Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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769 770 konsequent durchgeführtes Prinzip vermißt.wird, ״dort tritt der Unterschied zwischen dem hebräischen Text und der deutschen Uebersetzung zu grell hervor." Auch in seiner letzten Predigt in der alten Synagoge machte es der Herausgeber den bisherigen Uebersetzern des Gebetbuches zum Vorwurf, daß sie durch paraphrastische Uetzertragung den wahren Sinn der Worte vertauscht hätten. Erlauben Sie mir , Ihnen, ohne erst lange zu wählen, zur Beurtbeilung die Uebersetzung von אלהי נשמה in dem neuen Gebetbttche vorzulegen, wo die hebräische Formel unverändert beibehalten ist. Die Uebersetzung lautet folgendermaßen: ״Mein Gott, du hast eine reine Seele mir gegeben, die du in mir auch beschützest. In dieser Seele liegt die Kraft zu meiner geistigen Vervollkommnung und sittlichen Veredlung. O daß ich diese Seelenkraft immer mehr heilige, auf daß sie hienieden den Frieden sich wahre, und einst, wenn dn sie in das ewige Leben, zurückrufst, sie zu dir, Meister aller Werke und Herr aller Geister, rein heimkehre und der himmlischen Seligkeit theilhaftig werde. Lob und Preis dir, der du die Seelen der Verstorbenen zu dir führst und am Leben erhältst." Soll das wortgetreu sein? — Uebrigens ist die Uebersetzung von Sachs — freilich ohne seinen Namen zu nennen — sehr stark benutzt; das meiste ist buchstäblich daraus abgeschrieben. Wo zuweilen davon abgewichen ist, waren Irrihümer unvermeidlich. So wird z. B. זרע ישראל עברו wiedergegeben durch ״Nachkommen Israels, seine Knechte — — Die Aenderungen im Texte, die zum großen Theile in den früheren reformirten Gebetbüchern sich bereits vorfinden, sind öfters matt und ermangeln des gefälligen Stylö der alten Gebete. Geradezu lächerlich ist die Aenderung im Mußaf. ״ ומסני חטאיהם גלו אבותינו. s. w., als ob wir bei der herkömmlichen Formel behauteten, wir selbst wären verbannt worden; 'überdies sieht man nicht ab, wozu wir dies Alles in so gespreizter Form dem Allwissenden erzählen: die ganze Litanei war unnölhig. Bei der Einweihung des Neumondes lautete die alte Formel: מי שעשה נסים לאבותנו. Dies durfte nicht so bleiben; aber die Worte: מי שעשה sind sanktionirt! Was ist daraus geworden? Die Zwittergebürt מי שעשה את השמש לממשלת היום — Die Kürzung ist übrigens ganz unwesentlich. Dazu hätte sehr gut der sefardische Ritus dienen können, der z. B. in dem sogenannten langen והוא רחום , welches im neuen Gebetbuche für die Fast- und Vnßtagc angeordnet worden, die vielfachen Wiederholungeu vermieden hat. Aus demselben hätte unter Anderm auch das abgekürzte ")ויתן ל entlehnt werden können, und insofern könnte wol die Fusion der beiden NituS statthaben. Aber auch von einer andern Seite wäre die Benützung des sefardische!! Gebetbuches wichtig und es wäre so manches daraus zu lernen. DaS jetzige ׳ רצהin der Schemoneh-eßreh lautet im neuen Gebetbuche : רצה הי א׳ בעמך ישראל ובחסלתם ותרצה תעבורה בדביר ביתך ורנת ישראל ותפלתם Das sefardische Gebetbuch hat ולתסלתם שעה statt unseres ובתפלתם. Hätte man darauf geachtet,,, so brauchte man sich kein Armuthszeugniß auszustellen, indem man dasselbe Verbum רצה zweimal hintereinander anwendet, und hatte für ותרצה העטורה doch eher ושעה אל העבזרר׳ setzen können. Wir begnügen uns mit diesen Bemerkungen. — Dabei können wir uns jedoch nicht versagen, noch mit Bedauern zu bemerken, daß der stillen Andacht so wenig Berechtiguttg eingeräumt worden ist. ,Der Vorbeter spricht die Schematich eßreh bis nach der K'eduschah laut und fährt daun leise fort/Wozu soll er aber von