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Ben Chananja · 1866-08-15 · 33 (15.8.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
33 (15.8.1866)
Date
1866-08-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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601 602 aber dennoch daselbst Jeschiba hielt, also vor ungefähr 40 Jahren das Fragment eines Planes für eine nicht nur zu errichtende, sondern wie eS den An« schein hat, schon ganz nahe der Eröffnung stehende Talmud, und Rabbiner« schule. Da dieser Entwurf nur fragmentarisch und skizzenhaft sich vor« findet, so mögen blos folgende 2 Punkte hier Erwähnung finden. Der eine handelt von den Klasseustufen, besonders hinsichtlich des sittlichen Betragens und diese zerfallen ui ״Sittenprimaner und Sekundaner." ״Wer Sittenprimancr ist, bekleidet schon gewisse Ehrenämter in der Schule, er hat die Aufsicht über die Andern und darf Anspruch machen auf den Gehorsam und die Achtung seiner Kollegen, er genießt daS Vorrecht, von den Lehrern mit ״Sie" angeredet zu werden, er wird ferner bei sonstiger Tüchtigkeit bei den Prüfungen mit Prämien bedacht. Die Schüler niedereren Klaffenranges dürfen von den Lehrern mit ״Du" angeredet werden, auch werden die verschiedenen Rangstufen und Klassifikationen in das DiSziplinarbuch der Anstalt eingetragen. Ein anderer Punkt handelt von den Prüfungen. ״Diese haben vor einem eigenen, aus sachverständigen Männern bestehenden Komitü jeden Kurs vorgenommen zu werden uuv werden Zeugnisse mit dem KalkuluS 1. und 2. Klasse ausgestellt; außerdem werden auch חבר und מורינו vom Laudeörabbiner verabfolgt. Die התרה hingegen soll erst bei Er« langung des Doktorates erreicht werden können." Schon vor ungefähr 40 Jahren also forderte man vom Rabbiner akademisch-filolofische Bildüng und wollte sich nicht mit der Erlangung bloßer gymnasietter Kenntnisse begnügen, wie dies von manchem Herrn Ausarbeiter des RabbinerseminarentwurfeS im Jahre 1864 beabsichtigt wurde. Bei Gelegenheit komme ich auch dem Wunsche des Herrn Prof. M. Stöffel aus Brünn im ״B. CH." 8. S. 601 mit Vergnügen nach und bemerke, daß der daselbst erwähnte Mayer I. Turnau, in dessen Besitz das astronomisch-mathematische Werk נחמד ונעים von D. GanS war, mein seliger Großrater mütterlicher Seite gewesen sei. Dieser Maun, ein ausgezeichneter hebräischer Stylist, wie auch ausgezeichnet an rabbinischem und profanem Wissen vereinigte in sich zur Zeit, als Triesch (meine Geburtsstadt), durch Abgang des sel. R. Lazar Halevi, Verfasser des שמן רוקה Rabbinerlos war, die Funktionen eines Rab« binerS und Vorstehers sda er auch recht wohlhabend war) wie auch aus einem Pränumerantenverzeichniffe des H. Homberg'schen אמרי שפר ersichtlich ist. Wie ich vermuthe, hat auch dieser mein sel. Großvater an der Ausarbeitung des obenerwähnten RabbinerschulenentwurfcS bedeutenden Antheil genommen. Er ließ seinen Kindern eine auSgezeich, nete gebildete Erziehung angedeihen, und war, als noch mein sel. Vater als Schwiegersohn in diese Familie kam, dieselbe eine durch rabbini- »cheS Wissen, Intelligenz und Frömmigkeit weit berühmte. Ueberhaupt war Triesch dazumal fast die gebildetste, vorwärtSstrebendste Gemeinde in Mähren — sie war die erste, welche eine öffentliche Normalschule errichtete — so baß sie mit dem Ehrennamen ״Kleinberlin" belegt zu werden Pflegte. Einige der berühmten Rabbinen unserer Gegenwart, so z. B. wie ich glaube, der weitberühmte und gelehrte Rabbiner Joachim Pollak in Trebitsch, wie noch viele lebende ialmudisch gelehrte und wissenschaftlich gebildete Laien haben in Triesch und besonders in meiuem großelterlichen und elterlichen Hause den Grundstein zu ihrem Ruhmestempel gelegt. Heute, soll, wie ich höre, Triesch seinen ganzen Glanz verloren haben חבל עלראברין! Griefe zur Charakteristik der Zeit und -er Zeit genossen* **)). XIII. Mannheimer an Löw.") Herrn Oberrabbiner Löw, Ehrwürben in Kanizsa. Die Abreise des Herrn Doktors Kremsier, der im Begriffe ist, nach Kanizsa zu gehen, und mich um einige empfehlende Zeilen angeht, ist mir eine Veranlassung mehr, wieder einmal mein Angedenken bei *) S. VI. Jhrg. S. 196. 197. 343. 353. 715.747.748. VII. 496. VIII, 119. 490. 662. **) Dieser Brief, dessen Original kein Datum trägt ist im Frühlinge 1846 geschrieben worden. Red.