Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 37 (17.9.1866)
- Date
- 1866-09-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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677 678 oen, daß der ״Luach" sein vielversprechendes Programm noch weit über« treffen wird. 8. Post, 5. September. Der wackere Lehrer Reich beabsichtigt unter dem Titel ״יגיע כף״ ein mit einem Kalender verbundenes Jahrbuch zur Beförderung des Ackerbaues, der Industrie und des Handwerkes unter den Israeliten Ungarns hcrauözngeben. Er denkt, damit der jüdischen Arbeit Aufmnntcrllng mtb Würdigung, mit einem Worte ein Organ zu schaffen. Den Inhalt würden bilden: Aufsätze über Ackerbau, Industrie und Handwerk; Novellen und Gedichte ähnlichen Inhalts; Statuten dicöfälliger Vereine; Ehrcnhalle für jüdische Landwirthe, Handwerker und Industrielle; endlich sollten auch für die in die genannten Fächer einschlägigen Arbeiten Preise ausgeschrieben werden. Reich wandte sich wegen Durchführung seines Planes an den hiesigen isr. Handwcrkerverein; derselbe ermächtigte den Direktor M. A. Weiß, sich mit Hrn. R. ins Einvernehnlen zu setzen und wird in einer nächsten Ansschnßsitzung der endgiltige Beschluß hierüber gefaßt werden. Reich wandte sich auch an Alber^ Cohn in Paris und an mehrere namhafte Gelehrte des Vaterlandes. Es läßt sich vorausketzc», daß der Plan, wenn er durchgcführt wird, sich die Theilnahme der ungarischen Juden in hohem Grade erwerben wird. 8. Paris, 2. September. Blums jährlich erscheinender K a l e nv e r macht Heuer zum ersten Male den Versuch, sich zur Höhe eines Jahrbuches zu erheben. Der Versuch ist nur schwach, aber fürs erste Jahr genügcnd. LevyS Arbeiten: ״Leon Hartock" und ״Maimonide" zeichnen sich insbesondere durch ihren eleganten Styl ans. Die mannigfachen statistischen Angaben des Kalenders sind wol vorzüglich nur von lokalem Werth, werden aber auch von auswärtigen Abnehmern des Kalenders mit nicht gcringcnl Interesse gelesen werden. Griefe aus -er Somogy. (Fortsetzung?') K. Nachdem ich in meinem vorigen Briefe die Reihenfolge der Somoghcr KomitatSrabbinen anfgezählt habe, ist cs meine Pflicht, auch des gesegneten Andenkens zu erwähnen, das denselben bis auf den heutigen Tag bewahrt blieb. In besonders frischer Erinncrnng steht N. Tobias K o h n. Die Mnnisizenz desselben ist, wie die seines Zeitgenossen Löw Königsberg in Steinamanger, sprichwörtlich geworden. Er selbst hatte keine Kinder, erzog aber 24 Waisen fast ganz ans seine Kosten und verheiratete sie alle ans eigenen Mitteln. Seine Wohlthätigkeit kannte keine Grenzen; daher kam es, daß er trotz seines damals nicht nnbedentenden Gehaltes von 600 fl. und der beträchtlichen Ncbencinküufte, als ganz armer Mann starb. Auch die früheren KomitatSrabbinen »raren in hohem Grade wohlthätig nnd ist es gewiß dem edlen Beispiele derselben zn danken, daß sich die Somoghcr Inden noch heute durch ihre Gastfreundschaft, Mildthätigkeit nnd Opfer- Willigkeit anSzeichncn. Was von den Koinitatsrabbiuen besonders zn registriren ist, ist, daß ne wol der Orthodoric huldigten, aber Männer von Charakter und insbcsondere keine Fanatiker waren. Ihr Einfluß >var vorzüglich in dieser Bcziehnng so segensreich, daß sich die echte Frömmigkeit in der Soniogh bis auf den heutigen Tag erhielt nild daß Heuchelei , Fanatiömns nnd Hyperorthodorie nicht den mindesten Boden daselbst haben. Dies bewog wol den Rabbi I v ch a n a n Spitz, der in den dreißiger Jahren nach Tabb kam nnd dort mit seiner bis zn den berüchtigten Skrupulositäten gediehenen Orthodorie glänzen wollte , aber nicht renssirte, das! er einen andern, nm offen zn sprechen, vernünftigcru Weg einschlng. Heute ist derselbe einer der geachtetesten Nabbinen der Somogy. Dem von den Komitatörabbinen aiigebahnten Geiste ist cs zu versanken, daß der Fortschritt sich allmälig in der Somogh einbürgern und seine edlen Früchte bringen konnte. Er fand eifrige Anhänger nnd die So, mogh weist Männer ans, die es verdienen, daß ihr Name verewigt werde. (F v r t s e tz n n g f o l g t.) *) S. die vorige Nummer. Literärische Änzeigen. Kleinen!! grammaticali del caldeo biblico e del dialetto talmndico babiloncse di Samuel Davide Luzzatto da Trieste, Professore nell׳ Istituto Rabbinico di Padova Socio dell’ J. R. Accademia di Padova. Padova 00' tipi di A. Bianchi. 