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Ben Chananja · 1866-10-15 · 39 (15.10.1866) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
39 (15.10.1866)
Date
1866-10-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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739 740 Einbildungskraft ist während der Gefahr thätig, mau wahre sich daher ein heiteres Gemüth *)." Im Lechem Ha-Panim von R. Kaufmann Kohen wird diese Suspension sogar kabbalisttsch gerechtfertiget. Dazu kommt aber noch der Umstand, daß sich während der siebentägigen Zurückgezogenheit der Leidtragenden (שבעה) selbst in den engsten Wohnungen viele Besucher einfindeu, was weder für diese, noch für jene wohlthätige Wirkungen Haben kann. In der talmudischen Zeit wurden während einer Epidemie auch allgemeine Fasttage gehalten. Später hatte es davon sein Abkommen, weil man sich überzeugte, daß das Fasten in solcher Zeit nachtheilig einwirkt (Mag. Abr. 576, 2). Als Urheber dieser Reform wird R. Jsak Loria, der Heros der Neukabbalisten, genannt (AzulaiS B. Jos. zum O. CH. 576, 4)! T. Prtßlmrg, 7. Oktober. Die Temesvarer Affaire, über welche Ihre Korrespondenten in der vorigen Nummer Ihres Blattes berichteten, sollte die Herren Rabbinen und die ehrsamen Gemeinden nachdenklich machen. Der Rabbiner in TemeSvar wollte eine Superiorität über den Kantor be- Haupte«, mußte aber den Kürzern ziehen und endlich nachgeben. Diese Thatsache hat allgemeines Interesse. Die Funktion, welche der Kantor in der Synagoge verrichtet, ist in den Augen der Gemeinden viel wichtiger, als die Funktion des Rabbiners. Denn wenn auch heutzutage die Andächtigen selber beten und von einer Vertretung (!שליי^וו) durch . die Vorbeter, wie dieses im Alterthume stattfand, nicht die Rede sein kann; so trägt doch der Kantor dem lieben Gotte vor, was die Gemeinde von ihm, ihrem himmlischen Vater, erbittet und erwartet, während es Hauptaufgabe des Rabb. ist, der Gemeinde zu sagen, was der liebe Gott von ihr fordert u. erwartet. Daß Viele jener Erwartung eine größere Bedeutsamkeit beilegen, als dieser, ist wol sehr begreiflich. Dazu kommt noch, daß der Vortrag des Kantorsniemals Anstoß geben oder Verstimmung Hervorrufen kann; denn wenn er daö אשמנו noch so kräftig und ausdrucksvoll intonirt, so fühlt sich doch Niemand getroffen. Aber der Rabbiner! — Selbst wenn er sich der schonendsten Milde befleißt, wird es ihm nicht immer gelingen- Mißverständniß und ungegründeten Tadel von sich fern zu halten. Endlich hat der svnagogale Gottesdienst seit den drei letzten Jahrhunderten eine solche Richtung genommen, daß die Predigt, um mit den Vesprimern zu reden, wirklich zu einem Luxusartikel herabgesunken.ist. Daran sind die Kantoren unschuldig. Ueberhaupt ist eS nicht ihre Schuld, daß der synagogale Kultus, dessen Mittelpunkt im Alterthume die öffentliche Belehrung war, sich im Laufe der Zeit das doktrinelle oder lehrhafte Element fast ganz abhanden kommen ließ. Ist eS ja so weit gekommen, daß zum Wesentlichen des heutigen jüdischen Gottesdienstes die Kenntniß der jüdischen Theologie gar nicht erforderlich ist! Unter den Kantoren gibt es zufällig einige theologisch gebildete Männer. Bei der Besetzung der Kantorstellen wird aber auf die etwaige religiöse Bildung der Kandidaten keine Rücksicht , genommen, da ihr Gesang einzig und allein maßgebend ist. Aber auch dafür können die Kantoren nicht verantwort- ר Wie Ei-irb 65, a.