Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 35 (29.8.1866)
- Date
- 1866-08-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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631 632 L. Paris , Mitte August. Herr Julius Rosenfeld, der Direktor eines hie). Lehrinstitntes macht von der Oeffentlichkeit wenig Gebrauch. Er glaubt es Unterlassen zu können, da bei ihm nur eine beschränkte Zahl von Schülern Aufnahme findet. Wir jedoch sehen hierin nicht Grnnd genug, eine so benlerkcnswerthe Anstalt mit Schweigen zu übergehen. Am 1. fand in derselben die jährliche Preisvertheilung statt, bei welcher wie gewöhnlich ein ausgewähltes Publikum crschieueu war. Wer noch utc einer dieser Versammlirugen beigewohnt, wird sich nicht leicht über die Art und Weise eine Vorstellung machen, die der Herr Direktor befolgt, um die Jugend anznekfern, zu kräftigen llnd zu veredeln. Wir möchten Herrn Rosenfcld bitten, eine größere Zahl dazu zu laden, auf daß jemchr Familienväter und Mütter seine verständigen und bcfolgcnswcrthen Worte vcrnehnieu möchten. Die Schüler des Herrn Rosenfeld besuchen nur 1t den höheren gKlaffen das Lhceum; zwei derselben haben kürzlich das Baccalaureatseramen hlänzend bcstanden. Sonst erhalten die Jünglinge in derInstalt selbst, unter Nosenfelds unmittelbarer Leitung, von vorzüglichen Fachlehrern Unterricht und verspreche» .sie einst dem Judcnthume Ehre zu machen. Herr Rosenfcld geht systcmatisch einen andern Weg, als seine Kollegen in Paris. Die unparteiische Presse fühlt sich glücklich, diese Erfolge auf dem Gebiete der Erziehung konstatircn und dem begabten und thatkräftigcn Lehrer zu so vorzüglichen Resultaten Glück wünschen zu können. (Arediv. israel.) Wohlthätigkeit und Wohlthätigkeitsanstalten gf. Pest, 26. August. Bereits hat die Cholera auch in unserer Stadt ihre Opfer gefordert; um dem weiterem Umsichgreifen der Seuche nach Möglichkeit zu begegnen, hat der Präses des SpitalScommissivn, Herr Dr. Josef Nüusay, sich veranlaßt gefunden, eine verstärkte Cvmmissionssitzung einzuberufen, welcher auch die Vertreter der Chevra Kadikcha u. des Gemeinde- Vorstandes beiwohnten. Unter den mehrfachen Beschlüssen, die daselbst gefaßt werden, heben wir namentlich jene die Beerdigung betreffenden hervor, denen zufolge die Leichnahme der au Cholera Verstorbenen sogleich aus den Wohnhäusern entfernt und in Leichcnhänscr gebracht werden müssen. So wird ferner auch eine Suppenanstalt errichtet, um die ärmeren Schichten der Bevölkerung einer gesunden Kost theilhaftig zu machen. Die,Molarlitäteu bei Aufnahme Kranker ins Jsraeliten-Spital wurden bedeutend erleichtert, mit so im gegebenen Falle schleunigste Hilfe zu ermöglichen. Temesvar,!4. August. Vor einigen Tagen beehrten Seine Erzellenz der Herr k. k. konunaudirende General Baron Steiniger und die Frau Feldmarschalllieutenantsgattin Gräfin Mertens, geb. Forgäes, das hiesige isr. Spital mit ihrem hohen Besuche und sprachen über die vorzügliche Behandlung und Verpflegung, welche den daselbst anfgenonimenen Kriegern zu Thcil wird, ihre vollkommene Zufriedenheit aus. Literatur. A. Wien, im August. Es ist niederschlagcud, aber wahr, daß die jüdische, genauer gesagt, die hebräische Literatur ihren Jüngern und Meistcrn sehr geringe materielle Erfolge bringt. Zu letzter» gehört ohne Zweifel .Dr. Mar L c t t e r i s. Derselbe hat dieser Tage ein in klassisch-neuhebräischer Sprache geschricbclleS Zirkular versendet, um zum Behufe der Herausgabe seiner Memoiren eine Unterstützung zu erlangen. Möge ihm diese in reichstem Maße zu Thcil werden! 8. Wien, 22. August. Herr Dr. Mar Letteris erhielt vom Komitö der ״Allinnee israelite universelle“ das folgende, vom 6. d. M. datirte und von den Sekretären der Alliance gezeichnete Schreiben.׳ ״Mein Herr! Die ״Alliance israölite universelle“ hat einen Preis gestiftet zu Gllustcn jener Gelehrten, die sich um die Wissenschaft des Judenthumö ausgezeichnete Verdienste erworben haben. Der Eifer Nlid die Aufopferulig, ivomit Sie Ihre Talente und unermüdliche Thätigkeit der Pflege der hebräischen Literatur gewidmet, haben Sie in ganz besonderer Weise unserer Theiluahme empfohlen, und Sie, meill Herr, sirld als der würdigste anerkamlt worden, den für dieses Jahr als Preis bestimmten Betrag von 200 Fr. in Empfang zn nehmen. Mögen Sie dieses Zeichen unserer achtungsvollen Sympathie als Würdigung (Hoinage) der Dienste, die Sie unserer Literatur erwiesen, ivohlivollend entgegennehmen und uns Ihre Adresse nnd den Weg wissen lassen, der Ihnen am besten zusagt,. um Ihnen den von uns festgesetzten Betrag zu