Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 37 (17.9.1866)
- Date
- 1866-09-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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673 und אהד אלהינן saugen. Während eines einmaligen Umzuges um die Bima mit den Gcsetzrollctt wnrden zwei Stellen aus den! am Gefetzfreuderitage üblichen אנא ה׳ vom Vorbeter und Ehor abgesungen. Beim Oeffnen der heiligen Lade wurde Ps. 24, 7—10 gesungen, indem die Rollen hineingestellt wurden, nUd nach der Schließung der Lade der Vers השיבנו ה׳ אליך und folgendes Gedicht: GS zieht ein heilig Sehnen — Zn Dir, o Gott, uns hin, Der Juda'ö Leid und Thränen — Gcseh'n vom Anbeginn. — Wir fühlten oft nnö einsam — Und fremd auf Erden hier; — Doch hielten wir gemeinfam — In Liebe, Herr, zu Dir, — So wählten wir in Treue — Uns diese Stätte aus, — Daß fte in heil'gcr Weihe — Uns fei ein Vaterhaus, — Dahin uns fromm zn wenden — In innigem Gebet, — Darin Dir Lob zn spenden, — O Vater, früh und spät. Dr. Anb begann sodann seine Predigt damit, daß er die Namen derer mit Rührung erwähnte, die den Bau gefördert haben, denen cs jedoch nicht vergönnt war, die Vollendung desselben selbst zn erleben, — die Namen des Dr. Michael Sachs und seines Freundes, des langjährigen GemeindevorstandeS Dr. Moriz Veit, sowie der Leiter des Baues, des Baurathö Knoblauch und des Geh. Oberbanraths Stülcr, nach deren Ableben der Architekt Hähncl den Ban zu Ende führte. Als Tcrt wurde der Rede zn Grunde gelegt Ehaggai 2, 9: ״Größer wird sein die Herrlichkeit dieses zweiten Hauses, als die des ersten." In der neuen Synagoge sollen sich Altes und Neues die Hand reichen, auf dem Grunde des Uebcrkommenen sollte daö Veredelte sich erheben, wobei der Redner besonders den Frieden betonte. Sowie nnserni Erzvater Jakob die Himmelsleiter, ans der Engel Gottes auf- und niedersticgcn, zum Goltcöhanse ward, so möge hinwiederum dieses Gotteshaus zur Himmelsleiter werden, die anfsteigenden Engel seien die Gebete, nnd deren Gewährung möge als segnende Engelschaar herniederschweben." Auf die Predigt folgte ein vom Ehor rezitirtes deutsches Gedicht: O Herr, laß Deinen Segen — Auf dieser Stätte rnh'n, — Wie Dn ja allerwegen — Beschirmest frommes Thun. — O daß hier stets erschalle — Nur rein Dein heilig Wort, — Und daß Dein Geist nns Alle, — Umschlinge fort nnd fort.' Nach dem Weihgcbete, daö der Prediger sprach und worin er zngleich den Segen über das Herrscherhaus, die Behörde, wie über die Gemeinde anssprach, wurde folgender Gesang angestimmt: O Du, der alle Welten — Zum Hanse sich erseh'n, — Weil' auch in Jakob's Zelten — Und hör' ans heißes Fleh'». — lind was in hcil'gem Bangen — Die fromme Andacht weiht, — Das laß vor Dich gelangen, — O Herr, zur Gnadcnzeit! Die Liturgie schloß mit dem Absingen des Psalms ISO und dein Minchagebete. Letzteres bestand in der Rezitation des אשדי, worauf der Kantor die drei ersten Enlogieen der Schemoneh-Cßreh mit der Kcdnschah laut hersagte; die mittleren wurden leise gebetet, nnd endlich die drei letzten wiederum laut. Das Alcnu-Gebet wurde, darauf vom Vorbetcr in deutscher Sprache vorgetragen. — Von den geladenen Ehrengästen waren unter anderen der Ministerpräsident Gras Bismark, der Kultusminister, der Minister des Innern nnd der;Finanzen , der Feldmarschall Graf Wränget, Fürst Radziwill, der Kommandant und Gonvernenr von Berlin, der Oberbürgernwister, der Polizeipräsident, die Mitglieder des Magistrats nnd der Stadtverordnetcnversammlnng -c. anwesend. Der dreifach gegliederte Ranm des TempelS war dicht gefüllt; die Gallerien waren von den Frauen eingenommen. Das Gebäude an nnd für sich ist eine Zierde der Stadt und reiht sich den Prachtbantcir derselben würdig an; dafür kostet aber auch der Ansbau dreiviertel Millionen Thaler. Jnc Jahre 1859 begonnen, wurde sic im Rohban zwar schon 1863 beendet, wogegen die innere Ausschmückung einen fast ebenso großen Zeitraum in Anspruch nahni. Sie erhebt sich mit ihrer Front von 92 Fuß Mld in einer Tiefe von 308 Fuß. Der imposante und ebenso originelle Ban ist im nianrischen Style ansgeführt, mit Thürmen und orientalische» Kuppeln rcichgeschuiückt nnd durch ei» kunstvolles Gitter an der Vorderseite von der Straße' abgeschlossen. Drei mächtige Bronzethüren führen in daö Innere, zunächst in eine Rotunde von 45' Durch- Nlesser, deren Decke von 12 schlanken Sänlen getragen wird. Daran schließt sich eine Vorhalle, welche in die sogenannte kleine Synagoge führt, wo an Wochentagen der gewöhnliche Gottesdienst abgehalten wird, während am Sabbath nnd an den Feiertagen die eigentliche