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Ben Chananja · 1866-10-15 · 39 (15.10.1866) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
39 (15.10.1866)
Date
1866-10-15
Page
– (sequence 20)
Language
German
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107 108 seiner ursprünglichen Bedeutung zu nehmen, und darunter die schon durch ihre subjektive Beimischung unsittliche Rache zu verstehen. Dem Sinn und dem Verständnis wird vollkommen entsprochen, wenn man ihn als Be- Zeichnung für den aus der ursprünglichen Rache hervorgegangenen Akt strafender Gerechtigkeit nimmt, wie ihn jedes Verbrechen als rechts verletzendeHandlung, als Negation des Rechts ihrem Wesen nach zur Wiederherstellung des Rechts nothwendig fordert. — Gewiss hätten die vielfach und wiederholt erhobenen Anklagen gegen das Judenthum und:', dessen Bekenner, dass seihe heiligen Urkunden, seine Bekenntnis - Schriften nur einen Gott der Rache, keinen Gott der Diebe kennen, nie erhoben werden können, wenn man sich des Wesens der Rache in ihrer Ursprünglichkeit und der aus ihr im Laufe der Zeit sich entwickelnden Strafgerechtigkeit bewusst gewesen wäre, und nicht in einseitiger Befangenheit, ohne alle Prüfung des Schrifttextes, das Wort נקם überall, wo es in der heiligen, Schrift verkommt, als gleichbedeutend mit rächen nehmen zu müssen geglaubt hätte, um auf solche Weise ausschliesslich für sich und sein abweichendes Bekenntniss einen Gott der. Liebe ,zu vindici- 1־en,. den, das Hebräervolk längst schon in seinen Urvätern, zu einer Zeit, als Finsterniss noch die Erde bedeckte, erkannt, auf kommende Geschlechter vererbt und in den מרות, wie kein anderes Volk der Welt, zum Bewusstsein gebracht und zum Gemeingut der Menschheit gemacht hat. Nimmt man demnach dem Gesagten gemäss das Wort נקם in. seiner weitern, entwickeltern Bedeutung, als Sühne, Busse, Strafe — so liegt auch in der an Gott, unsern Vater und König, gerichteten, in die Reihe der übrigen aufgenommenen Bitte: נקום לעי נ׳ ד״עהשסוך ebenso wenig wie in anderen Stellen, wo von Gott נקם prädicirt wird, vom ethischen Standpunkte aus etwas anstössiges, und auch das ängstlichste Gewissen kann sich dabei beruhigen. Nicht die Rache Gottes, nicht die Rache des Himmels ist es, die auf den Sünder herabgerufen wird, sondern nur die gerechte Straf6 über den, der Gottes heiliges Recht gebrochen. In diesem Sinne haben auch mehrere Uebersetzer des Sidur, so viel uns bekannt ist, das fragliehe נקם aufgefasst und es mit Sühnen, Büssen lassen, Strafen wiedergegeben. Bei einer solchen Auffassung aber liegt in jener Bitte unsres Dafürhaltens keine Kundgebung einer verwerflichen Gesinnung, keine Verwünschung des Hasses und aufregender Leidenschaft, sondern die gerechte Bitte um Ahndung unschuldig vergossenen Blutes, daher um Wiederherstellung gestörter Rechts-! Ordnung: ein Wunsch, der in dem Herzen eines jeden gerechten und friedliebenden . Menschen gehegt und genährt wird, und nur von jenen missverstanden oder schief beurtheilt werden dürfte, in deren Herzen sich noch ein Rest von allerlei trüben, kleinen und grossen Leidenschaften vorfindet. HistorisciLB Skizzen aus dem Talmud. 1, .■ Die zwei mythisohen Personen ״Kamza and Bar■ Kamza." Von Oberrabbiner Dr. Zipser , Im Talmud Gittin p. 55, b wird die Ür-■ Sache der Zerstörung Jerusalems durch die Römer folgenderweise erzählt: Jemand veranstaltete eine grosse Mahlzeit und trug seinem Diener auf, den Kamza, der sein Hausfreund war, dazu einzuladen; der Diener aber brachte den Bar-Kamza, der ein Feind seines Herrn war. Nun bestand der Gastgeber darauf, dass Bar-Kamza, obwol dieser das ganze Mahl bezahlen wollte, sich entferne. Da die jüdischen Gelehrten; die Zqugen dieses Auftrittes waren, ruhig dabei blieben, so fasste Bar-Kamza den Plan, eine Denunziation bei der römischen Regierung anzubringen; er meldete dem römischen Kaiser, dass die Juden sich gegen ihn auflehnen und keine Opfer von ihm mehr annehmen wollen. .Wer waren also diese beiden Einwohner Jerusalems, die durch die Verwechslung ihrer Namen so verhängnissvoll für diese *Stadt geworden? Ich glaube, dass unter diesen Namen Vater und Sohn, und zwar der Hohepriester Ananias und dessen Sohn Eleasar zu verstehen sind. Hören wir, was Jos. (Krieg.; 1. II. c. 17, §. 2) über diesen letztem mittheilt. Seine Worte lauten, wie folgt: Zur seiben Zeit (als nämlich die Aufständischen Kö-

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