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Ben Chananja · 1866-11-01 · 40 (1.11.1866) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
40 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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767 768 Ovation, an der sich nicht nur die Wirthe dankbar betheiiigten, sondern auch die übrigen Bürger New-Vorks." Kultus und Kultusgemtinde. 8. 811. Prag, 1. Oktober. Am Sabbath Chol hanwed betrat Herr Doktorand Schön die Kanzel der Neusynagoge; Inhalt, Form und Darlegung der Predigt bekun« den, daß Herr Schön Geist und Talent besitzt. Trotzdem das Publikum der Neufynagoge nur ungern den Prediger vermißt, findet eö sich doch ebenso zahlreich wie früher beim Gottesdienste ein, da der neuacquirirte Kantor der Neusynagoge, Herr Landau, sowol durch seinen erhebenden Vortrag, als durch seine angenehme Stimme die andächtigen Zuhörer fesselt. — Der Entwurf zur Gründung einer Kantorenschule in Prag ist von Herrn Adolf Langer, der unter Sulzers Leitung stand, dann in 13jähriger Amtswirksamkeit tu mehreren achtbaren Gemeinden war, der h. Statthalterei überreicht worden und kam von da vor vier Wochen zur Begutachtung an die hiesige Kultusrcpräsentanz. Wie wir hören ist Herr Georg Feig! zum Referenten dieser Angelegenheit ernannt worden und hoffen wir, daß dieselbe bald erledigt wird, da die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer solchen Anstalt zu augenfällig ist, als daß man sie übergehen könnte. Statuten, Programm rc. werden wir nach Erledigung den werthen Lesern mittheilen. Kosoncz, 10. Oktober. Gott bewahre mich vor meinen Freunden! Diesen Ausruf kann unser Rabbiner, der leider in Wien an's Krankenlager gefesselt ist, sich mit vollem Rechte aneignen. Seine hiesigen Freunde fordern, baß ihn die Gemeinde unterstütze; gleichwol weigern sie sich aber, ihre Schulden an die Gemeindekaffe zu zahlen. Beim Eingange des Festes der Thorafrcude kam eine unliebsame orthodore Demonstration vor, die aber keine weiteren nach-!heiligen Folgen hatte. 8! Stampfen, 10. Oktober. Die Reflexionen Ihres Preßburger Korrespondenten haben hier die Erinnerung an den sel. Rabbiner Mardechai Benet wachgerufen. Derselbe war m! gewiegter Talmudist, aber zugleich ein — guter Sänger! Es kam vor, daß er dem Vorstande am Neujahrstage sagen ließ, er werde heute bei Mußaf als Vorbeter fnngircn, was natürlich auch geschah. Der Kantor war darüber sehr erzürnt, er mußte aber auf die Funktion verzichten. Die Kandidaten der jüdischen Theologie, die eine gute Stimme haben, sollten jedenfalls auch den Gesang kultiviren. Fr. St. Georgen, 4. Oktober. In nicht großer Entfernung von hier ist das Dorf Kukl ow. In diesem Dorfe haben sich ׳die dortigen wenigen jüdischen Familien zu einer Gemeinde konstituirt und mit Unterstützung anderer Gemeinden eine Synagoge gebaut. Unbildung, und Rohheit des sogannten Herrn Vorstehers haben in dieser Synagoge am verflossenen Rosch-Ha-Schanafeste zu einer Szene geführt, die Gottlob vereinzelt dasteht in den Gemeinden Israels. Ich möchte die Sache schon darum nicht im Detail beschreiden, weil dieselbe auch eine kriminalistische Seite hat. — Auch in Hausbrunn bei St. Johann — es wohnen daselbst gleichfalls nur 15 jüdische Familien — war jüngst die Synagoge der Schauplatz eines höchst skandalösen Auftritteö. Auch hier war der Vorsteher die Veranlassung. Demselben beliebte es nämlich, zu verordnen, daß ein gewisses Gemeindemitglied nicht zur Thora gerufen werden dürfe. Dies geschah aber jüngst dennoch und da gerieth der Vorsicher mit dem zur Thora gerufenen Mitgliede in Streit, der in wirkliche Rauferei auöartete, bei welcher Gelegenheit die heilige Thora in zwei Theile zerrissen wurde. Eö ist traurig und uiederschlageud, daß die jüdischen Blätter noch immer in die Lage kommen, solche Dinge zu registriren. Und jeder denkende Freund des Judenthums wirft mit