Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1866-11-01 · 40 (1.11.1866) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
40 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543175-2543215--5039-2549091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

755 756 S tudirenden, die er dazu für paffend halt, als Lehrer zu empfehlen. Doch die Majorität (die Herren Em. Biach, Ritter v. Goldschmidt, Ritter v. Kön'igöwarter, v. Wertheimstein) wollten auf diesen Vorschlag nicht eingehen, da sie meinten, daß Niemand sie um Rath bezüglich eines zu acquirirenden Lehrers frage. —- Wie natürlich sind diejenigen Mitglieder des Vorstandes, welche in der Lage sind, Stndirenden zu passenden Stellen zu verhelfen, gerne bereit, dieses zu thnn, und thnn dieses thatsächlich im Laufe des Jahres wiederholentlich. Freilich kommen hier auch sehr häufig die Fälle vor, daß Eltern, die einen Lehrer für ihre Kinder benöthigen, dabei nicht diejenigen zu Nathe ziehen/ die in der Lage wären, ihnen einen Rath zn ertheilen. Bevor man einen Schuster oder Schneider fürs Haus wählt, erkundigt man sich früher genau,-was sie leisten können. Bezüglich des zu wählenden Lehrerö genügt oft die Empfehlung der Frau Nachbarin. Dazu kommen noch sogenannte דעות הצוגמח. In dem einen Hanse sieht man bei dem Lehrer auf das Erterieur, er soll Beuehmenhaben, und eine Fignr in Gesellschaften bilden ein petit maitre sein; — in einem andern Hause sott wieder der Lehrer so häßlich als möglich, so linkisch als thuulich sein, wenn nämlich Töchter im Hanse sind, und habe ich es selber erlebt, daß ein Studirender deshalb zunächst als Lehrer in einem Hause acceplirt wurde, weil er bucklig nnd blatternarbig war, wobei ich hinzufügeu muß, daß die älteste Haustochter zehn Jahre alt war. Ich will es auch nicht leugnen, daß der Vorschlag, . die Vereiusdirektion soll sich von den Fähigkeiten der sich Vorstellenden überzeugen, etwas schwer ausführbar ist. Man kann doch die Stndirenden, die einige Lektionen haben wollen, nicht einer Prüfung unterziehen, und selbst wenn man dieses thnn wollte, nnd sie in derselben bestünden, würde es sich noch fragen, ob sie auch das Talent zn lehren haben. Wenn übrigens der Herr Korrespondent meint, der Verein habe einige Monate hindurch sein Wirken sistirt, jo erlaube ich mir zn bemerken, daß alljährlich in den Ferienmonaten August nnd September keine Sitzungen ftattfinden, weil eben während dieser Zeit keine Gesuche vorliegen. Wir hatten jedoch Ende Juli d. I. eine Sitzung, ebenso wie wir in diesem Monate Oktober unsere Thätigkeit wieder aufgenounnen haben. Indem ich dem Herrn Korrespondenten wiederholentlich meinen Dank für den wohlgemeinten Vorschlag abstatte und ebenso Ihnen, Herr Redakteur, daß Sie demselben einen Platz Ihrem geschätzten Blatte gönnten, zeichne ich hochachtttngövvll D1\ G. Wolf. .tiaierische 2!u|1 ä 11 fle. Gr. Ans der Wahlurne für daS Nabbiuat Dürkheim- Frankenthal ging ein Landsmann von Ihnen, Dr. Adolf Salvendi, jetzt Rabbiner in Berent (Westpreußen), hervor. Für das Königreich Baiern erschien eine neue k. Verordnung für den Vorbereitungsunterricht der Schullehrer. Bisher hatten die sogenannten Schullehrlinge vor ihrem Eindritte in das Seminar drei Jahre bei einem von der k. Kretsregiernng genehmigten Schullehrer für das Schullehrer- Seminar sich vorzubereiten; die Israeliten bei einem israclitischen Lehrer. Wir hatten oft Gelegenheit, von dem'Unznlänglichen dieser Vorbereitung und zn überzeugen. Der Lehrer, der täglich 5—6 Stunden in seiner Schule beschäftigt ist und dann einen großen Theil seiner übrigen Zeit in der Regel dem Privatunterrichte widmet, hat weder Zeit noch Lust, sich viel mit den Präparanden zn befassen. Ob dies der Grund war, daß die jungen israelitischen Lehrer sehr häufig so ganz unzureichend Befähigte im Hebräischen waren, oder ob auch noch andere Ursachen mitgewirkt, wollen wir hier nicht weiter untersuchen. Die neue Verordnung ruft desondere Präparandenschulen ins Leben, in welchen die Präparanden, wie sie hier wieder, wie früher, genannt werden, in drei JahreSknrsen für das Schullehrer-Seminar sich vorzubereiten haben, an welchem zn diesem Zwecke eigene Lehrer angestellt werden sollen. Von den Israeliten ist in ber ganzen Verordnung nicht die Rede. Im Gegentheil, es wird hie ״christliche" Erziehung besonders betont, und werden die Anstalten, welche, wie es mit den Seminarien der Full ist, für Katholiken und Protestanten besonders errrichtet werden, unter die besondere Nespizienz des betreffenden Geistlichen, gestellt. Die. Israeliten werden daher wohl, wie in den Seminarien, den protestantischen Präparandenschulen zugcwiesen werden. Wie es aber mit dem Religionsunterrichte und besonders mit dem Hebräischen bestell! sein wird, muß die Znkunft lehren. Am protestantischen Schullehrer-Seminar in Kaiserslautern ist von der k. Regierung ein eigener israclitischer Neligkonslehrer augestelletlt. Es wird dies kaum bei den neuen Präparandenschulen, deren je drei für Katholiken und Protestanten in der Pfalz errichtet werden , der Fall sein, und cs kommt daher Alles darauf an, an welchen Orten diese Schulen errichtet werden, daß den israelitischen Zoglingen Gelegenheit geboten ist, sich die nöthigen Kenntnisse im Hebräischen zu erwerben. Möchten wir in dieser Beziehiing nicht aus dem Regen in die Traufe kommen? In Nr. 37 d. Bl. ist aus Baiern der Gebrauch berichtet,'daß während des Traunngsakteö ein Talith über das Brautpaar auögebreitet werde. Auch bei uns findet dieser Gebrauch Statt da, wo kein sogenannter Tranhimmel vorhanden ist, nur daß er nicht über das Gesicht der Brautleute hinabgezogen, sondern einfach über sie gebreitet wird. Der Talith soll offenbar das Tuch ersetzen, mit welchen man schon in früheren Jahrhunderten das Brautpaar be^ deckte (s. .Rma Ebn Hasser 55, 1. und besonders das Gutachten des Herausgebers d. Bl. in Nr. 25 v. I.. welches der?8-Korrespondcut aus Baiern nicht zu kennen scheint.) Wenn wir auch allerdings die Nothwendigkeit der Bedcckung, sei eS mit einem Trauhimmel, sei eS mit dem Talitt), nicht anerkennen, da d'e Chnppa überhaupt ihre insprüngliche Bedeutung längst verloren hat, fo dürfen wirdoch nicht aus den Augen lassen, daß man einmal in soichen Dingen das Symbol liebt, das hier offenbar in der gemeinschaftlichen Bedeutung mit dem Tranhimmel oder dem Talith die Zusammengehörigkeit überhaupt bedeuten soll׳ Auch dürste man gerade durch den bei gottesdienstlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.