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Ben Chananja · 1866-11-01 · 40 (1.11.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
40 (1.11.1866)
Date
1866-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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751 752 Doch angenommen er hätte Recht, und die Juden waren niemals im Stande gewesen, auf dem Gebiete der Kultur Bedeutendes zu leisten. WaS würde daraus folgen? Sie müssen entweder ein wenig begabtes, oder ein zu geistiger Arbeit wenig geneigtes, mit Einem Worte: ein dummeS oder ein träges Volk sein! Schwer zu lösen wäre daun nur die Frage, warum die Konkurrenz der dummen oder trägen Juden so oft gefürchtet wurde, und in manchen Ländern bis auf den heutigen Tag gefürchtet wird! Herr Cs. selbst hat es schlecht verstanden, diese Furcht zu verbergen. Indem er im Widerspruche mit den offenkundigsten Thatfachen behauptet, daß die Juden sich an schwereu Handwerken, an der Industrie, an der Malerei, Bild- Hauerei und Baukunst, am Waffen- und Schiffsdienste nicht betheiligen, und ihre Kinder zu keinem bestimmten Berufe, sondern zum Schacher und Wucher erziehen; thut er dies in so bitterer und leidenschaftlicher Weise, daß der tiefer blickende Leser die spießbürgerliche Furcht vor jüdischer Konkurrenz in ihrer leibhaftigen Gestalt vor sich sieht. Hieraus erklärt sich, daß er, offenkundigen Thatsachen widersprechend, seinen Lefern auch offenkundige Unwahrheiten auftischt. So läßt er seinen Amsterdamer Berichterstatter die Anklage aussprechen, daß die holländischen Juden an dem Welthandel ihres Vaterlandeö niemals partizipirt haben. Der alte Surenhusius hat aber schon 1698 Angesichts der Amsterdamer Obrigkeit dieser Theilnahme in einer Weise erwähnt, die keinen Zweifel an der ehrenhaften Thätkgkeit der Juden auch auf diesem Gebiete aufkommen läßt. בל הפוסל במ1מו׳ פןסל Die eigenen Fehler pflegt man an Anderen zu tadeln (Kidd. 70, b). Herr Cs. gibt ein Buch heraus, das seine leidenschaftliche Unduldsamkeit laut genug verkündet. Gleichwol scheut er sich nicht, der Amsterdamer Judengemeinde und überhaupt den Juden Intoleranz vorzuwerfen, wobei er sich auf die Geschichte Sp inoz a's beruft (S. 223). An einer andern Stelle nennt er auch U r i e l Acofta, und meint, daß die Juden gegen Jeden (!) intolerant sind, weil bei ihnen die Religion mit dem Leben identisch ist (S. 221). Also die Juden allein waren im siebzehnten Jahrhundert unduldsam! In der That eine merkwürdige historische Entdeckung, die Herr Csatäri sicherlich für die vaterläudische Geschichte verwertheu wird. Denn einem Forscher seines Kalibers, den eS nur einen Federstrich kostet, um das Geschehene ungeschehen, und das Ungcscheheue geschehen zu machen, ist ein Leichtes, auch hier die Einwirkung der Juden zu entdecken und den jüb. Ursprung mancher Gesetze in unserem Oorpus Juris uachzuweisen. Wenn dieses Gesetzbuch auordnet, die Lutheraner zu verbrennen (1525:4) und die Anabaptisten und Sakramentarier (Kalviner) aus dem Lande zu jagen (1518:11); wen» es verbietet, beim ungarischen Reichstage die Religion betreffende Beschwerden vorzutragen (1604:22); wenn es festsetzt, daß in den partibus adnexis nur Nömischkatholiscbe zum Besitze von Grundstücken berechtigt sind (1687:23); wenn die den Protestanten gewährleistete» Freiheiten durch die berühmte Verordnung vom 2. April 1691 illusorisch wurden: so ist dies Alles durch Inden bewerkstelligt worden, bei denen ״Leben und Religion identisch sind" und die daher ״gegen Jeden