Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 39 (15.10.1866)
- Date
- 1866-10-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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725 tis genommen. Hieraus folgte nothwendigerweise der weitere Jrrthum, daß f!e bet נגע צרעח an einen über den ganzen Körper verbreiteten HautauSschlag dachten, während thatsächlich MoseS an dieser Stelle sich deö Wörtchens בשר blos epheumistisch בלשון נקיה bedient und unter עור בשרו die Haut des Penis verstanden wissen will. Liest man nun in diesem Sinne das angeregte Kapitel vom Anfang bis inklusive V. 10., bis wohin nämlich Moses im Singular! spricht, so steht man deutlich, daß es sich bis dahin um nichts anderes, als um ein Genitalgeschwür uleus syphiliticum handelt. Hiermit finden mehrere der im Eingänge von mir anfgeworfenen Fragen ihre Beantwortung. Vor Allem ist die Homogenität der Gesetze von Kap. 12—15 nachgewiesen, in wieferne sie sämmlich verschiedene normale und anormale geschlecktliehe Zuständr: Menstruation (Kap. 15), Wochenbett (Kap- 12), das Genitalgeschwür (Kap. 13—14), endlich die Gonorrhoe des Mannes (Kap. 15. 1—18), sowie die Biennorrhoe und die profuse Metrorhagie des Weibes (Kap. 15. i 9—33) zum Vorwurfe haben. Ferner ersehen wir, daß die Krankheit, welche Moses für so inkensiv-contagiös hielt, daß er auf sie den höchsten Grad der Jsolirung, die Entfernung aus der Gemeinde, verhängt, keine kransilorische, sondern eine perenne auch heutzutage noch das individuelle, wie das Familienleben gefährdende Seuche ׳— die Lustseuche— gewesen sei, welche leichter durch polizeiliche Prophylaxis verhütet, als einmal eingewurzelt, geheilt werden kann. ,Diese polizeiliche Prophylaxis wurde von Moses durch die priesterliche Untersuchung der Männer "אדם כז ירי בעור בשרו, nicht die der Frauen dnrchgeführt, als gegen welch letztere das Zartgefühl des edlen Gesetzgebers sich sträubte, was gewiß nicht der Fall gewesen wäre, wenn es sich nur um einen Hautausschlag gehandelt hätte, wie wir V. 19. bei der Erkrankung des Kinn- und Haupthaares (mentagra, tinea) es sehen, wo ausdrücklich von beiden Geschlechtern gesprochen wird :ואיש או אשה כי יהי' בו נגע בראש או בזקן. Ich habe im Vorhergehenden das Gesammtbild des mosaischen Aussatzes mit dem der Syphilis verglichen und die übereinstimmenden Umrisse beider Krankheitsprozesse nachgewiesen. Beide contagiös, beide Geschlechtskrankheiten, beide in denselben Organen auftretend, beide durch polizeiliche Ueberwachung bezähmbar. Ich werde nun auf deren Symptome, Differenzial- Diagnostik, Folgekrankheiten und Behandlung, endlich auf die so räthselhaften Erkrankungen der Kleider und Wohnungen übergehen und Nachweisen, daß alle diesbezüglichen in der Bibel von dem Aussätze aufgezählten Attribute auch der Lustsenche, ja nur dieser allein zukommen. Es wird an dieser Stelle nöthig sein, die Pathologie der Letzteren zu besprechen, was ich in gedrängter Kürze und mit möglichster Decenz thun werde. 1. Die Lustseuche ist eine Geschlechtskrankheit, welche durch einen. Ansteckungsstoff übertragen wird. 2. Dieser Ansteckungsstoff (Contagium) entsteht ursprünglich durch unkeusche Vermischung zweier Geschlechter (Polyandrogamie, Venus vulgivaga); in dem keuschen Zusammenleben der beiden Geschlechter (Monogamie — Ehe) entsteht er n ie und n i m m er. 3. Das Contagium ist fix, d. h. es wird n i e durch die Luft, sondern einzig und allein durch unmittelbare Berührung der damit behafteten Personen und besudelten Gegenstände mitgetheilt. 