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Ben Chananja · 1866-09-17 · 37 (17.9.1866) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
37 (17.9.1866)
Date
1866-09-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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675 676 Einweihung der neuen Synagoge mit der alten thränenreichen Geschichte des Mischen Volkes in den Herzen der Zuhörer lebendig werden und die Anknüpfung an die glaubensstarken Lieder des Psalmisten, an die Eraltaklonen der alten Profctcn war gefunden. . In gleicher Weise knüpfte dann der neitc Prediger der Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Aub, an den Bau der zwei alten jüdischen Tempel in Palästina an und hielt die mit vielen herzlichen und historischen Beziehungen durchzogene Festrede. Durch seine Worte klang zur Einweihung des neuen Gotteshauses der Geist humaner, dem neuen Zeitalter entsprechender Duldung, der Geist, von dem er wünschte, daß er fortan in diesen Räumen fort und fort in der glanbcusstarken und doch milden und liebreichen ErhcbitUK der Gemcindcgliedcr walten möge, bannt auch dieser neue Tempel die echte Jakobs-Himmelsleiter sei, auf der die Gebete der Gläubigen als Engel hinaufflcigen, auf der die Erfüllung dieser Gebete als segnende Engelfchaar hcrniedcrschwcben möge. — An die Predigt schloß sich dann das liturgische Wcihcgebct, eine Fortführung des Gesanges, das Minchagcbet und der hinreißende Lobgesang des 160. Psalms an. Die Akustik des Gebäudes schien uns, was den'musikalischen Thcil der Feier anbetrifft, auf allen Punkten eine vortreffliche zu sein, dagegen soll man den Prediger weiter ab schwer verstanden haben, im vorderen Thcilc der Synagoge, auch in den beiden Seitenhallen war der Redner sehr gut verständlich. Berlin, 9. Septcnibcr. Am Mittwoch, 5. d. M., fand die feierliche Einweihung desjenigen israelitische n Gotteshauses statt, zu welchem schon im Jahre 1869 in der Oranienburger Straße der Grundstein gelegt worden war, und welches jetzt in seltener Größe und Pracht vollendet ist. Wir nannten cs ein israelitisches, nicht ein jüdisches Gotteshaus, weil wir zwischen Israelit e n und Jude n insofern einen wesentlichen Unterschied machen, als wir mit dem crsteren Worte einen konfessionellen, mit dem letzteren aber einen nationalen Begriff verbinden , so daß wir zwar von einer jüdisch e n Ratio u a l itat, aber nur von einem israelitischen Kultus w. reden können. *) — Was diesen letzteren betrifft, so hatte die EinwcihnngSfricr von Mittwoch für uns einen besonders erhebenden Moment, der nnS einen Zng des israelitischen GlanbenSlebenöenthüllte, durch welchen sich dasselbe vor dem aller andern Konfessionen vortheilhaft anszeichnet: das ist nämlich sein Allerheiligstes; denn während dies bei anderen Konfessionen meist in Symbolen des mehr oder minder blinden Glaubens besteht, ist das Allerheiligste der Israeliten — das Gesetz; und wir gestehen gern, daß wir bei dem Einznge der Thorarollen (zehn massiv silberne nud reichverzierte Doppelstäbe (t)׳ deren jeder eines der zehn Gebote in .getriebener Arbeit trägt, —massive Nachbildung von zehn Nrknndcnrvllen!) und beim Einsetzen derselben in die heilige Lade (Bundeslade) von einer hohen Achtung erfüllt wurden gegen eine Religion, deren Allerheiligstes das Symbol (?) des Gesetzes ist, und deren Kultus sich vorzugsweise auf eine Verehrung dieses Allerheiligsten stützt. — Die übrige Feier, iii ihrem Zeremoniel ein Gemisch von katholischen und evangelischen Formen **), bestand ans Segenssprüchen, zmn Theil in hebräischer Sprache, ferner ans Ehorgesängen mit Orgelbegleitnng, deren Styl uns indes; mehr den Mayerbeer'scher Opern, als streng gehaltener Kirchenmnsik zu entsprechen schien, womit wir ihnen gewiß nicht zu nahe getreten sein wollen! endlich ans einer Predigt. — Die ganze Feier, Vormittags halb 12 Uhr beginnend, dauerte fast zwei Stunden. Der Tempel, im Innern ein mit großer Pracht ansgestatteter, sonst ziemlich im Styl größere,- evangelischer Kirchen ansgeführter Bau mit Schiff (für die Männer) und Emporien (für die Frauenwelt), war bis zum letzten Platze gefüllt, thcils von Mitgliedern der Gemeinde, theilö von ausdrücklich eiugela^cneu christliehen Gästen. Schulwesen. 11. Pest, 6. September, Der von nuferem verdienstvollen Schul- Vorsteher angeregte und von Herrn Dr. Hirschler so warm befürwortete Schnlban, welcher jedoch in Folge der mittlerweile eingetretencn kriegerischen Ereignisse einstweilen fallen gelassen wurde, wird nun, wie ich vernehme, *) Diese Distinktion des Korrespondenten der ״Statsbürger-Zciknng" ist, wie jeder Unterrichtete weiß, ans der Luft gegriffen, und braucht dieselbe in d. Bl. wol nicht erst tvidcrlegt zu werden. R e d> **) Auch diese vom Uebelwollen diktirte Behauptung muß als grundos znrückgewiesen werden. 