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Ben Chananja · 1866-08-15 · 33 (15.8.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
33 (15.8.1866)
Date
1866-08-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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603 604 Genug, ich muß schließen. Man holt das Briefchen. Gut Purim Gedenken Sie meiner in Freundlichkeit und Geneigtheit, wie ich Ihrer. Ihr Mannheimer. Kommen Sie nicht einmal nach Wien? Es könnte nicht schaden, Korrespondenz. Emanzipation und bürgerliche Verhältnisse. 8. Szegedin, 12. August. Bei der gestern abgehaltenen Ausschußsitznng des hiestgcn bürgerlichen Kasinos wurde Herr Karl Louis Posn er in Pest sür seine bei Anfertigung des Deäk-AlbumS auf eine glänzende Weise an den Tag gelegte patriotische Uneigennützigkeit zum Ghrenmitgliede des Kasino erwählt. Der Antrag ging vom Präsidenten des Kasinos, dem 1861er Stadtrichter Herrn Gmanuel Vadaß, aus. D. Wie», 18. August. Dr. Güdemanu hat gestern im Leopoldstädter Tempel seine Antrittspredigt gehalten. Das Gotteshaus war aus diesem Anlasse von einer besonders zahlreichen Schaar Andächtiger gefüllt, welche dem Bortrage des Predigers mit großem Interesse folgten. L. Pest, 3. August. Herr Ludwig PorgeS, Professor der Handelswissenschaften, besang die glückliche Errettung des Kaisers von Rußland in einem schwungvolle» lyrischen Gedichte, welches ec seiner Zeit diesem Monarchen unterbreitete. Dieser Tage erhielt er nun aus Petersburg ein ihn sehr ehrendes Schreiben, worin ihm der Minister des kaiserlichen Hofes die Mittheilung macht, daß der Kaiser das Gedicht ״mit besonderem Wohlgefallen" entgegennahm. V. Pest, 8. August. Unser Landsmann und Glaubensgenosse, der ehemalige Prediger der hiesigen Neformgenossenschaft, der jetzt in Paris lebende Eduard Horn erhielt vom Kaiser der Franzosen die nl-6ttr63 66 Arnvcis Naturalisation." Jüngst erschien von ihm ein grö« ßeres Werk im Gebiete der Nationalökonomie, betitelt: ״L’economie politique avant les Physicrates“; ein anderes nationalölonomischeS Werk von Horn wurde von der französischen Akademie gekröni und wird nächstens im Druck erscheinen. Ll. Pest, 9. August. Gestern wurde hier ein jüdischer Unteroffizier, der seinen in der Königgrätzer Schlacht erhaltenen Wunden erlag, zu Grabe getragen. Das Begräbniß war wahrhaft imposant. Im Trau-rgelcite erschienen Soldaten und Offiziere iu großer Anzahl. Auch die Mililärmusik verlieh dem traurigen Akte eine feierliche Weihe. Der Verstorbene war ein wackerer Soldat, der sich bereits im 1859er Feldzuge rühmlichst hervorthat und hicfür von Seiner Majestät mit der golden en Tapfe rkeitSmedaill e belohnt wurde. Pest, 5. August. Einem verarmten jüdischen Schneidermeister kam der christliche Vorsteher der Schneiderin״,ing mit anerkennenswerther Bereitwilligkeit zu Hilfe, indem er zu seinen Gunsten eine Geld,ammlung unter den hiesigen Schneidern veranstaltete. Die politischen Blätter registriren mit Genngthuung diesen Akt der Duldsamkeit nttd Nächstenliebe. 8. Kavlsburg, 6. August. Auch unsere Gemeinde hat sich an den vom Kriege auserlegten Opfern nach Thunlichkeit betheiligt. Sie lieferte eine bedeutende Quantität Charpie und Verbandstücke, spendete einige hundert Gulden baar, und erklärte sich außerdem bereit, die verwundeten Krieger im jüdischen Spital zu verpflegen. 3. Pest, 8. August. Das jüdische Spital verzeichnet einen Ehren- und Freudentag. Ihre Majestät die Kaiserin beehrte dasselbe mit Ihrem Allerhöchsten Besuche und geruhte längere Zeit daselbst zu verweilen. Kultus und Kultusgemeinde. i. AnS dem Cfanüder Komitat, 8. August. Daß sich der ChaßidäiSmus auch hier breit zu machen versucht, ist den Lesern des ״B. CH." nicht unbekannt; ich glaube aber nicht, daß dieselben auch mit dem Agenten dieser famose» Clique bekannt zu sein die Ehre baben. Dieser Agent benamset sich Israel Ullmann und ist der Sohn des verstorbenen Maküer Rabbiners {ןצ״ל. Herr Israel Ullman» reflektirte bekanntlich nach dem Tode seines BaterS auf den Maküer Rabbinerposten und nachdem er denselben — aus Gründen, die lediglich in seinem noch jugendlichen Alter zu suchen find — nicht erhielt, fand er es