1865. 8. 106• (Schluß. ד Im Jahre 1836 vindizirte Luzzatto der aramäischen Sprache ein höheres Alter, als der hebräischen (Prolegomena); Fürst'S Lehrgebäude der aramäischen Idiome, welches ein Jahr früher erschien, war ihm noch nicht bekannt geworden. In jüdischen Kreisen wirkt Blüchers 1838 erschienene Grammatik der aramäischen Sprache anregender, als Fürst'S Lehrgebäude. Viele Freunde erwarb indcß auch sie sich nicht unter den Hebraisten. In den hebräischen Zeitschriften und Jahrbüchern begegnet man daher selten einer Forschung oder Bemerkung auf diesenr Gebiete. Selbst die Targnmim, welche früher manchen Glossatoren gefunden hatten, wurden nur selten berückfichhgt, bis sie in Jeitclcs, Luzzatto, Lcvy, Wiener, Frankel nnd Gelger Annehmer fanden. Denjenigen ttutt, die sich mit diese!! Stitdicu längere Zeit bcschästigen, bietet der erste Theil des vorliegenden Merkchens wenig Neues. Aber auch ihnen wird der zweite Theil höchst willkommen fein, da die Sprache der babylonischen Gemara bisher von granunatischem Gesichtspunkte nur wenig beachtet wurde, und M. I. Landan's Versuch in ״Geist und Sprache der Hebräer" (1822) sehr viel zn wünschen übrig läßt. Erschöpfcnd ist nun allerdings auch der vorliegende grammatische Entwurf nicht: er enthält aber des Belehrenden nnd Anregenden so viel, daß wir denselben den Jüngern des Talmuds sehr angelegentlich empfehlen, nnd dürfte eine Uebersctznng weite Verbreitung finden. Die Jünger der kouzessionirten Talmudschnlen in Ungarn nnd ihre Professoren werden daraus lernen, daß תיקל keine Abbreviatur ist, sondern so viel heißt, als תקום, cs stehe, bleibe unentschieden. Sprachkennern ist dies zwar längst bekannt, aber an den ungarischen Jefchibotö >vird es wol' einen Kampf kosten, bis man den alten Jrrthum anfgibt, da die Herren Rektoren fürchten werden, dadurch die mündliche Neberlieferung zn kompromittireu. Freunden wissenschaftlich talmndischer Forschung empfehlen wir besonders die Kapitel von den Adverbien und Propositionen, deren Etimologie manche Dunkelheit bietet. Das schwierigc אדרבה soll nach S. 87 auf על ררכא znrückgcfnhrt werden: ״wegen etivas Größerem" behaupte ich das Gegentheil. בהריא wird von <h0i• abgeleitet (S. 89), nnd אם ו soll ans אל טוענא entstanden sein. (S. 96). Diese und ähnliche Etimologieen lverden wol noch einer wiederholten Prüfllng zn unterziehen sein. I.n alle Kenner und Gönner der jüdischen Literatur. Aus dem reichen Gebiete der Schrift-Eregeke hat bekanntlich kein Kommentar einer solch großen Beachtung sich zu erfreuen gehabt, als der älteste unter den gedruckten Kommentaren, als Rasch! zum Pentateuch. Der Eifer, mit welchem man sich diesen! Kommentare znwandte, hat aber auch demselben fast ganz seine Ursprünglichkeit geuomme,!; so groß ist die Menge dessen, was während der sieben Jahrhunderte seiner Cristeuz in ihn hineingetragen und ans ihm weggenommen wurde. Abschreiber und Erklärer, Drucker nnd Zensoren, Lehrende und Lernende, sie Alle haben hiefür ihre Beiträge geliefert. Die Nothwendigkeit einer kritischen Oka sch i-Ausgabe ist daher von allen Seiten nnd zn allen Zeiten erkannt worden. In nnserer Zeit war es vor Allen Znnz, der in der Biographie Raschi'S auf ״eine solche große Arbeit" hinwics. Seine Worte (das. S. 349) waren, es, welche den Wunsch in mir reiften, an diese Arbeit zn gehen. Seit fünf Jahren damit unablässig beschäftigt, ist es mir gelungen, zun! Theil durch die Vermittlnng der Statsbehördcn, znm Theil durch die Unterstützung gelehrter Freunde einen kritischen Apparat herzustellcn, bestehend in a) 10 Handschriften des 13.—15. Jahrhunderts, den öffentlichen Bibliotheken zn Leyden, München, Hamburg, Petersbarg nnd der Seminar- Bibliothek ztt Breslau angehorend; *) S. die vorige Nnnnner.