Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 40 (1.11.1866)
- Date
- 1866-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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753 754 Seiten gesucht wurden. Noch aus seinem Nachlasse wurden eine Menge solcher Gläser zu guten Preise» verkauft. Daneben hatte er die Liebhaberei zu zeichnen, und er soll fich gern in! Porträt versucht haben, natürlich nicht mn ein Geschäft daraus zn niachen. Eoserus selbst hat etil Heft tolchcr Hattdzeichiittiigetl gesehen, eine Art Album, worin Spinoza Personen seiner Bekanntschaft porträtirt hatte, unter andern sich selbst, — wie es schien, als Masankello. Es muß eine heitere Laune gewesen sein, in der sich Spinoza den Scherz machte, die eigenen Züge in dem Bilde des neapolitanischen Fischers vorznstcllen. 2. N n e i g e n n ü H i g k c i t. Man kann nicht unabhängig sein, wenn man eigennützig ist. Den»» der Eigennutz ist gewinnsüchtig »»»»d liebt den Gewinn ain meisten, der ihm ohne Mühe als Geschenk zuflicßt. Nichts »vird dem Eigennützigen leichter als das Amlehnien, das Eristireu auf fremde Kosten, »vomit »»»»villkürlich dem Empfänger sich Verflichtnngen anfdrängen, welche die Uuabhäugigket gefährden. Selbst »venu mit den Wohlthatcr» »»,»d Gunstbezeugnilgen Anderer gar keine Verpflichtunge»» verbunden sind, so verliert man doch in den eigcneu Angen das sichere Beivnßtsein seines nnabhängigen Daseins. Dar»»»»» ist ein feines Gefühl eigener Unabhängigkeit.so spröde gegen das Annehmen fremder Gilnst. Ich »vill danlit nicht sagen, daß Spinoza's vollkommene Uneigennützigkeit nur seiner Unabhängigkeit dienen »vollte, aber sie kam dieser zu Gute und »var selbst in seiner Natur begrülldet, die nichts von den Dingen begehrte, die dem menschlichen Eigennutz wichtig sind. ^Sogar gegen die »volgemeinten Anerbietmige»» seiner Freunde verhielt er sich ablehnend. Einer seiner treueste»» Freunde nud Schüler »var Simon Vrics in Anisterdam. Dieser bot ihn» ein Geschenk von ztvcitausend Gulden, das Spinoza znrück- »vies, »veil er es nicht brauchen könne »rnd ihm der Besitz unbequem seil» »vürdc. Als Simon Vrkes dem Tode nahe »var, wollte er, selbst kinderlos und unverheiratet, seinen Freund znin einzigen Erben seines Vernlögens einsctzcu; Spinoza schlug die Erbschaft ans nnd bat. daß er sie dem cigeneu Bruder hinterlasscu möge; selbst daö kleine Jahrgehalt, »velches dieser Bruder ihn» zahlen sollte, setzte er auf eine weit geringere Sltmme herunter. Das väterliche Erbthcil machten ihm die Schivcstcrn streitig. Er ließ sein Recht gerichtlich entscheiden nnd nachdem es sestgestellt »var, schenkte er den Schlvestern freiwiliig seinen Antheil. Einst bat ihn einer scitler Frennde, der ihn ärmlich gekleidet fand, ein besseres Kleid von ihm anzunchmen; Spinoza dankte mit den Worten: »vozn eine kostbare Hülle für rin »vcrthloses Ding? 3. B e d ü r f n i ß l o s i g k e k t. Er verdiente so viel als er brauchte. Mehr »vollte er nicht haben, uud er brauchte unendlich »veuig. Es gibt für die äußere Unabhängigkeit keinen besser-»» Schutz als die Bedürfnißlosigkeit. Diese Tilgend besaß Spinoza im höchsten Grade. In dieser Rücksicht erinnert er an die Vorbilder großartiger Einfachheit unter den Filosofer» des Altcrthnms. Man hat ihm nachgcrechnet, daß sei!» täglicher Lebensunterhalt etlva zivanzig Pfennige kostete. Seine Oekoiioirn'e »var die sparsamste. Der» geringen Haushalt, den er in den letzten Jahren selbst führte, hielt er sorgfältig geordnet, und die kleinen Schulden, die während eines Vierteljahres anfliefen, wurden pünktlich nlit dem Tage bezahlt. Auch seine