Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 39 (15.10.1866)
- Date
- 1866-10-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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741 Frieden" sehr ernst meinen, denn ist einmal der Friede gesichert , so ist auch Aussicht vorhanden, daß das Duchan- Honorar wieder in edlem Metalle klingt כשנים קדמוניות. Wir hätten noch viel Rühmliches von den Leistungen des ChorS unter der Leitung des Mustkveteranen Herrn JeiteleS, von der Prüfung der Lalmud-Thoraschüler auf dem Gebiete des Talmuds, sowie von den ansehnlichen Stipendien, die eben zur Vertheilung an die Schuljugend flüssig sind, zu schreiben; aber wir würden zu viel Raum in Anspruch nehmen. Wir beschränken uns staher blos auf die Mittheilung, daß während dieser Feiertage in der Synagoge zweitausend dreizehn Gulden 58 kr. 5. W. auf den Altar der Wohlthätigkeit und Gemeinnützigkeit gespendet wurden. Solcher Spenden können sich, nur wenige Gemeinden rühmen. — Herr Feldprediger Szänto ist eben auf Spitalbesuch hier angekommen. Von Cholera keine Spur, der Schulunterricht beginnt nächste Woche. Löwy. . Prag, im September. Unserm..Ernst Wehli haben Sie bereits einen Nachruf gewidmet. Der Mann verdiente in vollstem Maße die allgemeine Anerkennung, die er im Leben gefunden, und die schmerzliche Theilnahme, mit welcher die Nachricht von seinem Tode allenthalben aufgenommen wurde. Noch in seinen letzten Lebenslagen bewährte er sein warmes, theilnehmendes Herz für Judenthum, jüdische Wissenschaft und jüdisches Interesse. Mit ihm ist ein großes Stück alten, spezifisch Prager Judenthums zu Grabe getragen worden. Er glühte für den Fortschritt, nach welcher Richtung hin derselbe sich immer im Judenthume Bahn zu brechen suchte. Er förderte den Fortschritt nach Kräften, trotz aller Hindernisse,»die ihm dabei entgegentraten. Doch beobachtete er zuweilen eine zu weit gehende Schonung abweichender Anschauungen auch dort, wo diese sich vor dem Forum wahrer Religiösität und Wissenschaft nicht zu rechtfertigen vermochten. Wie ich vernehme, hat die Kultusgemeinderepräsentanz den Universitätsprofeffor Wessely in ihr Kollegium berufen. Möge sich der verehrte, von seinem Berufe allerdings stark in Anspruch genommene Mann ent« schließen, seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen und seine edle Biederkeit auch den Angelegenheiten der Kultusgemeinde zu Nutzen zu machen! Die auch hier stattgefundene Unterbrechung des Gottesdiensteö während der letztverflossenen hohen Feste hat sich nicht nur in sanitärer Beziehung, sondern auch in Rücksicht auf Andacht und Erbauung als sehr wohlthuend bewährt. Die religiöse Stimmung war eine erhöhte, der Tenor der Gebete ein wirksamerer, die besonders in den Nachmittags- und Abendstunden des Versöhnungstages sonst hervortretende Ungeduld des versammelten Publikums ward weniger bemerkbar, und die Befriedigung hierüber eine allgemeine. Ueber die liturgischen Abweichungen und homiletischen Leistungen in den verschiedenen Synagogen berichte ich vielleicht ein anderes Mal. N. Daris, 26. September. Sie verlangen Berichte über die hiesigen Knltuöznstände von mir! Ich werde trach« teu, Ihrem Wunsche später zu entsprechen; von hier aus kann ich Ihnen nur so viel sagen, daß ich meine Ideale auch hier nicht verwirklicht fand. Ich habe von jeher behauptet, daß eS in unserer Religion keinen Fortschritt geben kann. Unsere Väter glaubten vor mehr denn zwei tausend Jahren vorwärts gehen zu müssen; dadurch sind die nachfolgenden Geschlechter im Laufe der Zeit in eine Sackgasse gerathen, Unsere Aufgabe ist, Rückschritte zu machen, bis wir zu jenem glorreichen Standpunkte gelangen; auf welchem , zur Wahrheit wird der heilige Mahnruf:, ״Ihr sollet nichts hinzulhun zu dem, das ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon thuu (5 M. 4, 2)1" Die heutigen Wirren in Israel sind eben 742 durch Hinzuthun und Davonthun entstanden r DaS Gedarim- System hat sich mindestens für unsere Zeit nicht bewährt, Die Fusion des deutschen und portugiesischen Ritus ist in der hiesigen Gemeinde zu Stande gekommen. Ich hörte dies von Dr. Alb. Cohn, unserm berühmten LandSmanne, der nicht müde wird, für Judenthum Und jüdische Wissenschaft die segensreichsten Saaten auSzustreuen. Ich werde wol noch Gelegenheit Haben, Ihnen über die Fusion zu schreibe». In keinem Falle werde ich mich aber dem Dr. Hildesheimer anschließen, der sich auf das Diner der Engel bei Abraham beruft, ohne zu bedenken, daß selbst Engel, sobald sie Hier auf Erden wallen, Manches verschlucken müssen. . In der Person des Grand-Rabbin Isidor habe ich einen ungemein leutseligen Seelenhirten kennen gelernt, der in jeder Beziehung auf der Höhe der Zeit steht, und die Verehrung verdient, die ihm hier allgemein gezollt wird. Auch Hatte ich das Glück einer anderthalbstündigen Unterredung mit Prof. Munk. Als ich in der Nähe dieses sel« tenen Mannes.bas,ברוך שהלק מחכמתו ליראיו sprach, erfüllte eS mich mit Wehmuth und Schmerz, nicht hinzufügen zu können , ולתאיו! Munk bedarf eines Führers. Das ist traurig. Warum tragen wir ihn nicht auf den Händen? —- An Sie, Herr Redakteur, trug er mir viele Grüße ans, auch übergab er mir für Sie den dritten Theil seines Moreh, der eben die Presse verließ. Nach meiner Heimkehr werde ich Ihnen denselben übermitteln. öl. Daris, 2. Oktober. Der Leiter der ״Lr6iüv68 Israölites“ erhielt aus Luxembourg folgendes Schreiben: ״Lurembourg, 25. September 1866. Herr Direktor! Wir nehmen uns die Freiheit, uns mit der Bitte an Sie zu wenden, Sie möchten die nächstens erfolgende Vakanz der Luxemburger Oberrabbinerstelle, die seit nähe an 24 Jahren vom ehrwürdigen Dr. Samu e l Hirsch sv vorzüglich^ bekleidet wurde, in den ״Ärchives“ befflttnt machen. Herr Dr. Hirsch wurde nämlich unter glänzenden Bedingungen von der großen Gemeinde zu Philadelphia berufen: Indem die Gemeinde zu Luxemburg ihren würdigen Seelsorger verliert, verhehlt sie sich nicht , daß es: ihr schwer fallen wird, ihn zu ersetzen, denn er ist ein hervorragender Geist, eine wahre Leuchte des Judenthums, für welches er Liebe einzuflößen verstand. Wir werden seinen Fortgang ewig chedauern. Genehmigen Sie u. s. w. Für die Administration : Der Präsident S.' Gobchaur." Wenn die nordamerikanischen Gemeinden forrfahren, die besten jüdisch-theologischen Kräfte nnseres Welttheils für sich zu gewinnen, wird man vielleicht, wie man im Mittelalter von Bari und Otranto sagte, in nicht gar ferner Ankunft sagen: Von New-Z)ork geht aus die Lehre nnd das Wort Gottes von Philadelphia! ' 8. Uew-Dork, 6. September. Der von dhr böhmischeu Gemeinde ״Ahawath Chesed" berufene und von derselben mit wahrer Sehnsucht erwartete Dr. Hübsch ist glücklich hier angekommen und wurde von seiner Gemeinde mit wahrem Jubel aufgenommen. Die jüdischen Journale beeilten sich , die Ankunft des Herrn Dr. Hübsch mit Herzlichen Beglückwünschungöworten zu registriren, der Gemeinde, die in ihm eine so herrische Akquisition gemacht, zu gratuliren, und die Ueberzeugung auszusprechen, daß es Dr. Hübsch verstehen wird, seine Gemeinde mit weiser Umsicht im Geiste der Bildung und deö Fortschrittes zu leiten. Er wird hierdurch nicht unr auf seine eigene Gemeinde einen wohlthätigen Einfluß äusüben; sein Einfluß wird sich ohne Zweifel auch auf die übrigen Gemeinden unserer Stadt er« strecken. Am verflossenen Sabbath — es war der 1. September — hielt Dr. Hübs h in der Synagoge der Gemeinde Ahawath Chesed seine Antrittsrede und die Parascha כי תבא gab ihm zur selben ein ebenso paffendes ald dankbares Thema. Die Leser des ״Ben Chananja" sind über