schmerzerfüllten! Herzen die Frage aus: Wie lange noch? 8.?. Mislroltz, 6. Oktober. Die in Deutschland und Frankreich üblichen Konfirmationen haben sich zwar in unserem Vaterlande noch nicht eingebürgert, doch nähert man sich allmälig auch dieser schönen Sitte. Als eine solche An- Näherung ist eS zu betrachten, wenn die Bar-Mizwa-Kinder Reden halten, und hat dies um so mehr Werth, wenn dieselben auch erwidert werden. Ein solches geschah jüngst hier bei dem Sohne unseres verdienstvollen Gemeindevorstehers Hrn. Pollak. Es war blos eine Familienfeier, doch gestaltete sich dieselbe durch die Rede des Bar-Mizwn und durch die Erwidern»- gen 'des Predigers Dr. Klein, des Lehrers Rosenblüh und des Herrn I. Fischmann zu einer wahren Konfirmation! ' U. Er tan, 12. Oktober. Wer das Glück hat, seit Jahren in einer gebildeten Gemeinde zu leben, wird sich von den hiesigen gottesdienstlichen Zuständen nicht leicht einen Begriff machen; die Beschlüsse der Nagy-Mihnlyer Synode sind hier vollständig realisirt! R. Hille! hat Recht: so können sich nur Kinder im Hause des Vaterö betragen. Es fragt sich nur, ob guterzogene Kinder sich so betragen wollen. Dagegen muß erwähnt werden, daß die Gemeinde sehr opferwillig ist. Vom Pfund Fleisch werden vier, von jeder Gaus zwölf Kreuzer als Gabella entrichtet. Gemeiudeabgaben, die Gebühr von Synagogensitzen und Spenden werden pünktlich einkassirt, damit die Schuldenlast sich nicht anhäufe. Die Gemeindeschnle, an welcher brave Lehrer wirken, befindet sich in einem blühenden Zustande; der Direktor derselben, rneä. Dr. Schönberger, erfüllte seine Pflichten mit seltener Aufopferung. Die Vorsteher Kohn und Schwarz sind orthodox, ohne jedoch nach Liska zu wallfahrten. Unter den Repräsentanten sind Manche, wieDr. Schönberger, Deutsch, Brieger, Adler, dem Fortschritte zugethan, und hoffentlich wird die Zeit kommen, die ihrer Thätigkeit ein fruchtbares Feld öffnen wird. A. E. GerlM, im September*). Das neuerschienene Gebetbuch für den öffentlichen Gottesdienst im ganzen Jahre nach dem Ritus der neuerbauten Synagoge in Berlin, bearbeitet und herausgegeben von Dr. Josef Aub, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin, ist in drei Theile getheilt. Der erste Band enthält die Gebete für die Werk-, Sabbath- und Festtage; der zweite Band die Gebete für daS NeujahrSfest, der dritte für den Versöhnungstag. Für den ersten Band ist somit der Ausdruck Festtage jedenfalls ungenan. ״Alle Gebete, welche für die Hans- oder Privatandacht bestimmt sind, sollen in einem besonderen Bande erscheinen; die Liturgie am Trauerfeste, der Zerstörung Jerusalems, so wie die Bußgebete סליחות vor Neujahr und Versöhnungstag sollen später in einem Hefte ausgegeben werben." Das ganze Buch trägt die Spuren der größten Flüchtigkeit an sich — nicht einmal ein Jnhaltsverzeichuiß erleichtert bei der ungewöhnlichsten Anordnung das Auffinden der Gebetstücke und יגדל mußte als Carton vorgedruckt werden —und wim- Hielt von Fehlern, wie das bei der kurzen Frist, die für die Vollendung angesetzt war, kaum anders möglich war. Das hat der Bearbeiter wol selbst gefühlt, und er sagt daher im Vorwort: ״Der kurze Termin von kaum zwei Monaten, innerhalb dessen dieses Buch bearbeitet und gedruckt werden mußte, machte eö unmöglich, ein gediegenes, ja nur genügendes Werk zu liefern', . . . weshalb die Kritik Nachsicht üben möge." Allein eine solche Ueberstürzung ist nicht zu entschuldigen, am wenigsten bei einem Andachtsbuche, das für die Dauer bestimmt ist und nicht als ephemere Erscheinung gelten soll. Oder kann eö, nachdem es eingeführl wurde, noch einmal überarbeitet werden? Der Vorstand hätte sich dessen vorher vorseheu sollen. Als Grnnd, weshalb keines der schon vorhandeuen neuen Gebetbücher gewählt wurde, wird angegeben, weil in diesen Andachtöwerken ein *) Durch Zufall verspätet. Red.

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