Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 35 (29.8.1866)
- Date
- 1866-08-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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627 628 Einige der weisen Magier haben gesagt, daß der Gott Mithra muttergeboren sei, von Menschen stamme und daß er ein König göttlichen Geschlechtes sei und ein vortrefflicher Beistand der stebenzahligen Götter. — Zoroaster soll den Mithrakultus in Höhlen eingeführt haben, so wie von ihm selbst gesagt wird, er habe aus Liebe zur Weisheit und Gerechtigkeit sich von den Menschen getrennt und allein auf einem Berge gelebt (Wtndischmann a. a. O. S. 61 u. ff.). Die jüdischen Schriftsteller, welche sich dieser Sage bemächtigt hatten, wollten den weibgebornen Mithra und den einsam auf dem Berge lebenden Zoroaster in eine Person vereinigt in dem biblichen Chanoch finden, welcher ebenfalls mit Mitatron und dem Weltregenten identisizirt wurde (s. Zetzer Chanoch, Beth Ha-Midrasch 6c1it. Jellinek 2. Bd. S. 114). Endlich Haben wir nur noch auf eine Stelle im Opfergebete an Mithra (Mihir Nascht 89) aufmerksam zu machen, welche lautet: ״Mithra, welchen zum Priester aufstellte Ahura-Mazda schnell opfernd mit hohen Gliedern. Es opferten der schnellopfernde hochgliedrige Priester mit hoher Stimme; er ein Priester dem Ahura׳Mazda ein Priester der AmschaSpandS. Seine Stimme stieg hinauf zn jenen Lichlern, herab ging sie um diese Erde, hindurch ging sie zu allen KarschvareS. Der zuerst die Haoma-Schalen aufstellte, die sterngeschmückten, geistbereiteten auf dem Berge Haraiti." — Dieses Amt des himmlischen Priesters haben die Talmudisten, seltsamer Weise, nicht dem Mitatron, sondern dem Engel Michael gegeben (s. Chagiga 12; b). Korrespondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. Temesvar, 19. August. Die Geburtsfeier Sr. Majestät unseres erhabenen Monarchen wurde im hiesigen neuen israelitischen Bethause mit besonderer Solennität begangen. Unter den bei dieser Gelegenheit zur Tafel Sr. Erzellenz des Herrn kominandircndcn Generals gezogenen Notabilitäten befand sich auch unser verehrter, in allen Kreisen geachteter Kultusvorsteher Herr Sam. Scharmaun. Estd. Pest, 26. August. Heute Nachmittag findet im neuem Tempel die erste ungarische Trauung Statt, was wir als culturhistorischcs Moment hiemit verzeichnen. Die Verlobten sind: die Tochter des DircctorS der Pannonia-Dampfmühle, Hem» Josef Ullmann und Herr Anton Frank, Director-Stellvcrtreter des ungarischen Bodencreditinstitutes. Bei diesem Anlasse, wo wir die Namen zweier unserer Glaubensgenossen in so ehrenvoller Weise mit zweie»! der hervorragendsten vaterländischen llntcrnehnmngcn in Verbindung gebracht sehen, drängt sich uns durch Jdeenverbi»»dung un- »villkürlich der Gedarike auf, welch iuteressanteS Tableau jüdischen Strebens es gäbe, die Verdienste unserer ungarischen Glaubensgenossen zusammengefasst zu sehen. Wollten die einzelnen Korrespondenten des Ben Chananja jeder vor» seknenl Rayon ans diesem Blatte solche Correspondenzcn zufließen lassen, so wäre das Bild in Kl'irze beisammen. Wir, in der Capitole des Laildes, hätten freilich das reichste Feld vor uns und so wollen >ür für heute uns auf das Gebiet des Industrie und größerer öffentlichen Unteruchnlungen beschränken. Vor alten» müffcn »vir hier der erster» ungarischen altgenreincn Asscc»»ranz-Gesellschaft gedenken, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens nicht nur alle ihre Vorgängerinnen ^überflügelte, sondern sich in ganz Ertropa den Ruf unbedingtester Solidität und fast beispiellosen Gedeihenö zu erwerben »vnsste. Das Verdienst der Gründung urrd der meisterhaftcstcn Leitung gebührt den» in »veitcstei» Kreise!» bekannten leitenden Direktor dieses Institutes, Herrn Heinrich Lövai aus Szegedin. Sein Eifer hat dieses Institut zu dieser Höhe gehoben; nicht zufrieden hiemit gründete er auch »»och die beiden Rückversicherungs-Gesellschaften ״Pannonia" in Pest und ״Securitaö" i»1 Wien, zu deren eifrigsten Directioiismitgliedern er auch zählt. Hier niüssen wir auch des Ehren,»amenS Earl Ullmann erwähnen, ebenfalls Direktor der ungarischen Assecuranz-Gesellfchaft, der jedoch überdies eine Reihe nicht minder schineichelhafter Ehrenposten bekleidet. Wir »vollen unter diesen bloß zwei als die riamhaftesten nennen. Carl