9t e d. wieder ein ernstlicher Berathuugcgenstand unseres Vorstandes werden. Es ist nun ctitnta( die Schulfragc eine der brennendsten in unserem Gemeindeleben geworden. Die Hunderte Kinder, welche hierorts aus Mangel eines geräumigen Schullokales ohne jeglichen Unterricht heranwachsen, werden früher oder später eine unwiderstehliche Pression auf die feuerfeste Kasse unserer Ehcvra Kadischa ausüben. Am fühlbarsten jedoch ist dieser Lokalitäts- Mangel in unserer Mädchenschule. Diese Anstalt, welche in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung genominen und im abgelaufenen Schuljahre nahezu an 600 Zöglinge zählte, wird, so unser Schulvorstand keine Fürsorge trifft, im nächsten Schuljahre einem Thcil der in die vierte aufsteigcndcn dritten Klasse in Folge des obenerwähnten Ucbclftandes die Aufnahme verweigern müssen. Bon dem Oberlehrer Nosenbcrg erscheint init nächstem ein Gebetkompendium für den SabbathgottcSdicnft der Mädchenschule. Dasselbe enthält außer dem üblichen Mnßaf- und anderen hcbräisehen Gebeten noch eine vortreffliche ungarische Nebcrsctznng des Neligionslehrers Herrn H. Deutsch, mehrere ungarische Lieder mit Noten von Oberkantor Fried,nann, sowie eine Vorrede, welche gleichsam als Geschichte dieses seit fünf Jahren bestehenden Gottesdienstes zu betrachten ist. Während der Abwesenheit des Schulvorstehers, Herrn Hollitschcr, hat Herr Dr. Pollak das Präsidium der Schnlsektion übernommen. Als gründende Mitglieder sind dem Lehrcrvcreinc bcigetreten: Die Kttltttsgcmeinde zu Arad, Herr Phillipp Hollitschcr, Gebrüder Deutsch und Sigmund Vr'gdor, Schwiegervater unserer verehrten Vorsteher I. I. Kohcn und Leopold. In der jüngst stattgcfnndcne» Sitzung hat das provisorische Komitü beschlossen, die Gencralversanimlnng behufs endgiltiger Konstituirnng des Lchrervcreins auf die koiniucndcn Halbfeiertage hichcr einzubcrnfen. 8. Hh. Prag, im September. ״Die isr. Jugendbildncr sind die Inden den Inden, d. h. sic sind das inmitten ihrer Glaubcnsbrüder, was diese unter den Völkern — trotz aller Verdienstlichkeit nicht emanzipirt!״ bemerkt der wackere Landsmann des ״B. CH.", Herr Ignaz Reich ebenso wahr als geistreich im 5. Hefte seines Bcth-El. Dieser Satz findet auch hier leider seine traurige Illustration und umsomehr fühlen wir uns verpflichtet, selbe vor das Forum der Oeffentlichkeit zu bringen nud Nachstehendes zu registriren, als die vielseitigsten diesbezüglichen Klagen vcrgcbens geführt wurden. An einer hiesigen isr. Mädchenschule, die zu den bcsuchtestcn Anstalten gehört, wirken nicht weniger als viernndzwanzig Lehrer inel. Lehrerinnen, die mit Ausnahme des Direktors, der Direktrice, des Religionslehrcrö und des Lehrers der hebräischen Sprache .(die nothwendigcrweise Inden sein müssen) samnitliche christlichen Glaubens sind; wir wollen nicht den Vorwurf der Unduldsamkeit auf uns lasten lassen, wenn wir gegen dieses Faktum eisern, sind doch wir es, die so dringend und unanfhörlich Emanzipation und wieder Emanzipation verlangen; allein wenn man die Sache «»parteiisch betrachtet, wird man uns recht geben. Die isr. Mädchcnschltle soll I ü d i n n c n für das Leben erziehen — zu »rthcilen, ob dies möglich ist, wenn sämmtliche Lehrgegcnsiäude ausschließlich von christlichen Lehrern vorgekragen werden, überlassen wir dem denkenden Leser; von einer jüdischen Schule dürfen wir wünschen, ja fordern, daß der jüdische Lehrer nicht absichtlich znrückgesetzt und herabgewürdigt werde!! Daß es nnS nicht um kleinliche Insinuation und Anfeindung, daß es uns über- Haupt nicht nm die Person, sondern um die Sache, die wahrlich der Ansmerksamkett Werth ist, zu thnu ist, bezeuget der Umstand, daß wir den Namen des Direktors jener Anstalt vorläufig verschweigen; mögen dicke Worte beherziget werden! Wohlthätigkeit und Wvhlthätrgkeitsanstalten X. Pest, -l. Scpteinber, Der ebenso beliebte als bekannte Dr. Ä g a y ist ans die Dauer der Cholera znm Arzte der ״Concordia" ernannt worden. Unsere derartigen Wohlthätihkeitsvereine bewähren sich gerade bei Epidemien am glänzendsten. Uebrigenö soll die Cholera in nuferer Stadt bereits in Abnahme begriffen sein. Literatur. 8. Pest, 9. September. Spitzig Jtzigü angekündigter ״Lnach" erfreut sich in; Lande einer lebhaften Theilnahme. Schon bis jetzt sind zahlreiche Pränumerationen eingelanfen und bei der Beliebtheit Spitzig Jtzigs läßt es sich voraussetzen, daß noch so Mancher seine 80 Kreuzer auf Jtzicis Altar niederlegen wird. Uebrigenö kann ich Ihnen aus guter Quelle uni־

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