Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1866-10-01 · 38 (1.10.1866) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
38 (1.10.1866)
Date
1866-10-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543175-2543213--5004-2549054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9 10 ־ baar aller Wissenschaftlichkeit, also tief unter ihrer Würde, da sie die ganze Wissenschaft ifn kleinen Finger tragen. Und derart wollen sie vom Judenthume gar nichts — keine Frucht und keinen Duft. Die Orthodoxie sagt ihnen nicht zu und die Neölogie noch weniger. Das alte Judenthum, so sagen sie, wir halten es freilich nicht mit ihm, wir werden uns nicht, die Entbehrungen auferlegen, die es von seinen Anhängern fordort, überhaupt sind wir, was uns betrifft, erhaben über alle und jede .Religion, da 68 für Männer von Geist und Bildung gar keine Religion gibt — aber es könnte uns doch noch weit eher Zusagen, als das neu übertünchte Jüdenthum. Dieses mit seinem flitterhaften Geprange ist uns gar unausstehlich. Die alte Deräscha war freilich voll Unsinn, aber sie verräth doch wenigstens Kopf, Witz, Scharfsinn — die neue Predigt, die hat gar keinen Werth. Der alte Rabbiner war freilich thöricht genug, sich mit solchem Unsinn abzuplagen, allein er hat es mindestens ehrlich gemeint — er war ein betrogener Betrüger. Die ubo- «lernen Verkündiger des Judenthums, die haben gar nichts, als ihr Bisehen oratorischen Aufputz. Nein, nein! rufen sie mit Begeisterung — denn nur für die Verneinung haben sie noch Begeisterung — nein, es ist nichts mit dem ganzen Judenthume, seine Zeit ist aus und um. Wir haben Besseres und Wichtigeres zu thun, als unsere Zeit, unsere Kraft und unser Interesse einer verlorenen Sache zu weihen! In der ganzen Bibel finden wir nur Ein Wort, nur Einen Satz, mit dem wir uns in voller Uebereinstimmung fühlen, der uns wahrhaft aus der Seele gesprochen ist : הכל הבלים הכל הבל —.Alles ist Faselei, blauer Dunst, Chimäre!! Seht ihr, meine Leser, das ist die dritte Partei unter den ארבעה מינים ■} es sind die frncht- und duftlosen Bachweiden im heutigen Israel. Da ist gär Nichts, kein Kern und keine Schale. Wir trösten uns damit, dass sic die Minderzahl unter den Parteien bildet, ja, dass die Fahne, die sie aufgepflanzt, mit jedem Tage mehr und mehr Anhänger verliert, IV. ■ - : . Doch wie in unserm Feststrauss, so auch in der Gemeinde Israels, kommen wir jetzt erst zu der edelsten Gattung — es ist der פרי עץ הדר, da wie dort. Denn da ist . beides vereint: edle Frucht und köstlicher Duft, innerer Kern und äussere Schönheit. Ja, hören wir nun auch noch das Bekenntrtiss dieser vierten Partei in dem Israel der Gegenwart. Ihr Bekenntniss lautet wie folgt: Weder der innere Kern allein, noch die äussere Form für sich allein ist für uns das Massgebende, sondern erst Beides in innigster Vereinigung. Wie hat es denn der grosse Bildner und Werkmeister (*אין צור כאלהינו ׳אין צייר כאלהינו) in seiner Natur gemachtV Denn auch die Natur ist eine Bibel, durch deren Mund Gottes Weisheit zu uns spricht. — In der Natur ist überall Beides in höchster Vollendung mit einander vereint: הומר.und צורה, Wesen und Form, Kern und Schale, innere Frucht und äussere Hülle. Bei dem Apfel, der auf dem Baume zeitigt , ist freilich das innere Fleisch die Hauptsache , das , Eigentliehe, was zum Genüsse da ist — חובו אבל קליפת? זרק — und doch hat die Natur den Apfel auch äusserlich mit einer reizenden Schale umgeben. Erzählt doch schon die Schrift von der Frucht, die auf den Bäumen des Paradieses gewachsen, sie wäf 1ifen: למראה וטוב למאכל,Und ebenso ist es in der ganzen Natur. ״Gott sah Alles, was er gemacht hatte in seiner' grossen Schöpfung und fand es sehr gut“ — nämlich gut und schön. Wer nun den Winken, die uns die göttliehe Weisheit durch das Medium der Natur erthCilt, getreulich iiachfölgen will, der muss in Allem, was er wirkt und schafft, ebenso Beides vereinen: Wesen und Form, Frucht und Duft — erst dann schafft Cr Vollendetes. המתפלל בע״ש ואומר ויכולו נעשוק שותף להק״בה במעשה בראשית — Wer von seinem. Wirken und Schaffen "?ויכול" sagen will, der muss es machen, wie es der grosse göttliche Werkmeister in selbem Sehöpfungswerke gemacht hat. Und in der Religion ist es aüch so. Auch da muss es ״goldene Aepfel in silberner Einfassuiig“ geben. Die güten Werke, die frömmen Thaten — die מציווז שבין אדם למקום' ובין ארם לחברו das sind freilich die eigentlichen Früchte, die der Baum. des Judeutlmmes zur Reife bringen will — aber diese FfUChte tnlis-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.