Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 38 (1.10.1866)
- Date
- 1866-10-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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704 703 del Pests und so ganz Ungarns. Auch die dem Handel so unentbehrlichen Assecuranzen befinden sich zum größten Theil unter׳ jüdischer Leitung. So nennen wir vor allen den ver- ,dienstvollen Direktor der ersten ungarischen allgemeinen Assekuranzgesellschaft Heinrich L6vai (s. vorige Korrespondenz), dann die Herren Ellenberger (Assicurazioni), Konn (Riunioae) Wilhelm 'Schön (Phönix), Ehrenzweig.(Anker), Mor. Wahrmann (Hungaria), Brüder Altmann (Gresham), Pontzen (Tanrtts). Eine geachtete Stelle nimmt auch unter den hiesigen Industriellen Karl Louis Posner, Besitzer der ersten Bücherrastrir- und Einbandfabrik, ein, dessen Fabrikat nicht nur im In-, sondern auch im Auslände cheite Verbreitung gefunden. PoSuer wurde erst vor Kurzem durch Verleihung des Nitterkrstlzes des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. — Selbst in- Veit Reihen der Handwerker, die der mittelalterliche Zunftgeist uusereu Glaubensgenossen so lange unzulänglich gemacht, finden wir Juden in erster Reihe; so z. B. den Kunstschlosser Leopold Feiwel, der seine jetzige schöne bürgerliche Stellung dem Vereine zur Beförderung des Ackerbaues und Handwerker verdankt; ferner den Faßbindermeister Klauber (gleichfalls ein Zögling obigen Vereins), der sich von einem Lehrjuugen zum Ersten seines Gewerbes''emporgearbeitet. In unserem Nächsten wollen wir einen Blick auf die wissenschaftlichen und künstlerischen Kreise unserer Hauptstadt werfen und prüfen, wie viel Terrain die bis vor Kurzem noch ausschließlich auf daS Gebiet des Handels verwiesen gewesenen Juden sich auch hier zu erwerben gewußt. 8. 8K. Prag, Mitte September. ״Wenn sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden, löscht man die Feuer aus"; der Krieg, der dem verheerenden Föhne gleich über uns hereinbrach, vermochte die Feuer des Judenhasses, die kurz vor Ausbruch des Krieges in unserem Lande so hell emporloderten und die bereits glutig und blutig zu leuchten begannen, auf kurze Zeit zu löschen; und nun der Föhn vorüber, da glimmen und stimmen sie wieder auf diese Feuer, da prasseln sie wieder lodernd empor diese Flammen des Judenhasses, nur ist es diesmal nicht Schüttenhofen und Umgebung, sondern das Herz des Landes, Prag und Vorstadt Karolinenthal, wo sie angefacht und angeschürt werden. Seit mehreren Tagen sind nämlich ln Prag und benannter Vorstadt Erzesse und Plünderungen an der Tagesordnung, die am 17. d. M. erschreckende Dimensionen annahmen. An diesem Tage versammelte sich eine Anzahl Menschen aus den untersten Volksschichten vor dem Bahnhofe, plünderte ungehindert die mit preußischen Verpflegsartikeln beladenen Wagen, welche die Käufer in die Magaziye führen lassen wollten, mit furchtbarem Gebrülle und Gejohle wurden die Säcke ihres In- Haltes entleert, was man nicht fortschleppen konnte wurde ans dem Boden umhergestreut und vernichtet; Nachmittags erneuerten sich diese Vorgänge in Karolinenthal, nur nahmen sie insoferne einen andern Charakter an, als die eben durch das Karolinenthaler Thor passirenden Juden aufgehalten, an den Kleidern hin- und hergezerrt und auf jede mögliche Weise mißhandelt wurden. Bald ließen sich vereinzelte Rufe, werft die Juden ins Wasser, nieder mit ihnen rc. vernehmen, die bald in furchtbar vervielfältigtem Echo durch die Luft erhallten. Vergebens waren alle freundlichen Zureden, sie wurden mit Spott und Hohn beantwortet; eine preußische Wache, welche herbeigerufen wurde, empfing der Pöbel mit Steinwürfen; erst um 7 Uhr Abends ließ sich der Karolinenthaler Bürgermeister und der Polizeidirektor am Platze sehen — ein heftiger Regen machte den Vorgängen ein Ende, der Pöbel verlief