Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 37 (17.9.1866)
- Date
- 1866-09-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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671 672 nominell, so bleibt der Trauhiinnlel weg ttttb mtr der Talith findet in erwähnter Weise seine Anwendung. Macht es auf die Einbildungskraft Ihre geschätzten Leser schon einen komischen Eindruck, Braut und Bräutigam im Kostüm eines Vorbetcrö an den ימי□ נוראים vor sich zu sehen, wie nun erst Folgendes! In dem Falle, daß die Braut m enstruirtc bleibt das Paar nur so lange in den Talith gehüllt, bis der Bräutigam die Tranungsformel gesprochen. Im Augenblicke, als dieses geschehen und die nunmehrige Frau sich also gesetzlich von ihrem Manne absonderu muß, wird die bräutliche Gattin sogleich abgedeckt, und bleibt sie für den ganzen folgenden Thcil der TranungSzeremonic, neben ihrem verhüllten Bräutigam ilnvcrhüllt stehen. Welche erbauliche Stimnmng, Blicke und Bemerkungen hierbei durch die Reihen der jungen, wie uichtjungen Männcrlvelt laufen und wie es dem Mädchen zu Mnth sein muß, an welchem der heilige Bctmantel zum^Verräther einer chromque scandaleuse geworden, so daß die Arme gerade in dem Augerrblicke ihrer doppelten Enthüllung ihr allen Blicken ansgesctztcs Gesicht am liebsten undurchdringlich verhüllen möchte — wie dieser Unglückseligen in dein glückseligsten Augenblicke ihres Lebens, sag' ich, zn Mnthe sein muß, ist leichter zu begreifen, als. sich begreifen läßt, wie diese fromme Sitte beharrlich von denselben Leuten festgehaltcn wird, die mit eben solcher zähen Beharrlichkeit das Gitter in der Frauenshnagoge mit den obligaten Vorhängen aufrecht erhalten, damit ja die Dezenz nicht verletzt werde! Dieses Präscrvatiouömittel gcgeil nnheilige Gedanken findet sich auch bei uns noch oft genug in den alten Synagogen ans dem Lande. Die ebenso schöne als erbanliche Sitte aber, Braut und Bräutigam bei der Trauung in den Talith cinznhüllen, erstcre respektive zu enthüllen, herrscht hier nicht bloS auf dem Lande, sondern auch in den Städten, die Residenzstadt mit eingerechnet. Ihr Landsmann jedoch, dcrNabb. Dr. Hirschfcld, schaffte diese Sitte oder besser Unsitte in seiner Gemeinde ab. Kürzlich, als mich mein Weg uatf; München führte, war Dr. Hirschfeld eben zn einer Trauung dahin berufen worden, nud da hörte ich, daß er mit dieser ״Nenernng" ans Wiverstand gestoßen, indem man den Gebrauch des טלית bei der Trauung durchaus fcsthalten wollte, obschon weder Braut noch Bräutigam in religiöscr Beziehung darnach angcthan waren, שני□ אוהזין בטלות zu sein. Aber das ist einmal so; während man in! Leben das ganze Gesetz durchans ignvrirt, wird bei Geburten, Trannngen und Todesfällen, wo der Aberglaube eine große Rolle spielt, jeder Miuhag mit Peinlichkeit aufrecht erhalten. Herr Dr. Hirschfeld erklärte jedoch, daß er für diesen Fall die Tranungsvollzicynng entschieden ablehne; und da man ans i h n nicht verzichtcn wollte, mußte man es auf den T a l i t h. Uebcr den ungctheilten Beifall, mit dem man von der TranungSrede sprach, ist hier nicht meine Aufgabe, zu referircn; wol aber inöchtc ich den Beifall, dessen sich die Trannngshandlnng als schön und weihevoll im Munde Aller, die ihr anwohnten, crfrcnte, hier erwähnen, weil gewiß die Weglassung der hier in Rede stehenden häßlicheil Sitte dazu beigctragen. Ich glaube, daß man sich allgemein herbeilassen dürfte, diesen Mißbrauch fallen zu lassen. Königsberg (Preußen), 4. September. ״Ehachanim seid vorsichtig init euren Worten, ihr konntet sonst n. f. w." Dieses Spruches hätte Dr. A. Stein eingedenk sein sollen, bevor er seine Replik ans meinen Bericht in Nr. 28 des ״B. Eh." niederschrieb und im heißen rabbinisch-theologischeu Eifer mich mit den Worten begeiferte.- ״Entlveder ist der Berichterstattcr völlig unwissend in rabbinicis, oder er hat sich wissentlich der Ehrenkränknng eines Verstorbenen durch Verschweigen der Hauptsachen schuldig gemacht." Ob Herr Dr. A. Stein, den zu kennen ich nicht die Ehre habe, und seine GesimulugSgeuossen mich als Kcnnner des Talilinds und,der rabbinischeil Literatur gelten lassen oder nicht, ist mir, als freiem unabhängigen Privatmanne, ganz gleichgiltig. Wenn aber der gute Herr sich heransnimmt, der Welt ohne Scheu zu sagen, ich hätte Thatsachen verschwiegen, die das Verfahren Mecklenburgs talmudisch rechtfertigen, so ist das — gelinde ansgedrückt — eine N n w a h r h e i t. Denn das ftagliche Geschäft wird seit 1856 einzig und allein von Herrn Daniel mit nur jüdischen Gehilfen geführt, weil der christliche Theilnehmer Goldainmer seit 10 Jahren todt ist, und demnach dürfte das ״התעסקות ע״י א"׳'״ doch nicht so mir nichts dir, nichts in אינו ישראל aufznlösen sein. Aber Herr Dr. A. Stein weiß