Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1866-08-22 · 34 (22.8.1866) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
34 (22.8.1866)
Date
1866-08-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2542917-2543175-2543209--4940-2548986
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

617 618 Vierzig Jahre später, meine Herren, war dies nichts mehr als eine Erinnerung. Erheben Sie die Juden Rnmäniens und dieselben werden vergessen, daß Sie sie Mit den Füßen getreten haben, sie werden sich wieder aufrichten, sie werden sich in einigen Jahren glücklich fühlen, Ihre Brüder zu sein und werden sich würdig zeigen, Ihnen gleichgestellt zu sein. Mau beklagt sich über die Separation, die sie sich selbst aufzulegen scheinen, weil sie Sie fürchten; über ihre Kleidung, die sie hartnäckig beibehalten. Dock ist unter Ihnen nicht eine große Anzahl von Israeliten, die sich kleiden, wie Sie? Trägt nicht die ganze Jugend, tragen nicht all die Männer, oie ich sah, und die aus allen Städten der Herzogthümer als Deputirte zu mir kamen, tragen sie nicht dieselben Kleider, wie Sie? Ist nicht ein großer Theil dieser Bevölkerung würdig, an der Seite der rumänischen Bevölkerung zu stehen? Oh, wie werden sie Ihnen nachahmeu, sobald Sie dieselben nicht zurückstoßen. Und zeigen sich die jüdischen Frauen auf Ihren Promenaden nicht ebenso gekleidet, wie Ihre Frauen, indem sie doch Ihren Moden, oder, um die Wahrheit zu sagen, den Pariser Moden folgen? Ist nicht ein großer Theil derselben würdig an die Seite Ihrer Weiber gestellt zu werden? Wie glücklich und stolz werden sie sein, wenn Ihre Frauen sie nicht mehr fliehen, sondern vielmehr ihre Häuser aufsuchen werden, wo sie uebst der Wohlfahrt Anstand, Keuschheit und eheliche Treue — die erblichen Tugenden der jüdischen Weiber — finden können. Und dann, meine Herren, lassen Sie die Zeit wirken. Die Alten wollen sich nicht von ihren Kleidern trennen und Viele unter den Jüngeren befolgen den Willen ihrer alten Eltern, weil Gon am Berge Sinai sagte: ״Ehre deinen Vater und deine Mutter", und weil die Verehrung des ValerS und der Mutter tief eingewurzelt ist bei den Israeliten. Aber die Alten gehe» und die Jungen bleiben. Einige Jahre der Brüderlichkeit mit ihnen und Sie sehen diese kindische Absonderung schwinden. Endlich aber, meine Herren, was haben Sie zu fürchten, wenn Sie diesen Akt der brüderlichen Gerechtigkeit durchführen? Richten Sie Ihre Augen auf Europa, auf all die State», welche die Juden gleichgestellt haben? Hat man Ursache, diese Gleichstellung zu bereuen? Haben sich die Juden durch ihr Betragen dieser Gleichstellung nicht überall würdig gezeigt? Seil sechzig Jahren besteht die Jury in Frankreich und noch kein Jude wurde wegen Meuchelmord oder wegen Vergiftung verurtheilt. Der Mord ist bei uns unbekannt. Was die Juden auf den Carriören, die ihnen geöffnet sind, werden, wissen Sie. Wie viel berühmte Ramen weisen sie auf in den Künste», in den Wissenschaften, in der Literatur, auf den Neduerbühnen, bei den Gerichten! Ich will dieselben nicht auführen und werbe zum Schlüsse nur noch von England und Frankreich sprechen. In England sind Juden Mitglieder des Parlaments und die City wählte vor fünf Jahren einen Juden zu ihrem Lordmayor und der gegenwärtige Lordmayor ist gleichfalls ein Jude. Und iu Frankreich! Ach entschuldigen Sie mir, meine Herren, das Gefühl des