intolerant" sein müssen. Ihr Werk ist daher auch die Wegnahme protestantischer Kirchen, die Verurtheilung protestantischer Geistlichen zu den Galeeren, und — des Judicium delegatuml In letzteres, welches 1687 zusammentrat, wurden diejenigen Amsterdamer Juden berufen, die am 6. August 1656 über Benedikt Spinoza den Bann verhängt hatten! Christen, sagt Herr Csatäri, können weder jene Gesetze gegeben, noch diese Thatsachen vollbracht haben, da Religion und Leben bei ihnen nicht identisch sind und die Toleranz unter ihnen stets einheimisch war!! So denkt die Csatärische Geschichte. Die beglaubigte Geschichte urtheilt natürlich ganz anders. Von dieser erfahren wir auch, daß eine Dotrechter Synode den Kartesianismus in demselben Jahre verdammte, in welchem Spinoza von der jüdischen Orthodorie zu Amsterdam ver, stoßen wurde, und daß Spinoza, als er Amsterdam verließ, bei einem von seinen GlanbenSbrüdern verfolgten Christen ein Asyl suchte und fand: in einem abgelegenen Landhause an der Straße nach Quwerkerke in der Nähe von Amsterdam. Ein tieferes Eingehen auf den innern Gehalt der von ihm besprochenen Ereiguisse nnd Begebenheiten ist aber von unser»» Herrn Csatäri nicht zu erwarten. Er bleibt immer und überall bei der Oberfläche stehen, und er zieht gewaltsam die Gelegenheit Herbei, seinem Judenhasse Luft zu machen. Auch seine Reisen haben ihn von dieser Krankheit nicht kurirt: Es flog ein Gänschen wol über den Rhein, Und kam als Gigack wieder Hein!! Gegen Spinoza ist unser Reisender sehr freundlich, indem er ihn einen berühmten Filosofen, einen Denker von scharfem Geiste nennet. Dagegen tritt er dem Charakter desselben nahe, indem er hinzufügt, daß ״den sanftmüthigen Gelehrten dessen christliche Freunde, die seine große Gelehrsamkeit zu schätzen wußten, ganz bis zu seinem Tode erhalten haben (S. 223)." Das ist wieder Csatärische Geschichte. Der beglaubigten Geschichte erscheint Spinoza in einem ganz andern Lichte. Sie entwirft von ihm folgendes Bild: 1. L e b e tt s e r w e r b. Bis in die kleinsten Zuge auch der änfieren Lebensart hinein hat sich dieser Charakter so fest und bestimmt ausgeprägt, daß man überall dieselbe einfache nnd laittere Grundform wiedererkennt. Er'mußte selbst seinen Lebensunterhalt verdienen als erste Bedingung eines unabhängigen Daseins; denn was hilft alle Geistcsfrcihcit, wenn man ohne fremde Hilfe nicht cristiren kann? Eine weise Vorschrift des Talmnd macht den jüdischen Gelehrten zur Pflicht, daß sie neben ihrer Wissenschaft ein Handwerk oder eine mechanische Kunst lernen, in deren Uebnng sie sich von den geistigen Auftrengitttgen in Erforschung der Schrift erholen sollten. Da der Geist nicht fortwährend thätig sein könne, so erschien gerade für die Talmudisten eine solche Nebenbcschäftignng uothwendig, damit in ihrem Leben der Müssiggang, diese Quelle übler Gewohnheiten, keinen Raum finde. - Zn diesen! Zwecke hatte Spinoza freilich nicht nvthi'g. die Vorschrift des Talmnd zu erfüllen. Er brauchte neben der Filosofic, die sein innerer nnd wahrer Beruf war, ein Geschäft, das ihn ernährte; und er wußte auch dieses Geschäft mit seinen mathematischen und naturwissenschaftlichen Interessen zu verbinden. Er erlernte die Kunst, optische Gläser zu schleifen, mit der sich auch DeScarteS, wie wir wissen, viel und eifrig unter den Vorstndken zu seiner Dioptrik beschäftigt hat. Und Sp. soll, wie Colerus versichert, ein so geschickter Optikus gewesen sein, daß seine Gläser von allen

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