Hanptsynagoge zn diesem 674 Zwecke bestimmt' ist. Diese selbst hat eine Länge vSn 143' und eine Breite von 126' Die mit Sternen besäete Decke, deren Höhe im Mittelschiff 87׳ beträgt, ruht auf einer doppelten Reihe von Säulen, zwischen denen sich,, die 25' im Durchmesser enthaltenden Bogen wölben. Das Licht strömt von vier kleineren und einer größeren Hauptkuppcl, sowie durch fünf Seitenfenstcr nnd zehn Fenster in den Emporen ein, durch die bunten Scheiben magisch gedämpft nnd verklärt. Decke, Wände, Säulen , Bogen und Fenster sind mit verschwenderischer Pracht ansgcstattet nnd bilden mit ihren Vergoldnngen und Verzierungen einen wunderbaren, zu einem harmonischen Ganzen sich verschlingenden Arabeskenkranz von feenhafter, überirdischer Wirkung. Diese gipfelt sich in dem sogenannten Allerheiligsten, zu dem eine breite Marmortreppc von beiden Seiten führt. Hier erhebt sich zunächst der Tisch des Vorbetcrs, dahinter die Kanzel des Predigers von weißem Marmor und mit kostbaren Steinarten reichgeschmückt. Unter einen! Tabernakel, das von 12 weißen Marmorsäulen getragen und von einer vergoldeten Kuppel gekrönt wird, ruht gleichsam wie ein Schatzkästlcin die ans Holz kunstvoll geschnitzte ״heilige Lade", welche die geweihten Gesetzrollcn birgt. Der Eindruck des Ganzen, beleuchtet durch das gedämpfte Licht der bunten Glasfenster nnd den Kerzcnglan; der goldenen Kandelaber, ist in der Thal groß und ergreifend. 6. Berlin, 5. September. Die neue Synagoge ist heute, am 5. Sept., feierlich eingeweiht worden. Das neue Gotteshaus ist ein Stolz der jüdischen Gemeinde Berlins, aber noch mehr, es ist eine Zierde der Stadt, eine der beachtenöwcrthesten Schöpfungen der modernen Architektur im nianrischen Styl nnd eine der vornehmsten Baunntcrnehmnngcn, die in den letzten Jahren die norddeutsche Residenzstadt ansgeführt hat. Im Jahre 1859 wurde in der Oranienburger-straßc der Grundstein zu der nenen Synagoge gelegt, heute, nach 7 Jahren׳- steht sie in ihrer Vollendung da, das WcrkMnoblauchs, des Meisters, der seine Arbeit nicht mehr vollendet sehen sollte. Vor längerer Zeit wurde bereits bei Gelegenheit einer Belcuchtnngoprobe der Eindruck dieses märchenhaften Bauwerkes niehrfach beschrieben, das inmitten eines recht nüchternen StadttheilS unserer Residenz uns in die phantastischen Wunder einer modernen Alhambra mit den annmthigen leichten Säulen, den schwunghaften Rundbögen, den farbenreichen Arabesken, den: mannigfach gegliederten Schnitzwerk, niit all dem tausendfältigen Zauber des nlanrischen Styls einführt. Heute Mittag eröffnete nns die gnirlanden- und blumcngcschmückte Vorhalle den Eintritt in das von! Tageslicht erhellte Gebäude. Der phantastisch-märchenhaftc Eindruck des dnir-odscrnr eines gedämpften Gaslichtes war allerdings verschwunden, um so deutlicher aber traten die fein geschwnngencn Linien der Säulen nnd Bogen, trat die farbenreiche Pracht der Arabeskcn nnö entgegen. sZwei große Photographien verherrlichen bereits das Aenßcre der Synagoge, die eine aufgenomnicn von Suck, die andere nach dem schönen Oelgemäldc de Eanwcrs im Verlage von Lcvinthal nnd Paetz in ineisterhafter Arbeit erschienen. Im selbe« Atelier auch eine Photographie des -Innern, ebenfalls nach einem Bilde de Canwerö, die wol geeignet ist, den ganzen imposanten Anblick des Bauwerkes in seiner, inneren Verhält- Nissen rviedcrzngeben. Der stattliche, strahlende, dreifach gegliederte Raum war von der jüdischen Gemeinde und den cingcladenen Gästen dicht gefüllt. Unter Letzteren bemerkten wir den Minister-Präsidenten v. Bismark, den Minister v. d. Heydt, denWrafcn Wrangel, den Polizei-Präsidenten v. Bernuth, den Geheimen Rath Lüdcmann, die Mitglieder des Magistrats nnd der Stadlverordnetenversainmlnng n. A. Die Gallerien waren dicht besetzt von den Frauen der Gemeinde. Den feierlichen Gottesdienst irr seinen Einzelnheiten zn schildern nnterlassen wir; die Gesänge wurden von einen! Männernnd Knabenchor nnter Orgelnnd Posannenbegleitnrig ausgeführt, unter den Klängen des 118. Psalm' wurden in feierlichem Znge die Thorarollen durch das Mittelschiff der Synagoge die Stufen hinauf am Altar' herum in das Allerheiligste getragen, die heilige Lade wnrde geöffnet irnd unter dem Gesänge des 24. Psalms die Bnndeshciligthnmer in ihr ververschlossen. Von ergreifender Wirkung war in seiner eigenthürnlich zarten nnd wehmüthig anklingenden Komposition der hierauf folgende Gesang: ״Es zieht ein. heilig Sehnen n. s. w. Wol konnte in diesem Augenblicke, in den zitternden weichen Kläugen dieser melodischen Knabenstimmen der historische Zusammenhang der