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Ben Chananja · 1866-08-29 · 35 (29.8.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
35 (29.8.1866)
Date
1866-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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629 630 Synagoge. Der Rabbiner legt e dagegen Protest ein, indem er sich dahin äußerte, daß der Schwur nichts an Heiligkeit verlöre, wenn er in der Amtsstube nnd nichts an der Heiligkeit gewinne, wem: er in der Synagoge geleistet würde. Das Gericht berücksichtigte diese zeitgemäße Aeußerung unseres Nabbiners nicht nnd ließ den Eidesakt wirklich in der Synagoge vornehmen. Der Herr Rabbiner rekurrirte nun gegen dieses Verfahren und man ist auf den Ansgang der Sache hier um so mehr gespannt, als bereits zahlreiche Eide in der Amtsstube geleistet wurden. «ultus und «ultuSgemeinde. 8. 0. Erlau, 20. August. Gegen den Ehaßid, der, wie in der Erlaner Korrespondenz der Nr. 26 des ״B. Eh." berichtet wurde, einen auf den Gottesacker bereits beerdigten jüdischen Marqueur auögraben nnd auf einem andern Platze beerdigen ließ, wurde folgendes Urthcil gefällt: 1. Er muß mit zehn Männern auf den Gottesacker gehen und den Todten Mechila beten; 2. er muß für ihn Mischnais lernen; 3. er hat ihm auf eigene Kosten einen Leichenstein zu setzen; 4 ז. er ist gehalten vier Wochen für ihn Kadisch zu sagen und darf 5. drei Jahre lang zu keinem Vorsteheranitc zugelaffen werden. ׳ Zn unserem größten Leidwesen ist der ״Schomer Jißroel" schon wieder in unserer Nähe, indem er ans Kaschan wieder nach Szikßü zog! 6. Sümeg, im August. Unsere Synagoge steht endlich auf einer der schönsten Stelle unseres Städtchens vollendet und ist eine wirkliche Zierde desselben geworden. Wer diesen wahrhaft in jeder Beziehung schönen Bau betrachtet, und die kaum mittelmäßigen materiellen Verhältnisse unserer Gemcinde dabei in die Wage schlägt, muß unwillkürlich staunen, wie dieser schöne Bau in so kurzer Zeit fast aus der Erde hervorwachsen konnte, nnd wiederholt nrüssen wir dem opferfreudigen Sinne der Baukomniissionsmitglieder den wohlverdienter! Tribut der öffentlichen Anerkennung zollen. Die Herren Kaufmann, Steiner, Würzburger, Adolf Israel und Florian Scheiber haben sich blciberrde Verdienste erworben nnd wird deren Name gewiß auch von der später»! Generation dankbar genannt werden. Gott nröge sie noch recht lange zum Wohls unserer Gemeinde erhalten! A. E. Berlin, 15. August. Herr Dr. Anb ist seit einigen Wochen hier nnd verficht von der Kanzel herab die Sache des Fortschritts. Am 7. September, also am Freitag vor Rosch-Haschana, Abends wird beim Eingang des Sabbaths die neue Synagoge eröffnet nnd eingewciht werden. Bis dahin muß das neue Gebetbuch, das auf circa 30 Bogen sämmtliche Gebete für das ganze Jahr umfaßt, im Drucke fertig sein. Ob die neuen Gebete von einen! edlen! Geiste durchdrungen, von einem tiefer»! Gefühle beseelt seien, als die alten, wäge ich nicht im Voraus zu entscheiden. Ich bin kein blinder Verehrer des Hergebrachten; ja ich bin so ungläubig, daß ich weit davon entfernt bin, die י״ב שערי תפלה anzuerkennen, wonach zwölf verschiedene Formeln der Gebete eingerichtet sein sollen. Recht wohl fühle ich das Bedürfniß einer Umgestaltung des Kultus in so manchen Stücken; wenn ich eine solche ins Werk setzte, dann wäre ich mir zugleich dessen bewnßt, daß ich der משנה bin. Eigcnthümlich nimmt es sich aber ans, wenn ein Prediger, >der eine vollständige Aendernng in der Liturgie eintreten läßt, den andern zurust: ולא תתגדרו. לא תעשו אגדות אגד! ת• Als Kuriosum mag die hierbei gegebene Erklärung der daranffolgenden Worte dienen: ״ ולא תשימו קרחה ... למתFanget keinen Streit an um das Abgestorbene, Abgelebteמעשה קרח=קרהה) ״). Die Worte בין עיניכם wurden wolweislich weggelassen. Die alte Derascha verpönt nian, nnd ist dagegen bestrebt, eine neue anznbahnen Wie verlautet, ist von der Wahl eines zweiten Rabbiners fürs Erste Abstand genonimen worden. Von den jüdischen kriegsgefangenen Oesterreichern sind zwei hier an ihren Wunden verstorben. Der eine, David Becker aus Pest, starb au! 8. Ab (20. Juli) Abends; der andere,, Moriz Nenmann aus der Unigegend von Pest, am 21. Ab (2. Ang.). Bei ihrem Leichenbegängnisse wurden die üblichen militärischen Ehrenbezengungen beobachtet und — zun! ersten Male auf dem hiesigen jüdigen Gottesacker — je drei Schüsse über ihren Grübern abgefeuert. Die