übermitteln. Genehmigen Sie rc." Replik. Die Nummer 28. des ״Ben Chananja" vom 11. Juli kam der Kriegswirren halber erst am 18. August mir zu Händen, es ist daher möglich, daß die Bemerkung, zu der sie mich veranlaßt, bereits vor! Andern, denen das Blatt rechtzeitig zuging, gemacht ist; aber da ich dessen nicht sicher bin, ist es mir Gewissenösache, sic zu machen. Ein Korrespondent aus Königsberg in Preußen (1) drückt sich über den verstorbenen Obcrrabbiner daselbst in einer Weise aus, die selbst, wenn die Sache sich genau so verhielte, wie sic dort dargcstellt wird, nicht zu billigen ist. Den Manen des Entschlnmmcrten, den ich abgesehen von seiner weltbekannten Gelehrsamkeit und seinem edlen Herzen auch als biederen Charakter kennen gelernt habe, glaube ich es schuldig zu sein, dcu Letzter» vor Verunglimpfung in Schlitz zu nehmen. Die Korrespondenz sagt zwar nicht aitsdrücklich, läßt aber doch deutlich genug dttrchschiiumcrn, der Verewigte sei dem, von ihm durch vieljährige öffentliche Wirksamkeit nnd bedeutende literarische Thätihkeit verfochtenen Prinzipe — der Verbindlichkeit aller rabbinischen Gesetze als göttliche Traditiou — durch einen, von ihm ertheiltcn Dispens vom Sabbathgesetze untreu geworden. — Der Widerspruch mit sich selbst soll damit konstatirt iverden, daß derselbe Mann, der den Protest der 77 Rabbinen gegen die Beschlüsse der Braunschweiger Rabbincrvcrsammlung unterzeichnet, oder wie die Korrespondenz sagt, als ketzerisch verdammt, gleichwol 11 Jahre später eine Diöpcnsationsnrknilde folgenden Inhalts in hebräischer Sprache ausgestellt habe: ״Zur Bescitigung übler Nachreden und Verdächtigung sei hiermit öffentlich kund gcthan, daß der Geschäftsbetrieb in diesem Laden durch Nichtjuden au Sabbathen und Festtagen auf gesetzmäßig erlanbtein Wege stattsindet. Jakob Hirsch Mecklenburg Kislav 5616. Die Urkunde besiiidct sich eingerahmt tut Komptoir der Herren G o l d a m in e r und Daniel in Königsberg." Wir zweifeln nicht daran und glauben sogar, cs dürften sich noch etliche Dutzende solcher Tafel» daselbst vorfillden; aber wir fiilden darin nur eine konsequente Durchführung und öffentliche Geltendmachling des rabbinischen Prinzipes. Entweder ist der Berichterstatter völlig nnwisiend in rabbinicis, oder er hat sich wissentlich der Ehrenkränkung eines Verstorbenen dllrch Verschivcigen der Hauptsachen schuldig gemacht. Verschwiegen ist nämlich, daß Goldammer Nichtjude, Daniel aber Jude Nild das Geschäft ein Kompagniegeschäft ist. In diesem Falle aber ist im Talmud Abodah snrah XXII, a begründet und im Sch. Ar. Or. CH. Kap. 246, 8- 1 zum Gesetz erhoben: ״Wenn ein Jude und ein Nichtjude ein Gut — Immobilien oder Mobilien — gemeinschaftlich besitzen und vor der Besitzantretung das liebereillkomiucn getroffen ist. daß Besitz, Betrieb und Erwerb desselben am Sabbath dem Nichtjuden ausschließlich zllstehen soll, so ist der Gcschäfsbetrieb. darin am Sabbath ׳gesetzlich zulässig." In der vom sel. Rabbiner ausgestellten Urkunde ist aber התעסקות ע״ו אינו ישראל Geschäftsbetrieb durch Nichtjuden deutlich genug hervorgehoben und sollte die Verlautbarung nur bezwecken, den jüdischen Mitbesitzer, dessen Namen die Firma trägt, vor Verdächtigung zu schützen. Es wird also jeder unpartheiischc Bcnrthcilcr das Verfahren des lel. Rabbinen nicht blos ganz korrekt finden, sondern auch das löbliche Bestreben darin sehen, den Rabbillismus zu Ehren zu bringen, indem gezeigt wird, er habe wol vorgesehen, daß es unter Umständen, wo der Geschäftsbetrieb am Sabbath unvermeidlich wird, ein Mittel gebe, ohne Verletzung des Sabbathgesetzcs möglich zu machen. Daß dieses Mittel von Vielen jetzt nicht mehr ausreichend, oder für nicht mehr nöthig gehalten, daß der ganze Rabbinismus praktisch und theoretisch heftig angefochten und für unhaltbar erklärt wird, das darf doch nicht dem Rabbi zur Last gelegt worden, der, seinem Prinzipe treu, thut, was seines Amtes ist. Mögen diejenigen, denen die schwere Aufgabe geworden ist, den Standpunkt des Rabbinismus mit der Wissenschaft unseres Jahrhunderts anszugleicheu, sich bekämpfen, wie sic können und müssen; Männer, wie der sel. Oberrabbiner Mecklenburg, die diesem Dualismus fern stehen, dürfen nicht iil den Kampf hinciugezvgen, amwenigsten in der unbegrübdeteu Weise, wie es in der Korrespondenz geschehen ist, der Persiflage ausgesetzt werden. Prag, im August. Dr. A. Stein. Szeged in, Leipzig, Arlbftvrrlag der Redaktion. Lommisjions-Verlag von Fram Wagner. Druck von Sigmund Bürger in Szegedin. Hierzu eilt Bog cu Forschungen des talmudifch-wiffenfchaftlichen Vereins.