Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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765 766 lesenden Ungarn genügend geläufig und ist die ungarische Presse stolz ans diese ihre Vertreter, sind wir es auch. Herr Dr. ^.gai, dem Publikum mit offenem Visir und pseudonym gar wohl bekannt, gehört unbestritten zu den gewandtesten Feuilletonisten der ungarischen Presse. Der in leichten und fließenden Styl gekleidete Reichthum seiner Gedanken macht ihn mit Recht zum Günstling des Publikums, und haben wir auch manche Bedenken gegen die A t und Form einiger seiner Arbeiten — der guten Absicht willen wollen wir dies vergeben. Der als hnmoriftischer Schriftsteller, namentlich jedoch als Biograf, dem jüdischen Lesepublikum vortheilhaft bekannte Verfasser des Beth-El darf hier nicht übergangen werden. Von den Epigonen auf publizistischem Gebiete nennen wir lobend Sigmund Brody; den gewesenen Redakteur des ״Lädcsö“ und ״Magyar Sajtö“ und den talentirten Feuilletotonisteu des ״Pester Lloyd" und ״Magyar vildg“ Ludwig Hevesi. UeberdieS find noch eine ziemliche Anzahl von Blätlern unter jüdischer Leitung, so der ״Zwischenakt", das ungarische ״Fremdeublatt", die ״Pester Nachrichten", ״Sonntagözeituug", ״Styr" rc., da es hier jedoch nicht um statistische Ausweise zu thun ist, können wir diese Blätter untern Ranges getrost übergehen. Unter diesen Blättern trägt das letztgenannte am allerauffallendsten den Stempel des Judaismus an sich, es wäre jedoch zu wünschen, daß dem nicht so wäre. TtMksmr, im Oktober. Unter den jüdischen Solbaten, welche gegenwärtig hier in Garnison sind-, befindet sich Herr Rudolf Fischer aus der Bacska. Derselbe ist Fahnenführer im Gr. Coroninischen 6. Linien-Infanterie- Regimente, im 2. Bataillon. Er hat sich in dem letzten preußischen Kriege so ausgezeichnet, daß er von Sr. Majestät die große golden e Tapferkeits-Medaille erhielt. Wie sehr dieser Ehrenmann in der hiesigen Gemeinde geschätzt wird, können Sie leicht denken. 0. UtNptst, 21. Oktober. Der hiesige Ort ist eine wahre Oase der Emanzipation: die eine Hälfte des Orts- Vorstandes besteht aus Christen, die andere Hälfte aus Inden. Das Statut, demgemäß dies geschieht, verdankt seinen Ursprung dem Gruudherren und Gründer Nenpests, Grafen Stefan Käroki. DaS Statut wurde vor 1848, also noch in der feudalen Zeit, entworfen.?r. Brünn, 24. Oktober. Se. Majestät geruhten auf Seiner Reise durch Mähren unter Andern auch folgenden Juden Auszeichnungen zu verleihen. Es erhielten: Josef Kafka, Gemeinderath in Brünn das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens; Leopold Herzfelder, Handelsmann in Brünn das goldene Verdienstkrenz mit der Krone; Dr. Salomon Jellinek, prakt. Arzt in Napagedl, das Verdienstkreuz; Anton Keßler, prov. Tempeldiener der isr. Kultnsgemeinde in Brünn, das silberne Verdienstkrenz. Laibach, 23. Oktober. Ein Israelit ans Proßnitz, welcher hierorts mit Tode abging, wurde, da hierorts kein jüdischer Gottesacker vorhanden ist, auf dem evangelischen Gottesacker begraben. Der evaHgHsche Pfarrer nahm keinen Anstand, am Grabe des Judeü;:em. Gebet zu halten. 