in Prag mehr über und von Konigsberg, als ich Einheimischer, freilich ״völlig unwissend in rabbinicis"; er weiß, daß Herr Jakob Hirsch Mecklenburg O b e r r a b b i n e r war. Ach, du gerechter Gott, was wissen doch alles ״die Männer, denen die schwere Aufgabe geworden ist , den Standpunkt des Nabbinismus mit der Wissenschaft (sie!) unseres Jahrhunderts auszugleichen", und wie verleumderisch ist doch jedes Wort derer, ״welche den ganzen Nabbinismus für praktisch irnd theoretisch unhaltbar erklären!" Nun Herr Dr. A. Stein, lassen Sic stch'S ein für alle Mal gesagt sein, und merken Sie sich's für die Zukunft, hierorts war bis vor einem Jahre niemals ein Rabbiner, sondern stets nur ein V i z x r a b b i n c r amtlich cngagirt. Unter diesem Titel war auch Herr Mecklenburg aufgenommen und so wurde er stets in den behördlichen Akten genannt. Uebcr die talmudische Gelehrsamkeit des Herrn M. wird folgende Stelle aus einem Briefe des verstorbenen Prof. Dr. Saalschutz an die Mitglicdcr der Konimisfion zur Regelung des Gottesdienstes vom 11. Mai 1838 Aufschluß geben. Sie lautet also: ״Sieben Lehrer wurden mir (am Berliner Seminar) untergeordnet, lind unter diesen auch für die Gegenstände des Talmuds ein Mann, dessen Schüler im Talmud gewesen zu sein, unser Herr Mecklenburg behauptet." ״Also in meinem 28. Jahre hatte ich die Ehre, der Direktor des Lehrers unscrs Herrn Rabbiners zu sein, und jetzt in meinem 37., nachdem ich seit 12 Jahren bctzentendc Aemter verwaltet, deren jedes mir, ohne daß ich mich gemeldet, angeboten wurde, nachdem mich bedeutende Gemeinden als Lehrer, d. i. denn doch als Kenner der Religion beriefen und anerkannten, gibt sich hier nun ein Manu, der sich mit Theologie als wirkl i ch e nr B e r uf s f a ch e, da er früher Kaufmann war, doch erst seit einigen Jahren beschäftiget, allen Ernstes das Ansehen, als wenn er mir nicht, ich weiß nicht ob das Wissen oder den Willen zutraue, die währen Grundsätze der Religion zn lehren." Ich könnte noch mehr Sachen und Sächelchen mittheikcn, die durch keine Anführung ans Talmud Abodah sarah wegzndispntircn wären, doch manum de tabula! Das Angeführte genügt dem Verständigen, und für die Dnmmcn schreibe ich nicht. Weitere Auslassungen des Herrn Dr. A. Stein werde ich nnbeantivortet lassen. Der 1-B erich terstatter. U. Berlin, 5. September. A n b s Predigten, in denen die im liberalen Sinne vermittelnde Reform verherrlicht wird, finden stets vor einein äußerst zahlreichen Publikuni statt. Und läßt es sich auch nicht lcugneu, daß dieselben bei einem nicht unansehnlichen Theile der Gemeinde Aergcruiß Hervorrufen, so muß andererseits auch der große Beifall rcgistrirt werden, den die Predigten, die fast ohne Ausnahme rhetorische Meisterwerke sind, bei einem andern nicht minder ansehnlichen Theile der Gemeinde ernten. X. Berlin, 4. September. Die fromme Humanitätsgcmcindc שוחרי הטוב kömmt immer mehr in Schwung, und trotz der Eröffnung des neuen nud glanzvollen Tempels sind sämmtlichc 700 Sitzplätze ihrer Synagoge zu hohen Preisen ausverkauft worden. Die neu auögearbeitcten Statuten der Humanitätsgemcindc werden nach Ablauf der hohen Festtage der Generalversammlung unterbreitet und wird dann der Neubau einer Synagogc und die Gründllng einer Religiousschule gleichzeitig in Angriff genomnicn werden. A. E. Berlin, im September. Einen förmlichen Sturm hat die am שבת תצא von Herrn Dr. Josef Aub gehaltene Predigt in einem großen Theile der Gemeinde hervorgernfen, indem er die Hoffnungen des alten Judcnthums auf einen leiblichen Messias, auf die Gesammtrückkehr nach Jerusalem, auf die Wiederherstellung des Opfcrdienstes unumwunden in ihrer Lächerlichkeit hinstellte. Am Sabbath daraus suchte Herr Dr. Si- »10» Nascher in der Synagoge der Schocharc hatob die gegnerischen Argmnente zu entkräften und die sittliche Seite des Glaubens in! Denken hervorznheben. Die Spaltung in der Gemeinde ist leider bedenklich und scheint nothwendig zu einem Bruche zu führen. Herr Pinncr veranstaltet wiederunr Generalversamnllungen der orthodoren Gcmeindcmitglieder. Mittwoch, den 6. d. M., Mittags 12 Uhr, fand die Einweihung der hiesigen neuen Synagoge Statt. Die unter Orgelbegleitung vom Männer- und Knabenchor ausgeführte,1 und an einzelnen Stellen durch ein Musikkorps unterstützten Gesänge waren von dem kgl. Musik- und Ehordirektor für die jüdische Gcnieiudeu komponirt. Eingeleitet wurde die^Feier durch de» SegenSgruß an die Eintretenden, Psalm 118, 26. Hierauf erfolgte in würdevoller Weise der Einzug der Thorarollen, getragen von, Gemeindevorstande, während dessen die Verse מה טבו Nttd ואני ברב חסדך abgesttttgen wurden. Dr. Aub sprach nun die ברבת שהחינו in hebräischer und deutscher Sprache, worauf der Vorbeter und Ehor abwechselnd שמע ישראל