Kleidung war arm uub eher vernachlässigt als gepflegt. Wer sorgenfrei sein »vill, muß bedürfnißloS sein können. Spinoza hatte sein Leben auf das kleinste Maß menschlicher Bedürfnisse znrückgefüht, uub dadurch fähig gemacht, sich ganz der Erkcnntlliß der Wahrheit hi»»;»»- geben. Was er sich in der That sparen »vollte, »var. nicht Geld, sondern Bedürfnisse und Sorgen, die den Geist gefangen nehme»» und in einen elenden Zustand bringen. Seine Lebensart »var die richtige Methode, »»!!» die Gemüthörühe zn sichern uub sich in kürzester Forn» mit der Welt abzilfinden Das vorliegende Reisewerk, — in welchem auch die Wiener uud Prager Juden herhalten müssen und deffen Verfasser aus dein alten jüdischen Gottesacker i» Prag den Schluß zieht, daß die Juden für Natur« und Kunstschönheitcu gar feinen Sinn haben (!), — ist einem wohltätigen Zwecke gewidmet. Der Reinertrag soll dazu dienen, in Debreczin ein Lesekabtuet für das Volk zu gründen. Steht es etwa mit dem neuen Debrecziner Leseverein in Verbindung, welcher die Juden ausschloß, oder doch auszuschließen beabstchtigte? — Jedenfalls muß man dem Herrn Csatäri das Zeugniß geben, daß er sich die Grundsätze des Debrecziner Reichstagsablegaten von 1843—1844־ vollkommen angeeignet hat; und doch war dieser Ablegat der reformirte Vertreter einer vorherrschend reformirten Bevölkerung! Wenn Surenhusius, der in seiner bereits angeführten Dedikatio» die religiöse Duldung als eine göttliche Tugend preist, die Philippika seines Debrecziner Glaubensgenossen Kaloczy gehört hätte, würde er mit Indignation ausgernfen haben: Dieser Mensch spricht ja, wie ein Barbar! Herr Cs. hat wahrfcheinlich gehört, daß ein freisinniger katholischer Priester, der der Rede Kaloczys beigewohnt hatte, univillig ausrief: ״Der hat ja gewüthet! So muß Kalvin gewüthet haben, als er Michael Servet verbrennen ließ!" Die Erekution an dem Arzte Servet wurde in Genf a,n 17. Oktober 1553 vollzogen, also fünf Jahre nachdem der ungarische Reichstag die Landesverweisung der Kalviner dekretirt hatte! Aus gleichen Motiven, wie Servet in Genf, wurde Valentin Gentilis 1566 in Bern hingerichtet. Statt der Ausbrüche. Kaloczyschen Spießbürgerthums hätte Herr Cs. den auch von ihm so hochgehaltenen Spinoza studiren sollen. Dieser preist die Freiheit des Gewissens, und fügt hinzu: ״Die Stadt Amsterdam möge als Beispiel gelten, da sie zu ihrem herrlichen Gedeihen nnd zur Bewunderung aller Nationen die Früchte dieser Freiheit an sich selbst erfährt?)." Glücklicher Weise steht Herr Cs. unter den ungarischen Schriftstellern so ziemlich isolirt da. Wenn wir'S daher auch angezeigt fanden, ihm nach Gebühr auf die Finger zu klopfen, so sind wir doch weit entfernt , in seiner abenteuerlichen Judenfresserei den Ausdruck der öffentlichen Meinung zu erblicken. Der Verein zurAntecjWnng miitetloser ist. StuÄenteii in Wien. Wien, 19. Oktober 1866. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, wenn auch nicht im Namen des Vorstandes des Vereines für Unterstützung »nittelloser israelitischer Studireuder zu Wien — da ich bisher nicht Gelegenheit hatte, n»it rneinen Herren Kollegen den Gegenstand zu berathen — doch als Mitglied des Vorstandes des genannten Vereines eine Bemerkung zu den» »volgemeinten Vorschläge Ihres Herrn Korrespondenten auS Wien in Nr. 39 des ״B. CH." — Im Oktober 1863, also vor drei Jahren, machte ich meinen damaligen Herren Kollegen denselben Vorschlag, daß der Vorstand in de»n Jahresberichte den Mitgliedern die Mitteilung mache, daß er bereit sei. ״) Kuno Fischer, Geschichte der neuer»» Filosofie I. 2, 125—128. 7) Traot. theol. pol. Kap. 20.