Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 38 (1.10.1866)
- Date
- 1866-10-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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709 710 festliche Gelegenheiten eins eigene gleichmäßige Kleidung hätten?" So manchem Leser dürfte bei dieser Frage ein spöttisch es Lächeln um den Mund spielen, indem es Weint, daß es sich hier eigentlich um eine sogenannte Sonderstellung, ober gar eitle Ziererei handle. Gegen eine solche etwaige Unterstellung glaube ich in meinem Namensowol, als auch im Namen aller meiner gleichdenkenden Amtsgenossen Protest einlegen zu dürfen, und will die Begründung meiner eben gestellten Anregung in Folgendem zusammenfaffen. Jeder wird es gerne zngeben, daß die materielle Stellung eines Lehrers bei einem Gehalte von 350 fl. bis höchstens 500 fl., wie er an öffentlichen Schulen geboten wird, höchstens zur Deckung der leiblichen Bedürfnisse hinreicht, ohne daß eö ihm, der am frühesten das höchste Gut des Leibes, die Gesundheit aufopfert, gegönnt wäre, für die Zeit seines Siechthumes einen Nothpfenning wegzulegen. Andererseits wird vom Lehrer im gesellschaftlichen Umgänge, wenn er in bessern Häusern und Kreisen Zutritt haben und nicht über die Schulter angesehen werden will, doch indirekt gefordert, gleichen Schritt mit der Mode zu halten, denn ״Kleider machen Leute". Dieses Sprichwort ist nur zu stark zur Geltung gekommen. Welche materielle Opfer jedoch die Mode erheischt, ist nur allzubekannt. Durch die gleichmäßige, nicht wechselnde Lehrerkleidung würden diese Opfer für den Lehrer entfallen und sich ihm ein Ersparniß von mindestens jährlichen 50 fl. ergeben, was für den Lehrer auf dem Lande ein respektables Sümmchen ist. Ein anderer Grund mehr moralischer als materieller Nalur wäre der, daß der Lehrer dann auch an (äußerem) Ansehen sowol in als auch außerhalb der Schule gewinnen würde. Dem etwaigen Einwurfe, die Autorität öeS Lehrers könne durch seinen ordentlichen Charakter und durch sein persönliches Wissen, also durch rein -moralische Mittel aufrecht erhalten werden, stelle ich entgegen, daß dies wol dem Gebildeten gegenüber der. Fall sei, beim Pöbel jedoch.sich das Wort bewahre: Der Mensch sieht auf den Schein! Den Pöbel muß ein äußeres Zeichen an׳ Respekt mahnen. Uebrigeus ist es auch möglich, daß .diese in Worten niedergelegte Anschauung -- sie ist rein individueller Natur — unrichtig sei; dann ist der Schreiber dieses, wenn wahre uud gewichtige Gründe das Gegentheil beweisen, gerne: bereit, seine Motion zurückzuziehen. M. Pest, 27. September. Die Lehrerversammlnng, welche verschoben werden sollte, ist denn doch abgehalten. Näheres wird Ihnen wol von dem leitenden Ausschüsse mitgetheilt werden. . WolMMgkeit und Woylthätigkeitsanstalten. M. Pest, 25. September. Die Verdienste, welche sich Dr. Rozsav um das Sanitätswesen unserer durch die Cholera in hohem Grade heimgesuchten Stadt erwirbt, verdienen rühmlichst hervorgehoben zu werden. Er leitet das für Eholernkranke eingerichtete und vom Stadkmagistrate ihm anvertraute Spital mit einer Energie und Umsicht, welche allgemeine Anerkennung finden. Um dem weitern Umsichgreifen der- Seuche nach Möglichkeit zu begegnen, hat Dr. Rozsay eine verstärkte KommissiouSsitzung einberufen, welche unter seiner Führung verschiedene heilsame Beschlüsse faßte. Die isr. SpitalskomMission, deren Präses gleichfalls Dr. Rozsay ist, designirte die Dyktoren Glück und Ba ner zu Choleraärzten , ersteren für die Franzstadt, letzteren für die Josefstavt. Beide Aerzte sind ermächtigt, für arme Kranke die Medikamente auf Rechnung der Gemeinde aus jeder beliebigen Apotheke zu verschreiben. Literatur. Szcgedin, 20. September. Rabbiner Dr. Joöl in Breslau hat zwei Vorträge herausgegeben, welche er am Bettage und am SiegeS-Dankfeste gehalten hat. Beide