׳ Ihnen in etwas aufzufrischen, zugleich Ihnen für die in Ihren letzten — durch Ihre verehrte Mutter überreichten Zeilen — meinen Dank abzustatten. Was zu den Aeußerungen Veranlassung gegeben haben könnte, ist mir selbst nicht, bewußt. Daß ich von Ihren Nnternehmungrn und dem Gange und der Richtung Ihrer Bestrebungen, seitdem Sie m Kanizsa sind, keine Nachrichten habe, und darüber nur weiß, was ich von Anderen höre, ist Astes, was ich in der Beziehung kann haben fasten lassen und in der That haben Sie den Punkt nie berührt und überhaupt nur immer kurz und flüchtig und zwar gelegentlich an mich geschrieben. Indessen genügt mir Ihre Versicherung, daß Sie noch die« selben Gesinnungen gegen mich hegen, und kann ich betheuern, daß ich stets mit der größten Achtung von Ihnen spreche und mich Ihrer Beförderung herzlich freue, da unter den vielen neuen und alten Geisteru, die mir sich genähert, nur wenige sind, deren ich mich zu rübmen habe. Ich bedauere daher um so mehr, daß unsere Berührungen so selten sind. Sie kennen meine Offenheit und Gradheit, und jede Zurückhaltung vou der andern Seite stößt mich ab. 1ר"ל- Neues habe ich Ihnen nicht zu melden. Mein Theodor, nach dem Sie gütigst sich erkundigen, ist groß gewachsen und hat auch in litteris mächtige Fortschritte gemacht, hat das Hebräische gerade nicht mit dem Eifer betrieben, mit dem ich es wünsche, ist aber doch״nicht zurückgeblieben. In dem Augenblicke lernt er נמרח und hat es doch so weit gebracht, daß er so ziemlich geläufig liest, was ich immer für die Hauptsache gehalten, denn unsere modernen Theologen und ")אב ח sind nicht immer in dem Falle und er gibt Einigen von ihnen etwas vor. Er gibt sich viel mit mathematischen Studien ab, namentlich beschäftigt ihn die höhere Mathematik und da wist ihm die מרת שוה nicht recht schmecken, was ec übrigens mit älteren אמוראים gemein hat, die auch deren gekuobert haben. Mit diesen Zeilen wist ich Ihnen übrigens auch den Herrn Dr. Kremsier zur gütigen und freundlichen Aufnahme empfohlen haben. Sie werden an demselben einen sehr gebildeten, vielseitig gebildeten, fleißigen und wohlwollenden Mann kennen lernen, der in Holleschau eine bedeutende PrariS hatte und mit vielem Erfolge für die Kranken, aber mit wenigem und geringem Erfolge für sich durch eine Reihe von Jahr» n beschäftigt war und jetzt in dem vielgepriesenen freien Ungarlande einen reichhaltigeren Wirkungskreis sucht, als in dem ganz verarmten Hosteschau, wo der Doktor nach den Kranken steuern muß. Ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, daß Sie mich sehr verpflichten werden, weritt Sie demselben bei seinem Auftreten ln Ihrer Stadt irgendwie und wo behilflich sein können. WaS ihn veranlaßt, nach Kanizsa zn gehen, weiß ich nicht. Eine äußere Derlanlaffung ist ihm gegeben, nur erinnere ich mich dessen nicht. In meinem Hause geht übrigens alles in altem Gange', meine Frau kränkelt wie gewöhnlich, meine Kinder wachsen heran. Eduard ist in einer Schreibstube als Praktikant und die andern werden für das« selbe Fach vorbereitet. Möge Gott das Seine dazu thun. Daß man mit den kleinen Kindern kleine, mit den großen Kindein große Sorgen hat, haben schon alte Weiber vor mir gesagt. Ich kann nur sagen, daß die alten Weiber im Rechte waren. Bon Sachs in Berlin habe ich die besten Nachrichten, das muß ich zur Berichtigung der lügenhaften Zeitungsschwätzer auch nur melden. Ec steht in Ehren und Ansehen in Berlin, predigt mit ungemeinem Erfolge und Beifalle, und seine Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur erfreuen sich der Theilnahe von bedeutenden Autoritäten. So gehört z. B. Humboldt zu denen, die sich persönlich für ihn intereffiren Humboldt har sein Buch dem Könige überreicht, der ihm eigenhändig darüber geschrieben hat; das kommt freilich nicht in die Zeitungen weil Sachs nicht zur Fahne des Reformwesens und der Schwindler gehört. Wäre das dem Stern begegnet, der übrigens gar nichts ist, als ei» Sch....stern, so hätten Sie hören und sehen sollen, wie man da ולמוח V מרעיש gewesen. Aber so — LMütköML esto! Ich habe kürzlich ein Gutachten auf Requisition deö Pariser Zentralkonsistoriums über gottesdienstliche Reform geschrieben, wenn das gedruckt wird oder werben sollte, was ich nicht hoffe, so wird es wieder über mich hergehen als über einen Abtrünnigen und Retrograden-

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