Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 38 (1.10.1866)
- Date
- 1866-10-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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705 den hätten. Wir nahmen nämlich Anstand, daß die Synagogen-Vorstehung nur den halben Psalmvers: ״Hier ist die׳ Pforte zum Ewigen" auf das neue Portal setzte, und es nicht wagte, auch den Nachsatz: ״Rechtschaffene gehen da hinein" beizufügen. Wir finden unS heute berechtigt, unsere Rüge umsomehr zu wiederholen, als die Diebe, die vor einigen Tagen unser Matan-Besseter leerten ohnehin nicht durchs die Thüre, sondern wolweislich durch das Fenstergitter stiegen. — Daß aber unser Synagogenbesuch ein frequenter ist, beweiset, daß für einen der besseen Sitze 40—50 fl. jährliche Miethe gern bewilligt wird, und daß ferner in den jüngsten Tagen für ein Paar im Wege der öffentlichen Versteigerung verkaufter Sitze baare 1216 fl. ö. W. erreicht wurden. Handelte es sich da etwa um ein?retiuln affectionis? Hat sich der Wohlstand gehoben? oder ist die Gemeinde gar so zahlreich geworden? das Alles nicht! sondern eine kleine Persönlichkeit ist es, die unbeschadet des religiösen Sinnes und geläuterten Geschmackes unserer Gemeiudemitglieder die Sitze in die Höhe schraubt: Oberkantor Kartschmaroff! — Wir hätten hier Anlaß, gar Vieles über den Vortrag dieses Männleins zu erzählen, wenn wir einerseits nicht fürchteten, er könnte unseren Bericht zu Gesicht bekommen; andererseits fürchten wir auch, die moderne AnnerionStust ver Wiener oder ' Pester Gemeinde zu wecken. Eins wollen wir jedoch bekennen : hätten unsere Gesetzesausleger je unfern K. gehört, sie hätten vielleicht die Enthaltung von allen Genüssen am Versöhnungstage auch auf die Vorträge unseres K. ausgedehnt. — Am Vorabende des Neujahrsfestes , zugleich Sterbetag der hochverdienten Frau Judith Montefiore, sahen wir wie alljährlich in frommer Erinnerung an dieselbe, das von dem Frauenvereine neugekleidete Kontingent armer Schulmädchen , welche die Frauen Nanette Nose.nfeld und Julie Löwinger mit Fußbekleidung versehen. Möge dieser edle Sinn nie erkalten! Ein heftiges Gewitter/> das beim Schluß der Abendandacht sich niederließ, erregte in der Damenwelt große Besorgniß. Wären die Regenschlossen etwas später und die Kohanim bei der Mußafandacht etwas früher'gekommen, wir hätten von der Ruhe und Ordnung viel Rühmliches zu erzählen gehabt. — Ohne Sauitätsrücksicht auf unsere Gottlob cholerafreie Stadt ließen wir nach herkömmlicher Weise an beiden Festtagen nach dem Morgengebete eine Pause von einer Stunde eiutreten, um die schädlichen Einflüsse der Ausdünstung zu schwächen, und — den Magen zu stärken. — Die Festreden unseres verehrten Herrn Rabbiners Fasse! waren reich an Gehalt, gesunder Logik und Moral, die Gleichnisse treffend und dem Terre Sprüche 31, 21—23 entsprechend.׳ — Auch unsere Wohlthätigkeitsanstalten erfreuten sich einer reichlichen Ernte; es wurden sogar noch nicht ins Leben gerufenen Instituten von den Herren Gutmann und Lackenbacher reichliche Spenden zugesagt. — Gegen die Pester Klagen in diesem geschätzten Blatte Nr. 36 sind wir stolz, der Pester Synagogenordnung zuvor zu sein, indem bei uns längst schon langgestreckte Teppiche den Fußboden der Synagoge bedecken. Aber trotz aller ״Laufteppiche" ist das frühzeitige ״Fortlaufen" aus der Synagoge unerträglich. — Auch in unserer Filial-׳ Synagoge, die bis letzter Zeit als Militärspital gedient, und wo Herr Rabbinats-Asseffor Lichtschein rühmlich fungirte, ging es ganz artig und sicherlich gottgefälliger, als nach Vorschriften des Nagy-Mihalyer Concils zu, und ohne weitere Bemerkung über dieses Concil schließe ich mit Calo: OartkaZmam 6886 delendam! Iss. Uagy-Körös, 16. September. Heute haben wir die sterblichen Ueberreste eines GlaubensbruderS zu Grabegetragen, der in einem hiesigen Weingarten getödtet gefunden wurde. Derselbe nannte sich Friedmann und stammte aus Debreczin, oder ans der dortigen Gegend. Ein hiesiger 706- Bauer ist wegen des auf ihn lastenden