Vorträge zeichnen sich durch eine edle Popularität auS, welche alle Effekthascherei verschmäht. Dieselben sind in der Schletter'schen Buchhandlung (H. Skutsch) in BreSlaü erschienen. Szegedin, 16. September. Der Titel: ״Aufmunterungen", unter welchem Herr Rabb. Dr. S. H. Sanneschein in Warasdin seine am Sabb. Nachamu grhaltene Predigt heransgab, ist vielleicht nicht glücklich gewählt; mindestens verspricht derselbe viel weniger, als die treffliche Predigt wirklich bietet. Der sehr begabte Pedner bespricht das ״Verständniß der religiösen Satzungen und Bräuche und die Erleichterung", welche er in Betreff der Uebung derselben für zulässig hält. Seine Ansichten sind sehr gemäßigt; es gehört aber'heutzutage doch ein gewisser Müth dazu, diese Sprache zu führen, da die ungarischen Gemeinden an den Phrasen der Frömmelei so viel Wohlgefallen finden, und die jüngeren Rabbinen kaum einen andern Welteifer kennen, als den, dem Geschmacks der Gemeinden in dieser Richtung Genüge zu leisten. Herr Dr. Sonneschein gehört zu den edlen Ausnahmen, an denen es Gottlob auch nicht fehlt. Die Zeit ist wol nicht fern , wö den jüngeren Theologen von Charakter und zureichender Bildung die Anerkennung zu Theil werden wird) die ihnen gebührt. -־־ M. Pest, 25. September. Von dem lvackeren Lehrer Heinrich Rosenberg erscheint in Bälde ein für den Schulgebrauch eingerichtetes ungarisches Gebetbuch. Den Werth des Buches werden ungarische Gesänge erhähen, in Musik gesetzt von Oberkantor Friedman». Griefe aus der Lomogy. (Fortsetzung?) / h■ All der Spitze steht der vielseitig gebildete Kaufmauil B c ctt h a kd L v w e n s o h n (geboren .1795, gest. 1849) in Lengyel-Tüti, -er Negeneratvr der Somogy, glorisizirt in Reichs- Ehrentempel verdienter ungarischer, Israeliten, 3, Heft. Der gelehrte, auch in taliliudisch-wissenschaftlicher Literätnr stark belesene Arzt, D r. Mo riz Kremsir, geboren 1802, gest. 1862 in Nsmetlak, seinem Geburtsorte. Der talmudisch-gebildctc, durch und durch tolerante Kaufmann und Ockonvm Ma th i as L ö w e n tri tt, geboren 1775, gest. 1865 in Köröschhegy, seinem Geburtsorte; an seinem Grabe hielt nach dem Rabbiner ans der Prestbnrger Schule der ewallgelische Ortöpastor eine ungarische Denkrede. Der seit mehr als' 30 Jahren wirksame verdienstliche Sekretär der Pestex ist. Kultnsgenieiudc, der eigentliche Schöpfer eines geordneten jüdischen-Archivs in Ungarn, Ignatz SBant a y, früher Braun, gebürtig in Taponür. Von den gebildeten Kaitf - leuten, verdient um ihre Geburtsorte und Gemeinden , nenne ich S a l am o n M a y e r h o f e r in Esnrgo, Elias M ü u f in Atüd , I a k o b Käufer in Kapofchwär, Salamon Fried in Szigetwär, sämnitlich gegen 1810 geboren: auch eine kleine Theologengruppc habe-ich vorznführeu, die um ihre Gemeinden sehr verdienten. Abraham Ne uh ans Bezirkörabbiner in Tapolza, geboren 1814 in Lengyel-Tüti; (Siii'anijicl Maisliö, Bezirksmbbincr in Szigetwär, geh. 1818 das. Molfgang S P i tz, Bez. Rabbiner in Adänd, geb. 1842 jn!Labb sinä würdige Söhne der Somogy. Nicht ohne wesentlichen Einfluß'auf tzie.Hvklksatiotr ihrer GlanbeisSbrüder waren in der Svinogy zwei Ehrennlänner ans Mähreu und Böhmen. Zur Zeit Josef II. lebte in üreglak E m an net P « rzawa. angeblich der Sohn des Rabbiners Abrahai» Parzawa in Geding. In seiner Jngend ein feines Bacherl in Präg, hier geehrter Negaliestpächtör, Es gab damals eine Parforee-Gcrnlanisation in Ungarn, Pärzach^'ibestiühte sich trotzdem das ungarische Idiom sich eigen zn machen. War schon Dentschwissen zu jener. Zeit eine Erscheinnng unter den Inden in Uilgaxn, nnd wer von den. Aeltern emunert sich nicht an den kunstschöncn Ausdruck Galchesch, so mußte unser Mähre , her im Besitz beider Idiome war, noch mehr auffallend. So kam es, daß Parzawa im Komitate kn großer Ehre stand; ‘ ״) Si die vorige Nummer.