sich unter Schreien und Lärmen und den unausgesetzten Drohungen, die Juden zu tödten und zu plündern; daß wir nach solchen Vorgängen mit Zagen׳ den nächsten Tagen entgegenseheu, können Sie leicht ermessen und wäre es wünschenswerth, daß angesichts solcher Ereignisse, wo Leben und Eigenthum eines jeden Bürgers gefährdet ist, alles mögliche aufgeboteu werde, diesem Treiben Einhalt zu thun. F. Pest, 23. September. In der heutigen Nummer des Protest-, Kirchen- und Schnlblattes erwähnt Sigmund Csuthy, die Gewissensfreiheit besprechend, das Zeugniß des Jesuiten Mariana, nach welchem die Vertreibung der Juden aus Spanien unter Ferdinand dem Katholischen die Verarmung dieses Landes herbeigeführt hat. Mit Unrecht spricht er aber von der Blindheit, in welcher die jüdischen Oberpriester, das Volk zu erhalten trachteten. Davon weiß die Geschichte nichts. Kultus und Knltusgemeinde. 8. Wittt, im September. Wen» Sie die Raisonnements der politischen Journale über das Rundschreiben Lavalettes gelesen haben, so werden Sie mir gewiß beistimmen, daß die pilpulistische Methode auch auf dem Gebiete der Publizistik ihre Freunde und Anhänger hat. Allein trotz alles Scharfsinnes, Ver auf die Analyse der kaiserlichen Gedanken und Studien verwendet wurde, ist doch über manchem Punkte das צריך עיון schwebend geblieben. So ist cs selbst den ausführlichsteu Leitartikeln kaum gelungen,. bas Schweigen des Kaisers Napoleon über die orientalische Frage auf eine befriedigende Weise zu erklären. Dagegen fiel es Niemanden ein, Motive zu suchen, weshalb der Kaiser der Franzosen die Judenfrage unerwähnt läßt. Denn in Frankreich, über- Haupt im Westen Europas, gibt es keine Judenfrage, und dort, wo die Frage noch zw lösen ist, gehört sie zu den inneren Angelegenheiten der betreffenden Staken. Alles dies hat aber den Redakteur des orthodoxen Blattes in Szikßo nicht verhindert, seinen Lesern das Mährchen aufzubindeu, der Kaiser Napoleon, der Beschützer der Nationalitäten, habe den hervorragendsten Pariser Juden erklär!-, er wolle Palästina für die Juden erobern, und er erwarte von ihnen den Plan, nach welchem sie in den Besitz des h. Landes kommen wollen!! Der Redakteur dieses Blattes kennet sein Publikum. Das alberne Mährchen hat sogar in Jerusalem Glauben ge-- funden, und der orthodore Redakteur des in Paris erscheinenden ״Libanon" bemüht sich allen Ernstes, dassesbe zu widerlegen! Man weiß nicht, worüber man sich wundern soll! ob über die Schlauheit des Heiligen zu Szikßo, oder über die Dummheit seiner Leser. Temesvae, 20. September. Bei dem gestrigen Gottesdienste hat sich zwischen dem Rabbiner und dem Kantor der Gemeinde bezüglich der Reihenfolge einer ritualen Funktion eine Meinungsverschiedenheit ergeben, welche leider größere, auch die anwesenden Andächtigen in Mileidenschaft zieheude Dimensionen annahm, in Folge dessen auch eine vorübergehende Unterbrechung des Gottesdienstes eingetreten ist. Wir theilen dies, ohne uns in irgend welche Details einzulassen, ganz -objektiv mit, da die geschäftige Fama nicht versäumt hat, diesen mißliebigen Vorfall mit Zuthaten weiter zu verbreiten, welche den eigentlichen und wahren Sachverhalt weit hinter sich lassen. Da die hiesige Gemeinde sich stets durch ihre Friedensliebe ausgezeichnet hat, werden die bedauerlichen Auftritte keine weiteren schädlichen Folgen nach sich ziehen. M. GriillN, im September. In Rücksicht auf die Sanitätsverhältnisse ist die Zeit des Gottesdienstes in der hiesigen Synagoge, wie nicht minder in Nikolsburg und Boskowitz, an den h. Festen abgekürzt worden. In den hiesigen orthodoxen Betlokaleu folgte man diesem Beispiels nicht und zwar mit Recht: שומר פתאים ה׳! Grost-KlMizsa, 12. September. Was gibt's Neues in Groß-Kanizsa? Unter dieser Rubrik riefen wir im vorigen Jahre um diese Zeit Repliken hervor, die wir gern vermie-