הילכחא בעיא צלוחא. lich gemacht werden. Wärum haben die Rabbinen Jahrhunberte hindurch die Predigt nicht kultivirt? Warum haben sie sich in ihr pilpulist. Netz verwickelt? Warum Haben sie den uralten, ehrwürdigen UsuS der öffentlichen Belehrung nicht aufrecht erhalten? Warum ließe» sie eS so weit kommen, daß die Belehrung des Rabbiners in der Küche, im. Keller und anderswo wichtiger scheint, als in der Synagoge? ״Die Väter haben saure Trauben gegessen, und der Kinder Zähne werden davon stumpf (Jerem. 31, 29)!" Alles dies sollten die Herren Rabbinen erwägen, um die Stellung zu würdigen, die ihnen gegenwärtig im öffentlichen Kultus angewiesen ist. In Deutschland hat der Kultus in den hervorragendsten Gemeinden eine mehr auf Geist und Gemüth berechnete Richtung genommen. Wo dies geschieht, ist die jüdische Theologie ein wesentlicher Faktor des Gottesdienstes, kein entbehrlicher Luxusartikel!' Bis solche Kulturzustände auch bei unS eintreten, müssen stch'S die Rabbinen gefallen lassen, daß für eine große Zahl von Synagogenbesuchern ein kräftiger Bariton oder Tenor wichtiger ist, als die glänzendste geistliche Beredsamkeit! 6. Jenta, 3. Oktober. Der hiesige Rabbiner hat sich den bekannten Wunderthäter von Liska zum Gevatter seines Sohnes erbeten. R. Hirsch nahm aber die ihm zugedachte Funktion nicht an, weil unser Almemor nicht in der Mitte der Synagoge steht. In Folge dessen wird ein Umbau in unserer Synagoge vorgenommen werden, zu welchem Herr Markus Fischer bereits 500 fl. gespendet hat: נחבעין לענק ונותנין (Jer. Schekal. 1, 1)! Wie ich höre, wird auch am Estrich der Synagoge eine Grabung vorgenommen werden, damit man nach altem Gebrauche in die Synagoge hinabsteige. Die Mitglieder der .hiesigen Gemeinde wollen es nicht einsehen, daß sie ohnedies tief genug stehen! Groß-Kanizsa, 5. Oktober. Was sollen wir vom Jom-Kipur erzählen? Unser Herr Fasse!, Sie kennen ihn als den friedfertigsten Rabbiner. Sie kennen auch unfern ° Herrn Oberkantor Kartschmaroff von der besten Seite und fiel keinem von beiden im geringsten ein, die Andacht des Jom- Kipur durch Rebellion zu trüben. Pausen in der Synagoge gab es ja sogar in Eisenstadt, vielleicht auch in Nagy- Mihäly, Man kürzte die Piutim, so viel man eben konnte, und außer einiger MahnuugSworte vor Kol-Nidre mußten wir auf den Kanzelvortrag gänzlich verzichten. Trotzdem war die Andacht eine musterhafte und berufen wir uns auf den Umstand, daß ein entstandener Feuerlärm unweit der. Synagoge nicht vermochte, die geringste Verwirrung herbeizuführen, und haben auch nur die Wenigsten ihre Sitze verlassen. Aber kein Lob, ohne Tadel! Der SandikouS-Verein feierte als Gevatter an diesem großen Tage und in diesen einfachen Worten liegt wol eine harte Rüge! Nichtödestoweniger ließ der Vereinsvorstand seine Mitglieder an der frommen Handlung partizipiren, so daß sowol die Vereinskaffe als die Wöchnerin dabei ihre Rechnung fanden. Am andächtigsten aber waren sicherlich unsere Kohanim beim Vorlesen des Thoraabschnittes, der vom Tobe beider Söhne AronS, als sie sich dem Heiligthume näherten, Handelt; denn als es am ersten Tage Sukos zum Duchan kam, siehe! da näherten sich, eingedenk dieser herben Lektion, keine zwei Aroniden dem Heiligthume. — Hier muß bemerk: werden, daß wir Gottlob noch uneigennützige Gratis-Kohanim haben, die vorschriftmäßig ihre Handflächen nach unten und nicht wie jene in der Residenz, nach oben gerichtet halten. — Eö ist übrigens, nicht zu verkennen, daß es eben solche besoldete Kohanim mit dem Segensschluffe ״er gebe dir den

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