gerechten Stolzes! Hören Sie! ES gibt in unseren modernen State» ein hohes Amt, das von dem, der dasselbe bekleidet, die größte Ehrenhaftigkeit, die skrupulöseste, die delikateste Rechischaffenheit fordert, es ist daS Amt des Ministers der Finanzen. Run, meine Herren, in unserer glorreichen Epoche vom Jahre 1848 war dieser Minister ein Jude! Dann gibt es, meine Herren, auf dieser Erde eine Macht, die Gott in die Hände des Menschen legt, der die Verpflichtung hat, dieselbe wieder aus den Händen zu geben. Dies ist die Macht der Justiz, der menschlicheu Justiz, dieser zum Schutze der Gesellschaft dem Himmel entsprossenen heiligen Einrichtung. Der Minister der Justiz ist in gewisser Beziehung der Minister von oben. Dieser Minister der Größe und der Heiligkeit, der Minister der Justiz war bei der provisorischen Regierung gleichfalls ein Jude, und dieser Jude steht vor Ihnen! (Unterbrechung durch Be i falls rufe). Meine Herren! Die Rührung übermannt mich und ick schließe. Aber wird diese Sitzung ihre Früchte tragen? Wird die große Ehre, die Sie mir erwiesen, indem Sie sich um einen schlichten Bürger versammelten, ihre Spuren zurücklassen? Mein Leben ist bereits voll, meine Herren, und sobald mich Gott abrust, bin ich bereit. Wenn Er aber das Maß übervoll machen will; wenn ich, in meine theure Heimat zurückgekehrt, vernehme, daß Sie den edlen Gedanken der vollständigen Emanzipation der Juden begriffen und daß Ihre Konstitution dieselbe votirt hat, daun werden meine letzten Worte die sein: ״Mein Gott, segne Rumänien!" Sie wissen, mein lieber Havin, was hernach gekommen : daß nämlich die blutgierigen Feinde der Juden, nachdem sie auf eine Majorität in der Kammer nicht mehr rechnen konnten, die Erneute aufhetzten, von deren traurigen Folgen ich Ihnen in meinem vorigen Briefe berichtet habe. Ich erneuere Ihnen, mein theurer und alter Freund, den Ausdruck meiner hiugebendsten Gefühle. Adolf Cremieur. Ko rresponden). Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. M. Szegedin, 15. August. Gestern Abend ist in der hiesigen Synagoge unter der Theilnahmc nicht nur der jüdischen Gemeinde, sondern der ganzen Stadt die Klanzül-Feier abgchaltcn worden. Die edle Witwe des verblichenen mit ihren Kindern und ihrem Vater fand sich ebenfalls ein, und wurde von einer Deputation des jüd. Franenvereins empfangen. Der ung. Reichstag war durch die,Herren Ludwig Ietelfalnsy aus dem Borsoder Komitatc und Ladislans Domonkvs aus dem Szäklerfelde in Siebenbürgen vertreten. Die anderen anwesenden Mcichstagsdepnticten mußten mit dein Nachmittagzuge abreiseu. und war der Baron Joses Evtvvs so freundlich, den Rabbiner zn besuchen, nnd ihm sein Bedauern hierüber anszudrücken. Die obengenannten Reichütagsdeputirten drückten anc Schluffe der Feier der Geineinde und dem Rabbiner ihren Dank aus, hinznfügend, daß sie nicht unterlassen werden, über die in der Szegediner Synagvgc empfangenen Eindrücke beim Reichstage Bericht zu erstatten. Auf eine Stelle der nng. Denkrede des Rabbiners anspielend, sagte Herr Ietelfalnsy, daß die Emanzipation der Inden in Nngarn bisher nur durch die Umstande verhindert, zu den Wünschen und Aufgaben des ungarischen Repräsentanten׳ Hauses gehört. Die Denkrede hatte Zach. 11, 1—3. znm Terte. Herr Kantor Kartschmaroff sang die hebräischen und ungarischen Gesänge mit wahrer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.