Ullmann ist (der Erste als Jude) Beisitzer des königlichen Wechselgerichtes, als welcher er den Titel eines königlichen RatheS führt und ist Eensor bei der Nationalbank, überdies dirigirendes Mitglied mehrerer Bankinstitute. Des Bodencreditinstitutes m»d der Pannonia-Dampfmühle haben wir bereits Erwähnungen gethan. Berühren »vir hier auch die Concordia-Dampfmühle, deren Gründer größtenteils unsere Glaubensgenossen sind. Aehnlich verhält es sich auch mit der kürzlich errichteten Spiritus-Raffinerie und Straßeneiscnbahn Gesellschaft, die von Juden geleitet, theils auch gegründet »vurden. Eine der großartigsten Unternehmungen dürfte die Dona»rdampfschiffahrts-Gesellschaft »verden. Wir finden als Viccpräsidenten derselben Hrn. Moritz Wahrmann, zugleich Präses der Pannonia-Dampfmühle und eine der tüchtigsten mercantilen Eapacitäten. — Schoßbergers Ocl-Raffillerie in Neupcst, Samuel F. Goldbergers und Gerson Spitzers Blaudruckfabricken in Alt-Ofen zählen zu den größten und reuommirtesten Etablissements des Landes. Neiwcst, den» als Hafen und Vorstadt Pests noch eine Zukunft bevorsteht, wurde ebenfalls von 2 Inden, Josef Löwy und I. Neuschloß, gegründet. — Wir »vollen für heute abbrechen, »verden aber diesen Faden »vieder aufnehmen; mögen auch Ihre anderen Eorrespondenteu ein ähnliches versuchen. — Hf. Pest, 26. August. Lö»vS bei Gelegenheit der Todtenfcicr für Gabriel Klanzül gehaltene Predigt findet hier schon ziemliche Verbreitung und »vird überall mit großen» Beifall und mit Interesse anfgenommen. Bjd. Pest, 26. August. Der Stadtmagistrat hat beschlossen neben dem Roch»»sspitale anch ein zweites kleineres Krankenhaus für Eholerakrankc einzurichten, nnd »vurde die Leitung desselben den» verdienten Dr. Josef Rüzsay übertragen. 8. H. Prag, 18. August Vor einem zahlreich versammelten Publikum hielt Herr Dr. Ehrmann, Redakteur des hier erscheinenden Wochenblattes: ״Das Abendland", in der Neusynagoge seine Probepredigt; sicherem Vernehmen nach »vird auch Herr Rabbi Ehrentheil aus Hone uächsten Samstag daselbst predigen. Heute, als an dem Geburtstage Seiner Majestät unseres allergnädigsten Kaisers, »vurden i n allen Synagogen Gebete für das Wohl seiner Majestät verrichtet und Ps. 150 gesungen. Wir heben dies besonders hervor, da die hier erscheinende ״Politik" n!it »nustcrhafter Gewissenhaftigkeit die Kirchen säninitlicher Eonfessionen erwähnte, in »velcheu aus jenem A»»laffe feierlicher Gottesdiest und Reden gehalten »vurden, und nur die in unseren Synagogen stattgchabteu gänzlich ignorirte — quousque fanden»! — D. Gaya, im August. Ich schreibe Ihnen mitten aus dem Getünuncl, dem Gelvoge und Gedränge der Preußenwelche auch den hiesigen Ort seit Ende Juli mit ihrer Gegenwart, nnd z»var 6—800 an der Zahl, beehren, nachden» sie einige Tage sich auf empfindliche Requisitionen in Glacehandschuhen beschränkten. Nein, gegen das Benehmen der Sieger von Sado»va kann man hier keine Klage erheben, sie »varen mit ihren nnbescheide»»«» Forderunge,» im Betragen recht bescheiden. Vor ihrer Annäherung/ hatte ein panischer Schrecken und eine unbeschreibliche Angst vor preußischen» Raub alle Gemüther ergriffen, viele »varen mit ihrer Waare geflüchtet, mit der endlichen Frage אנא מפניך אברה• Nachdem aber einige J»»den von Brünn mit der Nachricht kamen, »vie freundlich und friedlich Freund nnd Feind miteinander lebt, »vie der Wolf mit dem Schafe ruhig lagert, zog Trost und Ruhe auch hier ein, deren Genuß die Ezechen den Juden nicht gönnten. Sie »viffen, daß Herrn Dr. GiskraS kluges und zuvorkommendes Entgegenkommen in Brünn viel zur gegenseitigen Freundlichkeit beitrug, daß aber der Herr Bürgermeister dadurch mannigfachen Anklagen und Verdächtigungen ausgesetzt »var. Ein gleiches Schicksal hatten die hiesigen mit beruhigenden Berichten ans Brünn kommenden Juden, man hielt sie für Pruffophilen oder gar preußische Spione.' Nun kanicn aber die Preußen nnd requirirten ohne Unterschied der Religion, nnd die czechische Verdächtig»»ng zerfiel in ihr Nichts. Auch die Cholera grassirt hier stark. Von den Jude» starben aber nur z»vei kränkliche Kinder. War das ein wi'raouluw? Sind die Jriden niit der Cholera einverstanden'? 8. 6. Erlau, 20. August. Bei einem jüngst vorgekouimenen Falle forderte eine prozeßsührende Partei die Beeidung eines Inden in der