רצה wieder laut zu beten anfangen, wodurch der. andächtige Beter in der Gemeinde natürlich gestört wird? — Noch einen andern Umstand können .wir durchaus nicht billigen. An bestimmten Stellen muß sich die ganze Gemeinde erheben und wiederum setzen. Daß man auch im Morgengebete vor dem Rezitire» des שמע aufstehen muß, beweist zur Genüge, daß die Reform den Tod nicht fürchtet. — (ekr. Mischnä Berahoth 1, 3). Es kann nun einmal in einer jüdischen Gemeinde nicht Alles ״nach dem Schnürchen gehen." Wenn Jemand, der zu spät gekommen ist, oder nicht gleichen Schritt mit dem Vorbeter halten kann, denn doch die Schemoneh-eßreh stehend beten möchte, während die Gemeinde gerade sitzen mnß, so kann ihm das Niemand verargen. Oft ist es Manchem in Folge seiner Konstitution schlechterdings unmöglich, sich dieser lästigen Bestimmung zu fügen, und diese ist eine גזרה שאין רוב הצבור יבוליי לעמוד בה. Eine derartige Anordnung ist weit eher dazu angethan, Störungen herbeizuführen, als * wenn man es dem Belieben eines Jeden anheimstellte. Und Wirklich hat das strenge Einhalten dieser Verordnug Seitens der Synagogenbeamtcn bereits zu unangenehmen Auftritten geführt. D. Wien, 22. Oktober. Bei der Berliner Gemeinde kann also die Minimal-Reform des Gottesdienstes ebensowenig auf Erfolg rechnen, wie die Marimal-Reform. Die^ Liturgie wird verschiedenen Modifikationen unterzogen, und der Muttersprache wird das ihr gebührende Recht eingeräumt. Dafür ist am vergangenen Neujahrstage in einem unserer Tempel von der Kanzel herab feierlich erklärt worden, es sei in Betreff des Gottesdienstes Alles geschehen, was geschcheu konnte, und daß, dem Zeitbedürfnisse keine weitern Konzessionen gemacht werden können. In diesem Stücke nimmt man also in Berlin jedenfalls einen hohem Stand- Punkt ein, als in Wien. L. Türkisch ״ Kalchsa,21. Oktober. Unser Bezirksrabbiner, Herr Tauber in Kikinda, hat am verflossenen Sab« bathe hier gepredigt, und ungetheilten Beifall geerntet. Unser . Bezirk darf sich zu dem neuen Seelenhirten gratuliren. 8. Szegedin, 23. Oktober. Gestern Abends wurde. in der hiesigen Synagoge ein auf das Erlöschen der Cholera bezüglicher Gottesdienst gehalten. Der Tert dch Predigt (Jesajas 26, 15—19) wurde an die Zuhörer gedruckt ver- ~ theilt. Zu Gunsten der Chevra Kaddischa fand eine Spendensammlung statt. E. Groß-Äalchsa, 10. Oktober. Bei Gelegenheit der Pramienvertheiluug an das Chorpersonal Hielt unser verdienstvoller Präses, Herr Israel Löwinger, an die Chorknaden eine gemüthvolle Ansprache, bei welcher kein Auge thränenleer blieb. Sein Sohn Sändor, ברא כרעי׳ ראבוה, der Chorinspektor ist, bewährte auch bei dieser Gelegenheit'seinen/ wohlthatigen Sinn, indem er jeden Chorknaben mit einem Silbergulden beschenkte. So bewährt sich immer der alte Spruch: י. .! כי לא אלמן ישראל ./ 8. /Austerlitz, 20. Oktober. Am 14. d. M. wurde in unserer Synagoge ein Trauergottesdienst für den verewigtcn Seelsorger unserer Gemeinde, Dr. H. Duschak, abgehalten. Die -Trauerrede hielt der von Gaya bei dieser Geletzenheit berufene Bruder des Verblichenen, Herr Rabbiner Dr. M. Duschak, und bewährte auch diesmal seine' glänzende Kanzelberedsamkeir. Zum Texte seiner Rede wählte er den 1. Vers des Wochenabschnittes Lech-lecha. Der stimmbegabte Kantor Taußky und das trefflich eingeübte Chor׳ trug nicht wenig zur Hebung der Feier bei. Schulwesen. Paris- 22. Oktober. An der von der Mlunoe israelite universelle zu Bagdad gegründeten Israelitischen Schule ist die mit einem Jahresgehalte von drei Tausend Franks verbundene Stelle eines Direktors zu besetzen. Gründliche Kenntniß der