zweite Lieferung der Predigte!» des sei. Dr. M. Sachs ist soeben im Drucke beendet. Sie enthält den Eyklus der Wochenabschnitte des ersten Buches Mosis, der durch die Antrittsrede des Verblichenen in Berlin (1844) eingeleitet ist. Stuhlweißenburg, 16. August. Die Konkurs-Ausschreibung des Vorstandes unserer Gemeinde wird, wie man wol ohne Uebertreibung behaupten darf, alle wahren Freunde des Fortschrittes in unserem Vaterlande mit wahrer Betrübniß erfüllen. Wenn Gemeinden, die sich orthodor neunen, das belehrende Wort leicht entbehren; so ist dies leicht begreiflich. ״Vor Zeiten" wurde in den ungarischen Synagogen nur zweimal im Jahre gepredigt, und der ״gemeine Mann" verstand auch diese zwei Predigten nicht.' Aber eine progressive Geiueinde und eine permanent verwaiste Kanzel, — das ist ja ein unversöhnlicher Widerspruch! Zögern »vir also nicht, einen Mann zu berufen, der das Wort Gottes zu verkünden versteht: das Wort der Belehrung, der Warnung, der Ennunternng und des Trostes! *) Mehrere G e me i nd eglieder. Schulwesen. TemeHvar, 14. August. Die Schüler nnd Schülerinnen der hiesigen isr. Mustcrhauptschnle, welchen in Folge ihres im abgelanfenen Schuljahre an den Tag gelegten Fleißes und vorzüglichen Verhaltens Prämien aus der Scharmannstiftung znerkannt wurden, haben darauf zu Gnnsten verwundeter Krieger verzichtet. v. Duuaföldvür, im August. Der Herr Oberschulendirektor von Kubas, der vor Kurzem ttnsere Schule besuchte, hat sich sowohl über die Opferwilligkeit der Genieinde, als auch über die schnlmännische Begabtheit unseres würdigen Rabbiners, wie nicht minder über die Leistungen uiiserer wackern Lehrer und ihrer braven Schüler sehr lobend ausgesprochen. B. Lettowitz (Mähren), 24. August. Zufällig kan! mir folgendes Zengniß zu Gesichte: ״Hr. N. N. ans N. in N. hat bei der mit ihm vorgenommenm Nabbinatsprüfung eine so befriedigende von klaren! und gründlichem Quellenstudium zeigende Kenntniß aus dem Gebiete der jüdischen Theologie an den Tag gelegt, daß der Gefertigte keinen Anstand nimmt, demselben die Auton'sation znr Bekleidung einer Rabbinerstelle hiermit zu ertheilcn, und ihn als einen tüchtigen, allseitig gebildeten jungen Mann bestens zu empfelen. Boskowit; in Mähren, an!. Der prov."mähr. Oberlandesrabbiner Abraham Placzek m. p.״. Das Zengniß ist einige Jahre alt; mein glaubwürdiger Gewährsmann versichert niich aber, daß die Rabbinants-Zengriisse auch jezt in dieser Form ansgefertiget werden. Was soll nun der Gebildete zn dieser Forn! sagen? — Wenn der ehrwürdige Herr Oberlandesrabbiner nicht weiß, daß in jedem Zeugnisse, das gewisse Kenntnisse betrifft, g e!! a u d i e Disziplinen angegebenen »verden m ü s s e n, aus welcher! der Eraniinirte geprüft wurde; so wird man dies seinem Bildungsgrade zn Gute halten. Was soll man aber von den mährischen Juden sagen, aus deren Mitte Schwab, Fasset, Low, Wessely, Jellinek, Steinschnei der, Brecher, Wolf, Dnschak, Schmiedl, Josef Flesch und andere Vertreter der jüdischen Wissenschaft hervorgegangen sind? Wie können es die mährischen Judengemeinden dulden, daß ihre Nabbinätszeugniffe in der üblich gewordenen Fassung selbst den Zeugnissen der- Volksschulen nachsteher! müssen? Erröthen sie nicht bei den! Gedanken an die Wirkung, die ein solches Zeugniß bei den Behörden hervorbriugt? ״Auf dem Gebiete der jüdischen Theologie!" Der Herr Oberlandeörabbiner hat ein großes Wort gelassen ausgesprochen! Gehört z. B. die hebräische Grammatik in das Gebiet der jüdischen Theologie? Jedenfalls! Sie ist aber niemals Prüfnngögegcnstand! Warum nicht? Dieß weiß der Eraminator am Besten!! Die Strebsamkeit unserer Rabbinatskandidaten verdient wirklich alle Anerkennung. Aber auch in ihrem Interesse ist es nnerläßlich, daß die Disziplinen genannt werden, welche Prüfungsgegenstände der Nabbinatskandidaten sein sollen; das Zeugniß hat dann diese Disziplinen nahmhaft zu niachen. Die Prüfungen unter vier Angen müßten dann allerdings ihr Endziel erreichen; aber auch das wäre eine unendliche Wohlthat. Das bisherige Verfahren ist so abnorm, daß es in Wahrheit unbegreiflich ist, wie man sich dasselbe gefallen läßt. *) Möge dieser zeitgemäße Aufruf, den >vir ans Mangel a» Rann! abkürzen mußten, bei den wackeren, gesinnungötüchtigcn und opferwilligen Mitgliedern der Stuhlweißenbnrger Gemeinde den ivohlverdienten Anklang sinden. Red.'

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