Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 39 (15.10.1866)
- Date
- 1866-10-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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und Prediger zu Potsdam, jetzigen Lehrer an der hiesigen Gemeinde-Mädchenschule, Herrn Dr. S. Apolant, die schriftliche Einladung zukommen lassen, an den ■ימים נוראים daselbst zu predigen. Da sich feine Predigten, deren Gediegenheit sein wohltönendes Organ unterstützt, des Ungetheilten Beifalls erfreuten , so erging an ihn die fernere Aufforde-, rung, auch an dem Hütten- und Schlußfeste zu sprechen. ׳ Herr Dr. M. Kayserling hat hier kürzlich in Louis Gerstel'S Verlagsbuchhandlung ״Dankpredigt und Danklieder von MoseS Mendelssohn" als eine Reliquie mit einer Einleitung versehen, zum ersten Male herauSgegeben. Die Dankpredigt hat Mendelssohn aus Veranlassung der Schlacht bei Leuthen für den damaligen Berliner Oberrabbiner David Hirschl Frankel geschrieben, die der Letztere in der hiesigen Synagoge am 10. Dezember 1757 hielt. .Dagegen hat Mendelssohn die Danklieder für die Siege bei Roßbach und Leuthen anS dem Hebräischen übersetzt. Eine willkommene Zugabe zu der Zunz'schen Bibel- Übersetzung ist die Uebersetzung der Apokryphen nach dem griechischen Texte, 6ä. Tischendorf, von Dr. David Cassel, die dieselbe Verlagshandlung eben gebracht hat. Eine bloS flüchtige Vergleichung mit den früheren Ueberträgungen zeigt der Vorzug dieser Uebersetzung vor allen andern durch die enge Anlehnung an den griechischen Wortlaut. Die Eigennamen haben durchgängig die griechische Form beibehalten. Doch hat der Herr Uebersetzer mit richtigem Takte die leidige Konsequenzenmacherei verschmäht: Namen wie MoseS, Siräch u. dgl. sind wol mit Recht in der üblichen Schreibweise gegeben. In Bezug auf die Namen läßt sich doch nicht eine völlig konsequente Schreibart durchführen. Weil diese Uebersetzung als Anhang zur Zunz'schen Bibel dienen soll und ihr daher konform gemacht werden Mußte, erscheint sie auch ohne literarisches Vorwort und Noten, die jedoch nur ungern vermißt werden. Literarische Notizen hätten recht wol am Schluffe des Buches ihren Platz finden können. Wir wollen hoffen, daß diesem Mangel bei einer zweiten Auflage abge- Holsen werden wird. Die Familie des verewigten Luzzatto läßt eö sich zur Freude der Verehrer desselben und sicher zur Freude eines: jeden Freundes der jüdischen Literatur angelegen sein, die hinterlassenen .Schriften des Heimgegangenen großen Mannes herauszugeben. Soeben ist die sechste Lieferung seines JesaiaS mit italienischer Uebersetzung und hebräischem Kommentar erschienen. Eine jede Seite zeigt uns den geraden Sinn,' die gesunde Kritik und den nach Wahrheit strebenden Geist' des der Wissenschaft leider allzufrüh entrissenen Verfassers. (Schluß f o l g t.) Aorrejpondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. X. Pest, 1. Oktober. Der berühmte, in Paris lebende jüdische Astronom Moriz L ö w y, der «vor mehreren Monuten vom Kaiser Napoleon zumordentlichen Professo r der Pariser Universität ernannt wurde, weilt feit einigen Tagen in unserer Mitte. Der wackere Jtzig Spitzig hat dem in. Szathmär׳ erscheinenden ״Mögntü"' gebührlich auf die Finger geklopft. Man darf sich'übrigenüber die Judenfeindlichkeit dieses Szäthmärer Blattes nicht wundern; Nachzügler der Kultur, die auf einem überwundenen Standpunkte stehen^ sind in der ganzen Welt zu finden, Der MebäÜeür des ״Tärogatö“ ist dem Vernehmen nach Professor. Wenn er seine verblendete Unduldsamkeit auch auf seine Schüler verpflanzt, so sind letztere sehr zu bedauern. -- lökrösS bespricht in Nr. 35 feines rechtswissenschaftlichen Blattes die Emanzi- PationSverhandlungen von 1843 in liberalem Sinne. Seine Aufforderung zur Dankbarkeit gegen Palöczy und Klauzäl kommt jedoch zu spät. Dieser Pflicht sind die Juden, wie den Lesern des ״B. CH." bekannt ist, bereits nachgekommen. In Löw'S Denkrede auf Klauzäl wird die liberale'Opposition so gefeiert, wie dies noch auf keiner vaterländischen Kanzel geschehen ist. EM. Pest, im Oktober. Wir haben hier zu ׳Lände einen ganz eigenen Ausdruck, mit dem wir die Intelligenz der Bevölkerung bezeichnen. Derselbe hat dadurch, daß er selbst im Gesetzbuche einen Platz gefunden, eine gewisse Sanktion erhalten, und eö waren im Vormärze den ״Honoratioren" besondere Privilegien rechtlich eingeräumt, deren sich sonst nur Jene erfreuten, die es zu beweisenvermochten, daß ״blaues Blut" in ihren Adern rolle. Es war dies eine Anerkennung' der Macht des Geistes und so weit es unseren Glaubensgenossen möglich war , sich in die Reihen der Ho-. noratioren zu mischen, fiel auch auf sie ein Reflex, der, wenn , auch nicht politischen , so doch sozialen Anerkennung. Zwar können wir uns nicht beklagen, daß man uns den Eintritt in diese Gesellschaftsklasse gar zu leicht/ gemacht hätte; als Soldat rückte: der Jude nur in den seltensten Fällen zum Offiziersrange vor; zum StatSdienst wurde er nicht zugelassen und selbst die Ausübung der Advokatur blieb ihm untersagt. Wie viele nützliche StatSbürger .hiedurch der Entwicklung und Verwerthung ihrer Fähigkeiten beraubt, wie viele Statömäner und Feldherrn unter der! Last deS ihnen verächtlich zugeworfenen Waarenpinkels zu Haustrjuden perkümmerten, welche Fülle geistigen Kapitales hiedurch dem. Vaterlands entzogen wurde, das mögen die Ritter Äes christ- . lichen States einst vor dem Richterstuhle der Weltgeschichte verantworten. Denn der menschliche Geist läßt sich nicht tödten durch Vorurtheil und Bedrückung. In das Geleise des Handels gedrängt, wußte auch dort der jüdische Geist sich geltend zu machen, und beherrschen auch die Juden Handel und Verkehr in unserem Lande, wie wir dies in unserer vorigen Korrespondenz besprochen, so ist dies zwar keines- Wegs ein Unglück für das Land, jedoch die hieran Anstoß nehmen, mögen bedenken, daß es nnr so und nicht anders kommen konnte. Mögen sie daraus lernen, was der jüdische Geist bei freier Entwicklung auch in allen andern Sphären zu erreichen.gewußt hätte und wie viel Geisteslicht und Energie allen anderen Kreisen der Gesellschaft durch das religiöse Vorurtheil entzogen wurde. Ein I. E. Horn müßte bei uns noch heute Hofmeistern, die Crsmieur, Fould, Pereires hätten es bei uns höchstens zu Großhändlern oder Geldwechslern gebracht. . 5;^; ' י י• 41*