Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 38 (1.10.1866)
- Date
- 1866-10-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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11 12 doch auch von einer schöner», duftigen und farbenprächtigen Schale umgeben sein. Das haben unsere ״Alten“ im echten Sinne des Wortes von jeher so gehalten. ״Zeig dich schön vor Gott!“ das war ihr Grundsatz. זה אלי ואנודד . החנאה לפניו במצות. Gott braucht freilich die schöne Form nicht, denn nur der Mensch sieht auf die Augen, doch Gott sieht in das Herz — Gott braucht sie nicht, aber wir brauchen sie, haben sie zu allen Zeiten nöthig gehabt, heutzutage aber noch mehr, als je. Darum nein — nicht dem Palmenbaume allein soll unser Judenthum gleichen, der nur Frucht, hat, jedoch keinen Duft; aber auch nicht dem Myrthenbaume allein, der wiederum nur Duft hat und keine Frucht. Was wir von unserm Judenthume wünschen, das ist, Beides vereint.יפרה כשושנה יך שרשיו כלבנון — Bltihen soll es wie die .Rose und zugleich Wurzel soll es sehlagen wie der Libanon! Das, meine verehrten Leser, ist das Bekenntniss der vierten Partei im heutigen Israel. Gott gebe, dass die Zahl ihrer Anhänger immer grösser- und grösser werde!! Pädagogische Grundsätze der alten Hebräer, (Eine emehungskundliche Studie) Von Ignaz Reich, Verfasser des ״Bel-El.“ I. liiilem'dil im Allgemeinen. Wenn .,Sittlichkeit der Grundton aller Pädagogik ist“, oder wenn die beiden Lebenspnnkte genau angezeigt sind : ״Aller Weisheit Anfang ist die Gottesverehrung“ (Sprichw. 1. 8) und des Menschenthuines Endzweck darin besteht: ״Fürchte Gott, beobachte seine Gebote . . ." (Pred. 12. 13); so ist auch hiermit — da zwischen zwei gegebenen Punkten nur eine gerade Linie gezogen werden kann — das Ziel der Erziehungskunst leicht zu bestimmen: ״Gott schuf den Menschen ge- 1-ade — zur Arbeit und Glückseligkeit — doch sie grübelten mit verworrenem Sinn nach gar vielen Zwecken und Mitteln (ibid 7 29). . . Allein ״die Gottesfurcht hängt von der freien Bestimmung des Menschen *ab ״das Menschenherz (Ber. 33. b), aber ist in früher Jugend zum Bösen geneigt“ (1. M. 8. 31); es bedarf daher der Leitung, Gewöhnung zum Guten und ״weil der Unwissende nicht wahrhaft gottesftirchtig sein kann“, auch i der Belehrung. Pädagogik im jüdischen Sinne wäre somit nichts anderes, als: Anleitung des Kindes zur Gottesfurcht mittelst Belehrung־ und Gewöhnung. Den ersten Menschen erzog Gott selber, und ״Chava nannte den Adam anfangs bloss Lehrer“ (Aboth de R. Nath. I.). Die Erziehungskunst ist somit so alt, wie die Welt. Ja, je auffallender allerdings die Thatsache sein muss, dass während die Bibel des ersten Schmiedes, Musikers, Weinpflanzers rühmliche •Erwähnung thnt, sie den Kamen des grössten Wohlthäters der Menscheit, des Pflug-Erfinders, mit Stillschweigen übergeht, und je mehr hierdurch die im Talmud (Sanh. 70. a.) aufgsetellte kühne Behauptung an Wahrscheinlichkeit gewinnt: dass die verbotene Frucht Weizen war, und der Feldbauer Kain bloss als ein gelehriger Schüler seines Vaters sich bewährte —; desto klarer tritt zugleich die Wahrheit uns entgegen: die Pädagogik ist so alt wie der Mensch. Der Midrasch Ii. (Absclin. Bamidbar) preist jene goldene Zeit, wo es drei grosse Pädagogogen gab: Aron, Moses und Mirjam . . .“ Denn alle über ihre Zeit hervorragenden Männer waren bloss Erzieher, die ihren Unterricht von einem böhern Meister erhalten — berufen, die V ät 6 r zu unterweisen, wie sie durch ihr eigenes Beispiel die Kinder zur Gottesfurcht und Sittlichkeit heranbilden. Das Elternhaus war somit Anfangs — wie heute noch im würdigen schwedisehen Bauernstände, wo die Väter selber ihren Kindern auch (len wi 88 ens 6 h af'tlieben Unterricht ertlieilen — die erste Volksschule. Wenn daher Terenz einmal einen Liebhaber, der seiner Geliebten nicht von der Seite weicht, komisch ihren ״pädagogus“ betitelt, weil dieser Führer (naiSayayoq) im Hause, auf der Strasse. . . stets um seinen Zögling sein musste —, 80 entspricht der Bibelvers: ״Du sollst deine Kinder belehren, wenn du in deinem Hause weilest, auf dem Wege wandelst. . . .“ (5. B. M. 11.19) vollkoinmen dieser Anschauung. Den edlen Auserkorenen: Profeten, Gesetzgebern, Statengriindern.. . musste es aber frühzeitig am Herzen liegen, dass mit ihnen selber nicht zugleich ihre Lehren und Einriehtungen zu Grabe getragen werden; dass auch in ferneren Geschlechtern noch jene Begeisterung und Aufopferungsfähigkeit zum Gesammtwohle fortwirke: sie bemühten sich daher nicht bloss durch Vervielfältigung, Abschreiben, Auswendiglernen... ihrer Lehren, sie den kommenden Zeiten zu bewahren (3. M. 13. 19), sondern zugleich für würdige Nachfolger Sorge tragend, diese in den Geist derselben einzuweihen. Moses ״legte seine leitende Hand auf Josua“, Aron beklei-