8. Hh. Prag, Anfangs Oktober. In meinem Berichte vom vorigen Monat habe ich zu'Hwarz gesehen; die skandalösen Auftritte haben sich nicht, wieder erneuert, Ruhe und Ordnung herrscht nun allenthalben^ da unsere Militärwache, wie vordem, wieder hier wirkt. Der Vorabend des VersöhnnngstageS, sowie der Versöhnungstag liefen ganz ruhig ab, wiewol wir für diesen Abend um die öffentliche Ruhe besorgt waren, eine verstärkte Bürgerwache hielt jede Slörnng der Ordnung ferne. Alles ist nun wieder inS׳ alte Geleise getreten, die Schulen werden wieder geöffnet, die alma mater öffnet mit erstem November ihren strebsamen Jüngern wieder ihre mütterlichen Arme und liegen uns bereits die Vorleseordnungen vor. — Ein aus New-Aork tatirtes Schreiben erzählt uns folgenden höchst interessanten RechlSfall, den wir den Lesern des ״B. Ch." mittheilen, da derselbe die dortigen Zustände so ziemlich beleuchtet, wir führen das diesbezügliche Stück wörtlich an : . . . ״Im Ganzen hat daS republikanische Bewußtsein unter den hier domizilirenden Juden bereits Basis gefaßt, sie erfreuen sich allgemeiner Achtung bei ihren Mitbürgern; im Selbstbcwußtsein dieser Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetze tritt der Jude auch energisch und thatkräftig auf; er nimmt hier als Richter, Offizier in der Armee, im politischen und sozialen Leben eine geachtete Stellung ein, denn der Aankee kennt keinen Unterschied der Konfession, die drückenden Vdrurtheile hat er längst abgeschüttelt. Nur der hiesige Deutsche kann es noch immer nicht sein lassen und noch immer werden von dieser Seite Versuche gemacht, den Juden eine besondere Stellung zu schaffen, welche Versuche ihnen jedesmal mißlingen; von ihnen hört man noch häufig das Wortdew; die guten Deutschen! sie bestreben sich zu bewahrheiten, das eoeluw, non animam mutant rc. in jeder Beziehung. Erst unlängst' hat sich hier ein Jude, Namens Cordozo, als Richter einen angesehenen und geachteten Namen erworben. Nach der Konstitution der United Stats hat jeder der 36 Staten außer dem gemeinsamen Kongreß seine separate Legislatur, der Etat New-Aork hat seine in Albany. In Albany passirte nun in der letzten LegiSlatur-Session eine Liquor-low (Brannlweingesetz), demgemäß am Sonntag kein Getränk spiritueller Natur verkauft werden durfte, jedes Wirthshaus um 12 Uhr geschloffen werden mußte, und jedem Wirlhe 100 Dollar Gebühr auferlegte. Dieses Gesetz trat mit erstem Mai d. I. in Wirksamkeit. Da sind nun in New- Dort einige lausend Lagerbiersalons, die alle schließen mußten und unsere durstigen Deutschen mußten mit Sodawasser fürlieb nehmen. Ueber den Nord river liegt, etwa wie die Kleiuseite in Prag, der Platz Hoboken, der zu einem andern State, New-Aorsi, gehört. Da fährt nun das Publikum nach Hoboken, um dort den Durst zu stillen, weil für New-Uork diese Liquor-low feine Kraft hatte. Nun nahm ein Brauer, Besitzer einer der größten Restaurationen New-Uorksj einen, Advokaten und klagte bei dem eben amtirenden Richter Cordozo die Legislatur New-Uorks an, er habe, da er diese Gewerbebeschränknng nicht voraussehen fönte, bedeutende Vorräthe an Bier, Utensilien u. s. w. für die Sommersonntage angeschafft , die nun verderben , wodurch ihm ein sehr beträchtlicher Schaden erwüchse. Cordozo entschied nun dahin, daß das Gesetz uukonstitutionell wäre, weil die Bürger dadurch zu Schaden kämen; er gab dem Bräuer eine ״Injunktion" d. h. eine Rechtfertigung der Polizei gegenüber, welche ihn in seinem Gewerbe nicht stören darf; und nahmen alle Wirthe ״Jnjunktious" und die Liquor-low, welche der Metropolitau-Policy im Monate Mai bloS für ״Licenzen" 1ya Millionen Dollars eintrug, ist nun so lange kraftlos, bis im Oktober das höhere Gericht Zusammentritt und entweder Cordozos Urtheil bestätigt, oder revidirt. Die allgemeine Meinung geht dahin, daß dies Gesetz so gut wie todt sei, da im Herbst Neuwahlen für die Legislatur in Albany stattfinden und durch den Einfluß derWirtbe ״Antitemperenzler" gewählt werden, die me eine solche Bill pafsiren werden lassen. Der gerechte und freisinnige Cordozo erhielt eine 42*