Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 36 (5.9.1866)
- Date
- 1866-09-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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635 636 persönlich oder mündlich um eine Gabe angegangen, und schon überreichen wir den! Kriegsministerium circa 1000 st. Geld mtb massenhafte Wäsche; — schon wurden 26 Soldaten und eine Soldatenfrau unterstützt und betheilt. Geehrter Herr! Sic werden begreifen, daß Ihr Brief bei solch en Umständen etwas peinliches hat, mtb dadurch erklärlich wird, daß ihre Gemeinde und überhaupt Ihr Bezirk ganz verarmt ist, und am Bettel tnch nagt; denn daß sie kein Herz und kein Gefühl habe für verkrüppelte isr- Soldaten 1c. ist doch nicht voranszusetzen. Deshalb offcrire ich Ihnen und Ihrer Gemeinde, der Zustimmung des Koniite im Voraus sicher , daß wir jene Soldaten isr. Religion, die sich bei Ihnen als hilfsbedürftig melden und answeisen, von hier ans nach Maßgabe unserer Mittel unterstützen. Ich ersuche, uns stets das genaue Nationale (Name, Geburtsort, Regiment, Bataillon, Kompagnie, >»o verwnndct 1c.) anzngcben, da wir es ebenfalls dem Kriegöministerinm mitthcilcn inüssen, und die Unterstützung erfolgt unmittelbar portofrei. Ich beeile mich, dieses Offert zil Ihrer Kcnntniß zu bringen, damit eilt Hilfsbedürftiger keine Minntc länger ohne Hoffnung ans eine wenn auch kleine Unterstützung bleibe. Uebrigcns in aller Achtung A d o l f N c n st a dt. kV. Nachbemerkung des Redakteurs. Ich theilc diese Korrespondenz vollständig mit, weil mir die unvcrdiente Ehre zn Theil wurde, unter den Gesiiniungsgenossen der Mitglieder des ehrsamen KomiteS genannt zn werden. Da ich nicht die Absicht haben ko!Ulte, mich an den Bestrebungen des Komites zu betheiligen, so konnte es mir natürlich nicht in den Sinn kommen, die Anfforderung desselben polemisch zu beantworten. Daß dessen Streben ein edles ist, werden wol auch diejenigen bereitwillig ciuräumcn, die dasselbe mit mir nicht für zeitgemäß halten: für nicht zeitgemäß >vird es aber nicht nur von der Pcster, sondern auch von der Wiener Gemeinde erklärt, in deren Mitte das ehrsame Koniitö seinen Sitz hat! Ferner haben die Koinitümitgliedcr in ihrem edlen Eifer unbeachtet gelassen, daß ein Wohlthätigkcitsvcrein, dessen spendende Mitglieder »veder ans die Abfassung der Statuten, noch auf die Wahl der Vercinsleitcr Einstuß ausüben, ja von den Statuten nicht einmal Kenntniß haben und über die bei den Geldausgaben zu beobachtenden Normen in Dunkelheit gelassen werden, in nnsercrZcit eine Abnormität ist, init der man sich nicht leicht befreundet. Am rvenigstcn käun ein solcher Verein in Ungarn Anklaug sindcn, wo das ״nihil de nobis sine nobis“ Jedem geläufig ist. Vielleicht kömmt cs auch daher, daß einer der Gründer des Vereins den nngarischen Juden vorwirst, daß sie einen ״polternden Geist" haben, der ״bis zur Stunde noch wenig geschaffen hat." Die ungarischen Inden sind dem betreffenden Herrn für diese wohlwollende Benrtheilnng zu vielem Danke verpflichtet!! Endlich hat das Koinitü in seinem edlen Thatendrangc die Zügel seiner Fantasie gar zu sehr schießen lassen, indem es die Zahl der jüdischen Krieger in der österreichischen Armee auf 25—30.000 angibt. Diese Zahl stimmt schon mit den allgemeinen Popnlationsverhältnisseu nicht überein, und die Abnormität springt noch mehr in die Augen, sobald man sich erinnert, daß die Militärgrenze nur eine äußerst geringe, kaum in Betracht kommende iüd. Bevölkerung zählt. Die beglaubigte Statistik spricht von ungefähr 10.000 jnd. Soldaten in der österreichischen Armee. Nun ist diese Zahl auch eine sehr beträchtliche und die rcktisizirtc statistische Thatsachc an sich würde ׳den Absichten des Komite's allerdings keinen Eintrag thnn. Allein andererseits ist die Flüchtigkeit, die sich in der angeführten Uebertreibung dentlichfgenng zn erkennen gibt, sicherlich nicht geeignet, Vertrauen einznflößen. ckJch sage Flüchtigkeit, weil ich weit entfernt bin, dem ehrsamen Komitä Aufschneiderei zuzninntheii. Räthselhaft genug bleibt auch das f l ü eh t i g e^Vorgehen, wenn man,erwägt, daß Baron Ezörnig in Wien lebt und schreibt, und daß die k. k. statistische Zeutralkommissivn in Wien ihre Arbeiten^veröffentlicht! Korrespondenz. Emanzipation und bürgerliche Berhältniffe. 8. Altofen» 2. September. Im hiesigen isr. Spitale erhielten 36 Verwundete ohne Unterschied der Religion^ Verpflegung und ärztliche Behandlung; letztere versieht unser bewährter und vorzüglich in der opcrativen Chirurgie gewandter Spitalsarzt Dr. Ianowitz. 