aufgerüttelt aus unserm Alltagsleben, in das wir versunken waren, sie haben uns gemahnet an die hohen Aufgaben und Zielpunkte unseres Lebens und ernste, beherzigenswerthe Lehren haben sie als heilige Festesgaben uns entgegengebracht. — Das Fest will scheiden von uns, und der heilige Tag, der ש״ע erscheint mit dem. bedeutsamen Aufträge vor uns, nochmals, gleichsam wie zum Abschiede, die edlen'Entschlüsse und Vorsätze, die die verlebten Feste in uns geweckt, zu kräftigen und zu festigen, dass wir sie mitnehmen in das Leben und sie. da zur unverrückbaren Richtschnur für unser Wollen und Handeln werden lassen. Wie ein liebender, treuer Freund richtet die Fesfeszeit an diesem Tage nochmais den Freundesblick auf uns, uns ermunternd, festzuhalten an dem geistigen und sittlichen Gewinn, den sie uns gebracht und die Bahn nicht zu verlassen, auf die sie uns gestellt hat. Das ist die Bestimmung des Leutigen Festes, wie sie uns nach bewährten Sprachkennern in seinem Namen zu liegen scheint; und 80׳ möchte denn auch ich in dieser Festbetrachtung Euch eine Lehre aus Herz legen, die mit dieser weisen Bestimmung im Einklänge steht. In das Alltagsleben, das bald Euch - wieder aufnehmen wird, möchte ich Euch eine Wahrheit mitgeben, die ,Ihr Eurem Leben gleichsam als Inschrift setzen dürfet. Und sehet, ich fand eine solche in jenem biblischen Buche, das, oft missverstanden, doch einen Schatz reicher Lebenserfahrungen und weiser Lebensregeln in sich schliesset, in dem heute von uns gelesenen Buche Koheleth, im 18. Verse, des 10. Kapitels also lautend: ״Durch Lässigkeit sinkt das Gebälk, durch Schlaffheit der Hände dringt Regen in’s Haus.“ 0, dass doch die Menschen dieses einfache und doch so inhaltreiche Wort schreiben möchten auf die Pforten ihrer Häuser, an die Wände ihrer Gemächer, auf die Tafeln ihrer Herzen; denn gewiss, es gibt keinen; Einzelnen und keine Gesammtheit, für die dieses unscheinbare Wort nicht Von hoher Wichtigkeit, von umfassender Bedeutung wäre und sicherlich gibt es keines, das geeigneter wäre, unserer heutigen Betrachtung zu Grunde gelegt zu werden, denn dieses. I. ״Durch Lässigkeit sinkt das Gebälk, durch Schlaffheit der Hände dringt Regen in das Haus!“ Das rufen wir zunächst dem Menschen als Einzelnen zu. Ihm hat die Gottheit die Neigung zum Guten, den Trieb zum Edlen eingepflanzt, nicht minder aber auch den Hang zum Bösen, zum Niedrigen. Es ist die Natur des Menschen somit auf einen .ununterbrochenen Kampf zwischen diesen beiden Mächten, dem יצר סוב und dem יצר הרע angelegt. Was .muss nun .hiernach als höchste sittliehe Lebensaufgabe bezeichnet werden? Der weise König spricht es aus in dem Worte: ׳מכל משמר נצר לבך כי ממנו• הצאוה חיים (Spr. Sal. 4, 23).. Dass der Mensch ängstlich wachsam sei auf sein Herz, dass er sich hüte, der in ihm lebenden Neigung zum Schlechten auch nur eine Spanne Raumes zu gewähren in seinem Innern; denn dadurch allein vermag er ja, dem Gilten in sich zum Siege, zur Herrschaff; zu verhelfen. — Wer nun aber nicht, gewissenhaft auf sein Thun achtet, wer nicht mit Sorgfalt seinen Wandel prüft; wer im Gegentheil, mit übertriebener Nachsicht auf sein Leben schaut und gegen seine kleinen Fehler und Mängel zu duldsairt ist, der gewährt dem Feinde in sich immer grossem Spielraum, dass er nach und nach das ganze Herz gefangen nimmt. Darum lässt der weise Herzenskenner den Mahnruf an den Menschen ergehen: ״Durch Lässigkeit sinkt das Gebälk u. s. w.“ Wie der wackere Hauswirth, der an dem Dache seines Hauses einen Schaden wahrnimmt, diesen schleunig ausbessert, dass er nicht um sich greife, oder dem, Regen einen Zugang gewähre: also soll auch der. Mensch kleine Fehler im Keime ersticken, dass sie nicht um sich greifen und das Edlere und Bessere in