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Ben Chananja · 1866-08-22 · 34 (22.8.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
34 (22.8.1866)
Date
1866-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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613 614 welche für die Israeliten Propaganda macken." Ich wurde von ihm eingeladen, mich •in ein Bureau der Kammer zu begeben, wo mehrere Abgeordnete zu einer Besprechung über die Unterdrückung der Juden sich einfinden sollten. Der Minister Rosetti und der Präsident empfingen mich. Ick trat in einen Saal, wo ich zehn bis zwölf Abgeordnete fand, die mir den liebenswürdigsten Empfang bereiteten. Nach und nach füllte sich der Saal. Der Justizminister (Cantacuzen) und der Minister der öffentlichen Arbeiten (Stourdza) kamen, und mehr als fünfzig Abgeordnete bilderen die Versammlung. Nachdem Jeder Platz genommen hatte, dankte ich in einigen Worten für die wohlwollende Bereitwilligkeit, welche so viele Mitglieder der Kammer bewiesen, und die nun einen einfachen Bürger, der für seine Glaubensgenossen zu sprechen beabsichtigt, vor eine solche Zuhörerschaft versetzte- Hierauf stellte ich die Frage mit folgenden Worten: ״Sind Sie, meine Herren, gehalten, den in Rumänien gebornen Inden ihre volle Emanzipation zuzugestehen? Ein heftiges Vorurtheil beherrscht diese so einfache Frage: gegen die Juden eriftirt ein lief wurzelnder Haß. Ist dieser Haß gerecht, ist er billig? Was sind seine Motive? Die Juden haben Christus gekreuzigt! Sie haben Gott anS Kreuz geschlagen! Ach, meine Herren, es sind mehr als achtzehn Jahrhunderte, mehr als sechzig Generationen haben fick erneuert und der Haß gegen die Inden überdauert die sechzigste Generation! Das Verbrechen ist ein ungeheures; wird aber die Rache nie gestillt sein? Und was für eine Rache! Plünderung, Vernichtung, Vertreibung, Einziehung der Güter, die wegwerfendste Sklaverei, Tortur, Scheite! Haufen, Feuertod, der Tod in allen Formen, — wer kann sie nennen die unendliche Zahl der tausend und aber tausend hingeschlachteten Opfer? Und er ist nicht zu beschwichtigen, dieser ruhe- und rastlose Zorn! Und gleichwvl! können sie die Juden für schuldig und einer nachsichtslosen Strafe verfallen erklären; wenn sie den Tod Christi von religiösem, filosofischem und dumauem Standpunkte betrachten? Zuvörderst von religiösem Standpunkte. Christus war Gott, Gott von Ewigkeit, wie Gott Vater selbst. ״Im Anfange, sagt der Apostel, war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort und vom Anfang an ist ohne dasselbe nichts gemacht." Von aller Ewigkeit war Gott entschlossen, sich aufzuopsern, am Kreuze zu sterben; er hatte den Tag und die Stunde seines scheinbaren Todes bestimmt. Er hat gewollt, daß die Inden ihn verkennen und diese grausame und niederschlagende Mission erfüllen sollen. Wie konnten die Juden dieser entsetzlichen Verfügung entrinnen? Gott wollte es, wie konnten sie sich dem Willen Gottes entziehen? Nicht wahr, meine Herren, Gott wo.llre eS? denn nichts wäre für Christus einfacher gewesen, als diese Tragödie zu vermeiden. Er durfte vor der Wache, die ihn zu saugen kam, einfach die-Arme kreuzen und sagen: ״Ich will nicht" und alle wäre» aufs Knie gefallen. geblendet von seiner Göttlichkeit. Er ließ die Herzen verstockt, als er noch jeden Grimm zu vernichten vermochte. Mit einem Worte, die Juden haben durch den Willen GvtteS Gott geopfert! Aber wenn Gott sterben wollte, daS Lamm ohne Mackel, so war es, um eine unermeßliche Wohlthat über die Welt auszubretten: Agnus Dei, qui tollit peccata muudi! Dies die hohe Mission, die er sich gesetzt. Er wollte sterben, um die Erbsünde zu tilgen, um den Menschen vom ewigen Tode zu befreien. Die, welche er erwählt, auf daß sein Tod diese Mission erfülle,— die Erlösu ng von der Sünde, die Erlösung von dem To de, — die sind eS, die Ihr seit achtzehnhundert Jahren mit dem trostlosesten Fluche belastet. Und Christus hat doch gesagt: ״Parce eis Domine, quia nesciunt quid faciunt.“ — Ja, dies Verbrechen war unwillkürlich nicht gekannt von denjenigen, die eine Verfügung Gottes vollführt, eine Verfügung , deren Vollführung eurer Geb u r ts die R e i nheit, eurem Tode daö ewige Heil verlieh. Wenn wir nächst der Religion die Filosofie befragen, welch großes schmerzliches Erstaunen flößt uns dann dieser Jahrhunderte währende, unendliche, unauslöschliche Haß ein! Wie! Sechzig Generationen büßen die Sünde der ersten.' Die unsterbliche Strafe! — Wie oft befremdete die Filosvse das göttliche Wort: ״Ich werde die Sünde des Vaters an den Kindern strafen, bis ins dritte und vierte Geschlecht!" Um׳ was ist diese Strenge der grenzenlosen Strafe gegenüber, welche dieselbe bleibt während des ganzen Verlaufes von Jahr- Hunderten? Sie, meine Herren, die Sie Frankreich so sehr lieben, die Sie zu unserer großen Freude Ihren Ruhm darin finden, den Franzosen nachzuahmen, Sie werden der zwei großen Prinzipien gedenken, die unsere großen Filosofen des 18. Jahrhunderts in den Vordergrund gestellt haben: ״Die Fehler sind persönlich, die Strafen sind persönlich." ״Die Freiheit und Gleichheit der Religionen ist eine der ersten Freiheiten des Menschen!" Keine Solidarität, selbst zwischen Vater und Sohn nickt; denn es gibt in Wirklichkeit nichts Ungerechteres, als diese Solidarität zwischen dem Schuldigen und dem Uusckuldigen, die durch nichts, als durch die Bande des Bluts mir einander verbunden sind. Und wenn Sie diese Uugerechtigfeit auf die Lösung unserer Frage anwenden, wird sie entsetzlich! Wenn Jesus Christus auf die Erde käme, die Juden des 19. Jahrhunderts würden ihn wirklich nicht kreuzigen. Und dennoch würden Sie dieselben hassen und mit Füßen treten, weil sie im Jahre 1666 die Nachkommen der Juden sind, die ihn im Jahre 33 kreuzigten! D i e Freiheit der Religionen und i b ׳ e Gleichheit! Seher, — so sprechen unsere Filosofen, — Gott erlaubt eine große Zahl von Religionen. Er duldet eS, daß Ihn jede nach ihrer Art anbete, und Er straft selbst die nicht mit Seinem Zorne, die sich zu falschen Göttern bekennen. Und die Menschen wollen Gott rachen, wollen Ihn rächen selbst solchen Religionen gegenüber, die Ihn, den Scköpfer, anrufen! Und es ist zum Verzweifeln! Die Nachkommen deS Volkes, in dessen Mitte Gott seln^ Buudeslade setzte und daö den Monotheismus mit dem Preise so vielen, aus seinen Adern geflossenen BluteS verkündete; diese sind eö, 34 *

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