8. 8h. Prag. Die Wunden, die der vcrhängnißvolle Krieg insbesondere unserer Stadt geschlagen, sind, wenn auch nicht gänzlich geheilt, so doch vernarbt: der heißcrsehntc Frieden, der so zahlreiche Opfer au Gut und Blut kostete, die uichtsdestoivcnigcr freudig auf den Altar des Vaterlandes gelegt wurden, ist uns endlich gesichert, und nun ist cs endlich auch an der Zeit, Jenen unser!! herzlichsten wärmstempfundenen Dank darzubriugen, die in jener vielbewegtcn und traurigen Zeit durch ihre väterliche Umsicht und männliche Besonnenheit die Stürme abzuwehrcn wußten, welche über unsere Stadt hereinzubrechen drohten; wenn trotz der Abwesenheit der militärischen Sicherhcitsorgane in unserer Stadt eine miistcrhafte Ordnung herrschte, wenn so viele durch die Arbeitseinstellung der Fabriken brodlos gewordenen Arbeiter durch öffentliche Arbeit beschäftigt und auf diese Weise vor Noth und Elend geschützt wurden; wenn, damit ich cs knr; zusammenfasse, so energisch allem gesteuert wurde,!vas die Invasion einer feindlichen Armee des Unerquicklichen mit sich bringt: so danken wir dies dem muthigen und taktvollen Benehmens unseres Stadtrathes, an dessen Spitze der wackere Bürgermeister Herr Dr. Bielskh sich besonders anszcichnete. Tilgend verleiht Adel; diese Worte bewahrheiten sich bei Herrn Dr. Bielskh in jeder Bedeutung; die Anszeichnung, die diesem edlen Manne durch die Hnld unseres allerguädigsten Monarchen zn Theil!vurdc, sic hat auch unserc Gemeinde freudig erregt und der Vorstand des israelischen Nächstcnlicbevcrcins hatte die Ehre, dem Herrn Bürgermeister die Gefühle der Hochachtung und Dankbarkeit, foivie die herzlichsten Glückwünsche ans jenem freudigen Aulasse darznbringen. Möge Herr Dr. Bielskh noch lange so segenspendcnd in unserer Mitte wirken und schaffen — das Denkmal der Liebe und Dankbarkeit, das er sich in den Herzen der Bewohner Prags errichtete, es ist das schönste und kostbarste und ivird daitern für und für.' Kultus und Kultusgemeinde. G. PapN, im August. Hier wurde für die Dauer der jetzigen Bnß- »nd Betzeit (אעזיל) der gottesdienstliche Chor sistirt; indessen wäre gerade jetzt derselbe auf seinem Platze gewesen, denn wir haben einen Chor, daß sich Gott erbarme! A. Brüssel, 27. August. Gestern wurde unser ucngewählcr Großl'abbiner, Herr E. A. Astruc feierlich installirt. Nachdem der Chor den 122. Ps., kvmpouirt von Hälevy, mit Orgelbcgleitung abgcsnngen hatte, trug der Kantor, Herr Cohn, ein hebräisches Bcgrüßnngsgedicht vor, welches von Ihrem LaudSmaunc, Herrn Prof. A d. H e r c z k a, verfaßt und vom Konsistorium veröffentlicht wurde. Hierauf hielt der Konsistvrial-Präsident׳ Herr L a s s e n , eine Ansprache an den Ncngcwähltcn, worauf der Kantor die übliche Enlogie rezitirte, und der Chor eine meisterhafte Komposition des Sohnes des Konsistorialpräsidenten vertrug: Ps. 25. Nun bestieg Herr Astruc die Kanzel und schilderte in tief durchdachter Rede den Beruf des Priesters in der modernen Gesellschaft. Die Rede wird >vol im Drucke erscheinen und Sie werden Gelegenheit haben, Ihre Leser mit dem Inhalte derselben bekannt zu machen. Au die Predigt schloß sich ein Gesang (Jiniloch), vorgctragen von Herrn Levi ans Paris mit dem Chore. Das von Herrn Astruc gesprochene Gebet für den König, welchem ein von Herrn A. Samuel verfaßtes Halleluja folgte, beschloß die schöne Feier. Das Konsistorium hat an Herrn Prof. Herczka nachstehendes Schreiben gerichtet: ״B r ü ff c l, am 24. Aug. 1866. Nr. 2175. Das Kousistorittm von Belgien. Mein Herr! Die Begrüßnugsivorte, welche Sie bei Gelegenheit der Installation unseres Großrabbineu, Herrn Astruc, verfaßt haben,!vnrden vom Konsistorium lebhaft gewürdigct. Wir haben uns beeilt, dieses schöne Gedicht in Druck zu geben, und wird dasselbe unter alle Mitglieder der Gemeinde verthcilt werden. Wir bitten Sie, nnsere aufrichtigsten Gmckwnnsche zu dem schönen Talente, das Sic entwickelt haben, eutgegenznnchmen, und behalten uns die Ehre vor, Sie dem Herrn Großrabbiner als den Verfasser dieser ausgezeichneten׳ Arbeit vorznstellen. Genehmigen Sie,!nein Herr, mit den! Ausdrucke unserer vollen Dankbarkeit auch die Versicherung unserer vorzüglichen Hochachtung. Der Präsident N. Lassen; der Sekretär E. Manrice." Dem hebräischeu Gedichte ist eine von Herrn Herczka selbst verfaßte französische liebersetznng in Prosa beigedrnckt, welche mit einem sehr gelungenen vcrsisizirteu kurzen Gebete schließt.