4. Das Contagium, und folglich auch die daraus entstehende Krankheit ist ein trauriges Prärogativ des menschltchen Geschlechts. Man hat oft, jedoch stets fruchtlos sich 726 bemüht, dasselbe auf Thiere, z. B. auf Affen durch Impfung mit der Lanzette zu verpflanzen. 5. Die Aufnahme des syphilitischen Contagiums geschieht in der Regel durch unmittelbare GescklechtSberührung und äußert sich in zwei Formen: als Ausfluß וב oder als Geschwür נגע. 6. Beide Formen bilden eine Zeit lang eine örtliche Krankheit (primäre Syphilis), an welcher der Gesammtorganismus keinen Antheil nimmt, später jedoch wird daS Contagium in die Säftemasse aufgenommeu, wodurch der ganze Körper erkrankt, allgemeine Lustsenche (sekundäre Syphilis). 7. So lange die Krankheit örtlich ist, können örtlich angewendete Heilmittel, Salben, Pflaster u. s. w. von Nutzen sein; sowie jedoch einmal das Uebel ein allgemeines geworden, ist die Anwendung von dergleichen Mittel nutz- und zwecklos. 8. Durch Gefäße, Kleider, Sättel u. s. w., welche mit dem Ausflüsse oder dem Geschwürseiter beschmutzt sind, kann das Contagium auf gesunde Menschen übertragen werden. Ganz dasselbe geschieht in Räumlichkeiten, wo syphilitische Kranke sich aufgehalten, und Thürklinken, Fenster, Mauern u. s. w. mit ihren Secreten beschmutzt haben. 9. Durch die allgemeine Lüftseuche entstehen häufig an den behaarten Theilen des Körpers Geschwüre, Borken u. s. w.z auch pflegt das Haupthaar gänzlich auszufallen (Allopoccia), aber ein weißes Haar in der Mitte der Geschwüre gibt es nicht. 10. Wenn die primäre Erkrankung in Form eines Geschwüres נגע auftritl, so gestaltet sie sich entweder' a) als Erhebung der Epidermis zu einem Bläschen שאה, welches mit einer durchsichtigen Flüssigkeit gefüllt, nach wenigen Stunden oder Tagen platzt und eine offene Stelle znrückläßt, oder b) als eine Ercoriation (Abschilferung) d. i. das Ober- Häutchen wird abgestoßen, und aus der so entblößten.Stelle sickert ein mehr weniger dickliches Secret, welches zu einer Borke eintrocknet ם2הה Schabe. Endlich 6) sie gestaltet sich gleich im Beginn als Geschwür/ d. h. als eiterabsondernde Fläche (Eitergeschwür) בהר fehdr, weiß; בהרה keheres, weißlich, eiterweiß, nach Luther). d) In dem letzter!! Falle ist die Geschwürstelle entweder - oberflächlich oder vertieft, mit erhabenen Rändern und das weiße Secret liegt gewissermaßen in einer Grnbe^ מראה עמוק ק העיר (das Hunterische Geschwür); diese letzte Form bildet das wahre Charakteristikon für die Syphilis, d. h. nach einem solchen Geschwür kann man mit Sicherheit eine allgemeine Infektion der Säftemasse Voraussagen. (Die Lehre von der Induration kann hier füglich, als der jüngsten Zeit augehörig, übergangen werden). 11. Die lokalen (acuten) syphilitischen Affectionen haben, wenn sie durch vehemente Eingriffe z. B. Aetzüngen, Einspritzungen u. s. w. in ihrer Entwicklung nicht gestört werden, einen siebentägigen Typus d. h. die Phasen, die sie bis zu ihrer Höhe und von da ab bis zu ihrer Rückbildüng machen, sind nicht von einem Tag auf den andern, sondern nur in etwa 6—?tägigen Intervallen wahrnehmbar. So zeigt sich die' Induration nach der künstlichen Impfung anerkanntermaßen erst zwischen dem 21.—28. Tage, und habe ich selbst, lange bevor ich die gegenwärtigen Studien machte, den Heilungstermin des Geschwüres und des Ausflußes bei regelmäßiger Behandlung als den 20.—21. Tag angegeben. (S. meine JdentitätSlehre in der Syphilis» Thesis 12.) Endlich 12. Der Ursprung der Benennung ,,Syphilis" ist dis heute unbekannt. Die Mythe von dem Hirten Syphilis, der die Götter geschmäht, und dafür Mit der gleichnamigen