Mordverdachtes bereits gefänglich eingezögen'chörden, Lregedill, im Sept. Dem Verdienste seine Krone! Bei demUmstande, daß es wegen der allenthalben herrschenden Epi-/ demie für höchst nothwendig befunden wurde, den Gottesdienst während der laufenden!;. Feste abzukürzen, können wir nicht umhin, den betreffenden Herren KultuSbeamten für den emwickelten Eifer und die entfaltete Umsicht unsere volle Auerkennung auszusprechen, mit welcher sie diese vorgeschriebenen : Vorsichtsmaßregeln in Ausführung brachten. Ein erfreuliches Zeichen der brüderlichen Einigkeit unserer Gemeinde, die wahrlich manchen hervorragenden Gemeinden unseres Vaterlandes. zum Muster dienen dürfte! — Bei dieser so noch-.' wendig gewordenen Veränderung hatte unstreitig unser so schnell beliebt gewordener Oberkantor, Herr Eduard Kartschmaroff, die schwierigste Aufgabe zu erfüllen; denn.abgesehenL davon, daß das früher bestandene Quartett nach allen Welt-' richtungen zerstoben und für den Choralgesang eine wahre Reorganisation nothwendig geworden ist, war dem von den unentbehrlichsten Gesangssubsioien verlassenen Herrn Ober- - kantor zur Entwicklung seiner Kunst, die Zeit so karg zugemessen, daß wir wahrlich mit Bangen dem Erfolge entgegensahen. Aber Herr Kartschmaroff hat dieses Problem meister- Haft, über alles Lob erhaben, gelöst. Alle voraugeführten Hindernisse bewältigend, hat er durch seinen herzergreifenden Vortrag und die meisterhafte Präzision der Choralgesänge die versammelte Gemeinde hingeriffeu und die heiligste Andacht wehte durch die weiten Räume des Gotteshauses. Der Allmächtige wolle jede Gefahr von uns abwenden und den Frieden und die Eintracht und Alle, die dazu beitragen, für die Dauer erhalten! , * , ׳ ' H. K. im Namen mehrerer Gemeindemitglieder. ׳ .1. Tcmesvar, 20. September. Ein höchst bcklagensworther Vorfall hat sich gestern am Versöhnnngstage hier im israelitischen Gotteshaasc zu- - getragen, mtb da cs leicht möglich ist, daß Ihnen die Thatsache entstell t znkömmt, so erlaube ich mir, Ihnen der Wahrheit getreu die Sache mitzntheilcn. - . :; . ' :; Der Herr Oberrabbiner Dr. Hirschfeld, der bemüht ist, entsprechend ' dem schönen Gotteshanse,' auch einen schönen und geregelten-Gottesdienst einzllführen und dein allein es obliegt, die ritualen Funktionen zn bestiminen, stieß leider bei bem Kantor wiederholt ans Hindernisse. Dasselbe war auch gestern der Fall, und als er vom Nabbiner ans die Einhaltung der ' Ordnung aufmerksam gemacht wurde, entgegnete derselbe dem Herrn'Nabbiner in einer äußerst derben, anmaßenden und beleidigenden Weise' Die gröbliche Verletzung, die er sich dadurch gegen die Würde des Rabbiners, der Heiligkeit des Tages und. der geweihten Stätte zu Schulden kommen ließ, veranlaßten den Rabbiner, dem Vorstande zn eröffnen, daß ein anderer Vorbeter für Mußaf erforderlich sei. Nach Beendigung^ der Seelenfeier, welche in vollster erhebender Andacht, wie üblich, vom Nabbiner abgehalten wurde, verließ der Rabbiner den Tempel , um sich in das angrenzende Gotteshaus der Sefardim zu begeben. Die-Abwesenheit des Rabbi- ׳ nerö gab einigen Unberufenen Gelegenheit, durch taute Rufe der Anordnung der Vorstehnng störend entgegenzntreten. Als der Rabbiner durch den Vorstand hiervon benachrichtigt wurde, eilte derselbe zurück in das Gotteshaus und richtete an die Gemeinde eine ans die Heiligkeit des Tages ltnd des Ortes hinweisende, die Gemüther beruhigende Ansprache - und schloß mit dem Priestcrscgen. Die feierliche Ruhe'war hergestellt, und der Gottesdienst Zging weiter ohne Störung vor sich. Befriedigend für unsere achtbare Gemeinde ist der Umstand, daß die Unterbrechung der Ordnung nur von solchen Leuten anSgegangen ist, die weder in nwralischer, noch in sozialer Beziehung auf Ansehen in der Gemeinde Anspruch machen können. - -r- Alt-Becse, 23. September.' Die hiesige, zwar nur aus 80 Mitgliederu bestehende, aber dem Fortschritte huldigende Gemeinde sah sich durch die steigenden Preise der LebenSmittel veranlaßt, die Gehalte mehrerer KultuSbeamten,