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Ben Chananja · 1866-10-01 · 38 (1.10.1866) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
38 (1.10.1866)
Date
1866-10-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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7 Vergötterer der Form — als wenn Form ohne Wesen, Schale ohne Kern, Duft ohne Frucht wirklich Werth und Bedeutung hätte. Und so stehen beide Parteien als schroffe Gegensätze da. Denn während die Einen in Allem und Jedem nur auf den Innern Kern sehen, ohne die Form einer Berücksichtigung Averth ,zu halten, machen es die Andern gerade im 06gentheil. Sie möchten den. gewaltigen Fruchtbäum des Judenthums am liebsten in ein zierliebes Rosenstöckcheu um wandeln. Um das שתולים בבית kümmern sie sich nicht, sondem einzig und allein nur um das בחצרות אלהינו יסריהו, dass es blühe und dufte in den Vorhöfen des Herrn, damit alle Welt entzückt ausrufe : 0 wie herrlich! Und so rufen die Einen: יפרה בשושנה; unser Judenthum soll blühen und prangen wie eine Rose; die Anderen dagegen sprechen: יך שרשיו בלבנון, wie der uralte Libanon , so fest und . unverändert soll unser Judenthum dastehen! III Aber, mein verehrter Leser, wenn ich schon die Palme und die Myrthe Gegensätze genannt, so findest du da in unserem Feststrauss noch einen weit grossem Gegensatz. Die Palme hat avoI keinen Duft, doch, hat sie Frucht: die Myrthe trägt wol keine Frucht, doch hat sie mindestens würzigen, köstlichen Duft. Jedes steht mithin in einer Beziehung• schätzenswert!! da. Doch da kommt die Bach weide, als dritte im Bunde, und diese hat gar nichts — ערבה אין לח טעם ואין לח ריח. Sie hat nicht die Frucht, wie die Palme, und hat nicht den Duft, wie die Myrthe. Sie hat mithin gar nichts! Und auch in der Naturgeschichte des ge־ gemvärtigen Israels findest du solche Bach־ weiden, denen beides abgeht: die Frucht des Palmenbaumes ebenso, wie der Duft des Myrthenbaumes. Sie sind mithin unter den Parteien die schlimmsten. Die Alten, der sögenannten Orthodoxie Huldigenden kümmern sich nicht, um die Verschönerung der Form,, aber sie halten den alten jüdischen Kern uuerschutterlich fest; für die Neuerer, die sögenannten Fortschrittsfreunde ist wol oft der Kern nur Nebensache, aber sie begeistern ,sich für die Verherrlichung der Form. Bei allen Beiden gibt sich also ein Streben,, eine Begoisterung, eine Energie, ein glühender Willenseifer für die Sache des Judenthums kund. Jede der beiden Parteien sucht nur ihre Begeistemng nach einer andern Seite hin geltend zu machen. Die eine will die Wurzel des Baumes befestigen, die andere will dessen Krone verherrlichen. Doch jene Bach weiden im heutigen Israel — die für Alles Gleichgültigen, dem vollen In d i f f e 1־ e n t i s m u s Huldigenden, diese enlzündet gar nichts mehr; gar nichts, weder der Kern des Judenthums, noch dessen Form vormag in ihnen eine Wärme und Begeisterung an zu regen. Ihnen ist das Jndcnthum wol auch ein Baum, aber — ein abgelebter Baum, ein dürrer, todter Stamm, der zu gar nichts mehr gut ist, keinen Duft und keine Frucht mehr hat. Das Judenthum ist ihnen nur noch eine Mumie, ein künstlich erhaltener Leichnam — ייחנטו הרופאים אח ישראל — aber kein Pulsschlag, kein Athem, kein Leben und keine Lebensfähigkeit ist mehr darin. Ja gewiss, das ist die schlimmste von den Parteien im heutigen Israel. על ערבים בתיבה תלינו בגותקינו An diese Bachweiden hängen wir trauernd unsere Harfen auf! — Denen ist gar nichts recht, nicht das alte und nicht das moderne Judenthum. Denn das alte erscheint ihnen lächerlich. Das neue erscheint ihnen verächtlich. Treten sie in eine alte Synagoge hinein, dann widert sie die ITnordnung, die Disharmonie an, und treten sie in einen modernen Tempel, dann ist es wieder die Ordnung, die Feierlichkeit und die Harmonie, die sie nicht vertragen können — es ist ihnen das Alles Flitter, Tand, theatralisches Schaugepränge. Führt sie einmal der Zufall zu einem alteu, deraschaartigen Vortrage in die Synagoge, dann sind ihnen das lauter talmudisehe Spitzfindigkeiten und Haarspaltereien, dagegen ihr gesunder logischer Sinn sich empört; und kommen sie einmal zu einer modernen Predigt, dann sind ihnen das wieder lauter leere Floskeln, gemachte Begeisterung, erkünstelter Pathos, Worte, die weder aus dem Herzen kommen, noch zu den Herzen dringen, zusammengetragene Redensarten und verdorrte* Redeblumen, haar aller gelehrten Momente}

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