seiner am würdigsten, sich dem ChaßidäiSmus in die Arme zu werfen. Er macht nun für Schlesingers ״Amud Hajirah" Propaganda; wie viel Perz. er von dieser berühmten Monatsschrift bezieht, konnte ich trotz meiner eifrigen Nachforschungen nicht eruiren. Nebrigens sind hier nicht Wenige der Ansicht, daß der junge, sehr talentirte Ullmann nur in der ersten Aufregung seines Zornes gegen die Maküer Gemeinde dem ChaßidäiSmüS verfiel. Sobald die Zeit seines ersten Zornes verscheucht sein und einer nüchternen Auffassung Platz gemacht haben wird, wird sich Ullmann — so hoffen die eben erwähnten Optimisten — dem Fortschritt znwenden und seine bedeutenden Kräfte der Sache der Reform widme». Herr Ullmann wird doch diese Hoffnung nicht zu Schanden machen! Pr. Jägerndorf, 3. August. Am 5. Juli zogen ungefähr 800 Preußen hier ein. Dle Bestürzung war sehr groß, die jungen Leute, selbst Verheiratete, ergriffen sofort, aus Furcht, assentirt zu werden, die Flucht. Am 19. Juli verließen die Preußen zu unserer größten Freude die Stadt. Trotz des Krieges wurde die k. k. Haupt- und Realschule dennoch nicht geschloffen. Am 8. August beginnen erst die Ferien. Gestern am 1. August beglückten 60 österreichische Soldaten unsere Stadt- Die Freude der Bewohner war eine unbeschreiblich große. Die hiesigen Israeliten beschenkten sie mit Wäsche, Stieseln und Geld. Kaum waren sie zwei Stunden hier, als sie Befehl bekamen, weiter zu marschiren. Seit Beginn des Krieges wurden in der hiesigen Synagoge Gebete für das Wohl des erhabenen Monarchen, wie für das Aufblühen unseres geliebten Vaterlandes bei offener BundeSlade abgehalten. Preßburg, 10. Juli. Vor einigen Tagen war unsere Synagoge der Schauplatz eines Diebstahls. Der Schaden ist nicht bedeutend, die Sache macht nichtsdestoweniger viel von sich reden. Schulwesen. 1. Königsberg (in Preußen), 4. August. Der Berichterstatter auö Fünfkirchen gedachte in Nr. 30 S. 557 dieses BlalicS tat Allgemeinen des Heimganges deö hochverdienten Adolf Diester weg, ohne zu ahnen, daß dem Verblichenen ein gcnz vorzüglicher Ehrenplatz in der neuern Geschichte der preußischen, respektive deutschen Inden gebühre. Denn nicht nur nahm sich Dicsterweg während seines Direktorats am Berliner Schullchrerseminar der jüdischen Hospitanten dieses Institutes — Seminaristen, im eigentlichen Sinne deö Wortes, konnten und durften sie damals laut Ministerialverordnung nicht werden — väterlich an; sondern er förderte mit seltener Zuvorkommenheit deren spätere praktische Lebensstellung durch Rath und Thal; er war Freund und Verehrer des ' großen Zunz, besuchte regelmäßig dessen literargeschichtliche Vorträge und bethätigte überall seinen Hochsinn für die Inden, wo eö galt, ihre statliche oder bürgerlich-gesellschaftliche Stellung zu heben und zu bessern. Als Diesterweg zum 100jährigen Geburtstage Pestalozzis die Pestalozzi- Stiftung zur Unterstützung und Erziehung armer Waisen des deutschen Lehrerstandes ins Leben rief, betheiligte sich auch Dr. Jolowicz, damals in Kulm in Westpreußen, an dem Unternehmen, sammelte Mitglieder und Beiträge, mochte jedoch letztere nicht eher an die Zeniralkaffe abliefern, bis ihm die Zusicherung geworden, die Stiftung werde keinen beschränkten konfessionellen Charakter haben, sondern den Bekenner» aller Religionen ohne Unterschied zu Gute kommen. Auf das dieserhalb an Diesterweg gerichtete Schreiben erhielt Dr. Jz. folgende Antwort: Berlin, 26. Dezember 1845. Hochgeschätzter Herr Dr.! Mit herzlichem Dank für Ihr geschätztes Schreiben und Beilage verfehle ich nicht, Ihnen die Beilage zu überreichen. Sie werden daraus einige Antwort auf Ihre gefälligen Fragen vernehmen. Mehr läßt fich jetzt noch nicht sagen, oder wenn ich es könnte, so muß ich׳ doch die übrigen Glieder des Vorstandes darüber hören. Ich hoffe: den Lehrern genügt vorerst die Versicherung, daßdie Pestalozzi-Stiftung eine deutsche sein wird, und die, verschiedenen Konfessionen angehörigen Unterzeichner des Aufrufs werden dafür bürgen, daß von einer erklusiven Richtung der Anstalt keine Rede sein kann. Wie Pestalozzi sür alle Lehrer ohne Ausnahme gelebt und gewirkt

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