Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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757 758 Handlungen üblichen Talith der Trannng ihre frühere bürgerliche Bedeutung entziehen und ihre religiöse gottesdieustliche Bedeutung ins Licht stellen,: und in der Bedeckung des Brautpaares mit demselben beide Zwecke verbinden: wollen. Jedenfalls sind wir von dem uns wohlbekannten, hochachtbaren und dem Fortschritte keineswegs abgeneigten Rabbiner Aub in München überzeugt, daß ihn bei der Beibehaltung der hergebrachten Sitte des Talith solche Erwägungen geleitet haben. ES spiegelt sich in solchen, uach Zeiten und Orten wechselnden Gebräuchen, wie Sie in Ihrem Gutachten mit Recht bemerkten, die Flüssigkeit der jüdischen Sitte auch auf dem religiösen Gebiet aus, und verdienen sie schon deshalb mit Ernst besprochen zu werden. In keinem Falle können wir darin, wenn wir ihre historische Entstehung und Ent- Wicklung in's Auge fassen, etwas ״Sonderbares״, oder gar ״Abgeschmacktes" finden. Schließlich will ich auch Ihren in Ihrem mehrberegtcn Gutachten ausgesprochenen Zweifel: ob die Trauungen in Deutschland aus den Zeilen des Mah'ril fortwährend in der Synagoge üblich geblieben sind, wenigstens was die Rheinlande betrifft, bei dieser Gelegenheit?lösen. Noch vor 40 Jahren fanden sie im Gegentheil auf den Straßen, wo Synagogenhöse waren, in diesen statt, wol um daS Innere der Synagogen durch das Zerbrechen der — nach Mah'rsls Vorgange gebräuchlichen, mit dem Wein zum Segensspruch gefüllten — Gläser nicht zu beschädigen. Seit jener Zeit ist dieser allerdings sehr tadelnswerthe Gebrauch außer Uebung gekommen und werden die Trauungen überall entweder in der Synagoge oder in einem Saale abgehalten. 2»ie präget isljl Prag. Ueber unsere Talmud-Thora-Schule haben die Berichte in der Tagesprcsse seit dem Erscheinen des ofsiziellen Berichtes Seitens der Kommission geschwi'gen. Seit März d. I. war allerdings für Böhmen eine traurige Zeit. Inter arma silent musae. Geschwiegen hat Alles, was zum Unterrichtsfache gehört, die Universität, die Gymnasien, alle öffentlichen Schulen. Nur die Privatlehranstalten haben ihre Wirksamkeit fortgesetzt, obgleich auch sie wegen der Entfernung fast aller auswärtigen und der Flucht vieler einhcimischer Schüler nur ein kümmerliches Dasein fristen konnten. Auch die Talmnd-Thoraschule war in ihrer Thätigkeit.'gestört, die.Vorlesungen des Herrn Professors Kämpf waren sistirt, die Klasse des Herrn Klemperer war gesprengt, nur die Herren Lehrer Donat, Stein und Tcweles haben auch während der preußischen Okkupation ihre Schüler, so viel deren da waren, unterrichtet. Der Festmonat brachte auch für diese Ferien, und jetzt ist die Thätigkeit wahrscheinlich von. allen wieder ausgenommen. Wahrscheinlich sage ich und verrathe damit, daß ich zum Vorstände dieser Anstalt nicht gehöre, daher nicht wissen kann, was an ihr, — die zu den öffentlichen nicht gehört, und an der alles so geheimuißvoll zugeht, daß von sämmtlichen Lehrern nicht einer weiß, was seine Kollegen thun, oder , nicht thun, ja die sich zum Theiß nicht einmal persönlich kennen, —- geschieht oder nicht geschieh t Mittlerweile 1נפלה עטרת ראשנ har Praglund ganz besonders die T. T. in׳ Ernst Wehli baS Haupt verloren,' wie der schmerzliche Nachruf auch in diesem Blatte bereits gemeldet. Wie wir hören, hat derselbe auch noch über seinen Tod hinaus seine liebevolle Fürsorge für dieses Institut an den Tag gelegt, indem er durch letztwillige Verfügung ihm 2000 fl. zugewcndet. Ein Schmerzensgeld, das wir lieber entbehrt hätten, wenn uns die lebendige Thätigkeit des edlen Spenders, seine opferfreudige Hingebung für diese seine Schöpfung hätte erhalten werden können. Doch כל מה העביר רהמנא לטב עבר! hoffen wir, auch dieses Schlimme werde zum Guten führen. — An seine Stelle in die Re-", präsentanz ist der bereits zu Anfang der Verwaltungsperiode gewählte , aber bis -jetzt noch nicht eingetretene Herr Profeffor Wessely nun eiugctreten, und der Vorsitz in der Talmud-Thorakommissiou kann selbstverständlich nur ihm zufallen. Der Name muß bei allen Freunden dieser so hochwichtigen Anstalt die größte Freude, die schönsten Hoffnungen wecken. Wer, wie er, vereinigt die umfassendste Kenntniß der hebräichen nnd der allgemein wissenschaftlichen Literatur, die reiche Erfahrung auf dem Gebiete des Unterrichtswesens, den scharfen Blick und den ordnenden Geist für eine fgnte Geschäftsführnng mit der wahren Liebe zum Judenthume nnd dem edlen Eifer für dessen Ehre? Nur iu Einem -dürfte erhinter seinem Vorgänger zurückstehen : er wird seiner vielfaeben anstrengenden Beschäftigung in seinem Statsamte wege n nicht so viel Zeit auf dieses Ehrenamt verwenden können. Hoffen wir aber, daß seine Kollegen dies zu würdigen verstehen und geneigt seien, ihm hilfreiche Hand zu bieteu und seine Anordnungen auszuführen. Es gilt vor Allem, die zerstreuten Glieder dieser seit 14 Jahren stückweise geschaffenen Anstalt Prags organisch mit einander zu verbinden und einen greifbaren, lenksamen Leib daraus zu bilden. Auch einen Namen muß das Kin d haben. Das Abstraktum ״Talmud Thora"- war auch bei den Alten nicht bezeichnend genug für eine bestimmte An - statt, man unterhielt entweder eine Jeschibah oder ein Bet h a m i dr a sch oder M e l a m d e T hin o k o t h; heutzutage, wo wissenschaftliche Bildung mit der jüdisch-Iiterärischeu Hand in Hand gehen muß, hat man sich zu erklären/ ob man ein Seminar oder nur eine Propädeutik herzustellen im Stande sei. ' Die Unklarheit hierüber hat schon viel geschadet. Da geht ein Gerede bald lobend, bald tadelnd durch die jüdische Presse von einer Anstalt zu Prag, auf welcher Rabbinen gebildet werden. Junge Leute, die sich dem Lehramte widmen wollen und sich darauf einseitig, entweder kalmndisch oder wissenschaftlich, vorbereitet haben, glauben, sie werden iu Prag Gelegenheit finden, die Seite, an der es ihnen mangelt, zu ergänzen und durch Frequenz der Universiiät die Reise für daS Amt zu erlangen. Sie kommen, aber sie finden Niemand, der sie amtlich prüft, Niemand, der sie in die Lifte der Stlidirenden einträgt, Niemand, der ihnen einen Pta n des einzuschlagend n Studiengangeö vorlegt, Niemand, der ihren Fleiß und ihr Wohlverhalten überwacht, Niemand, der ihnen schließlichein-amtliches Zengniß über ihre Fähigkeiten