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Ben Chananja · 1866-11-01 · 40 (1.11.1866) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
40 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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763 764 R. Elia Wilna die Aeuderung וכל חרשעה כר<!/! חאכר vorgenommen in Folge des bekannten Ausspruches חוטאים מי פתיב חטאים כחיב; sonst hat er Alles ruhig stehen lassen. Abgesehen von der zweifelhaften Form ׳מלשינות kann ולמלשינוח in Verbindung mit den Worten אל תהי חקור׳ doch nur personifizirt gedacht werden, — und am Ende sehen wir nicht ein, - in wieferne es inhuman wäre, wenn man Gott bittet, den Verrät Hern keine Aussicht auf Erfolg zu gewähren. Endlich will mir die Konstruktion שובר ר,איברי durchaus nicht gefallen. שבר kann ״zerschmettern", ״niederschmettern", u. dgl. bedeuten; aber schwerlich dürfte es im Sinne von ״vernichten" zu nehmen sein, wie es hier doch in den reformirtcn Gebetbüchern gebraucht ist. Entweder man ist skrupulös und muß die Form der Benediktion so belassen, wie sie dasteht; oder aber man wirft Alles über den Haufen, wodurch zwitterhafte Redeweisen und antihebräische Ausdrucksformen zu Tage treten. — Außer diesen und ähnliehen Ausstellungen ist es noch ein Bedenken, das ich zur Sprache bringen möchte, und zwar ein solches, das gewiß nicht gering anzuschlagen ist. In früheren Zeiten fühlte sich ein jeder Jude überall, wohin er zu seinen Glaubensverwandten kam, heimisch. In den Gotteshäusern hörte er dieselbe Sprache, wie in seinem Heimatsorte, dieselben Klänge, dieselben Gebete. Das ist jetzt nun anders geworden, כי מספר קהלותיך היו חפלוחיך יהודה. Freilich können wir nicht ganz die alten Zustände zurückwünschen; aber einigermaßen könnte doch eine Abhilfe geschafft werden, wenn nicht länger Eifersüchtelei und kleinliche Ranküne die verwandten Parteien zersplitterte, wenn eine kompetente Synode zusammenträte und nach gemeinsamer Berathung die Gebete abfaßte, nicht aber jeder Einzelne nach Gutdünken und jeweiligen Einfällen selbige zurechtschnitte. Dadurch würde nicht nur wenigstens zum großen Theile eine Einheit erzielt, sondern auch so manche Mängel einer Einzelrcdaktiou vermieden werden. Zsorrejpondenz. Emanzipation nud bürgerliche Verhältnisse. 3tsä. Pest, im Oktober. (Forts.) Wenden wir uns nun vom Gebiete der ernsten zu jenem der sogenannten schönen Wissenschaften. Die Frage, ob wir unter den Dichtern einer Nation auch unsere Glaubengenoffen vertreten finden, gewinnt für uns insoferne überall an Interesse, als dies stets ein völliges Aufgehen in jene betreffende Nationalität bedingt und somit der viel vcntilirte Streitpunkt, ob wir uns als nationa e oder als religiöse Genossenschaft zu betrachten hätten, einen mächtigtn Beweisgrund mehr für letztere Ansicht erhält. Die deutschen Juden weisen mit Stolz ihren Heine, K.zBeck, Auerbach, M. Hartmaun, Mosenthal u. A. auf, und des strengkatholischen Spaniens letzter Meistersänger war ein jüd. Schneider. Wir, die wir eine noch im Aufkeimen befindliche ° Literatur besitzen und wo der Verschmelzung mit dem Ungarthume sonderbarerweise eben von jener Seite, die hierdurch eine nicht geringe Verstärkung erführe, so unübersteigllche Hindernisse entgegengestellt werden, wir wissen doch einen Karl Hugo *) zu den unserigen zu zählen, dessen traurige Lage Jedermann wol eine Thräne des Mitleids, aber nicht Spott abgewinnen sollte. Karl Hugo hat immerhin Unvergäugliches geleistet; verzeiht ihm seine Selbstüberschätzung und bedauert sie, wenn ihr wisset, woher sie stammt, fie thul wol dem Dichter, doch nicht der Dichtung Eintrag. — Ein nicht zu geringschätzendes poetisches Talent ist ferner auch Ormody Bertalau. Bei dem Ueberflusse lyrischer Dichtungen, mit dem wir gesegnet sind, ist es natürlich, daß oft das Bessere mit dem Alltäglichen gleicher Nichtachtung thcilhastig wird; trifft dies nun auch nicht mehr so ganz bei Ormädys Gedichten ein, so sind wir doch überzengt, daß sie sich mit der Zeit besser Bahn brechen, und noch mehr Anerkennnng erwerben werden. Daß der dem ungarischen Leserkreise wohlbekannte Dichter Farkas Albert, dessen dramatische Schöpfung die Bretter des Nationaltheaters überschritten, ebenfalls Jude ist, dürfte wol Wenigen bekannt sein. Zur Publizistik übergehend, begrüßen wir mit Genugthuung Herrn S. Nothfeld als Chefredakteur der gelesensten aller Ungar. Blätter, dcS ״Pester Lloyd." Hoffen wir, daß dieses würdige Organ der öffentlichen Meinung bei dem nun eingetretcnen Nedaktionswechsel, wenn die jüdische Frage, in welcher Form immer an unö herantritt, nun nicht mehr bloS mit Glacehandschuhen daran rühren, oder sie gar tobt־ schweigen werde. Wir wollen keine Protektion, aber wir dürfen cs fordern, daß ein liberales Blatt dort, wo es sich um die Verfechtung der heiligsten Rechte der Menschheit handelt, sich deshalb nicht scheu zurückziehe und in ein unverantwortliches Schweigen hülle, weil der Redakteur desselben ein Jude ist! Im ernsteren Feuilleton, in der Besprechung unserer literärischen Zustände in Kritiken bietet der ״Pester Lloyd" unstreitig das Meiste (wenn auch nicht zu viel!) und stets Gediegenes. Was wir mit A. D. im ״Lloyd" chiffrirt sehen, daö dürfen wir getrost lesen, überzeugt, das Blatt stets befriedigt und um eine neue Idee bereichert aus der Hand zu legen. Die Bemerkungen sind sinnreich und treffend; gerecht aber wohlwollend wird Kritik geübt; nur das absolut Schlechte wird verfolgt, während das wahrhaft Befähigte stets wohlthuende Aufmunterung begegnen wird. Möge es uns Herr Adolf Dur verzeihen, wenn wir hiermit die Feder verrathen, aus der jene Artikel geflossen. Aber auch in den spezifisch ungarischen Blättern sind wir nach Gebühr vertreten und wir dürfen es 'konstatiren, daß zwei große politische Blätter des Landes — ״Pesti Naplö“ und ״Magyar vilag“ — jenes theilweise, dieses jedoch vorwiegend von jüdischen Händen geleitet wird. Die Namen Mar Falk und Moriz Ludassy sind jedem Zeitung- *) Gleichwie nach taliundischer Anschauungsweise der als Jude Geborcne stets als solcher betrachtet wird, selbst wenn er sich taufen lassen, so glauben auch wir — und mit Recht — auch die Wirksamkeit Jener, die zu einem andern Glauben übergctreteu, ebenfalls als Zengeil jsidischen Geistes und iüdischer Erziehung hinstellen zu dürfen. Dar Eins.

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