Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 33 (15.8.1866)
- Date
- 1866-08-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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599 600 chen Lage geboren worden wäre, wie der Israelit, in seiner moralischen Stellung nicht noch niedriger stünde, als der Israelit? Die Unterdrückung kann, so glaube ich, keine Siktlichkeit erzeugen und entwickeln; und wenn es trotz dieser Lage unter den Jsraliten so viele gute Menschen gibt, so zeigt dies zweifelsohne, daß der ganze Volksstamm, der jetzt unter dem Drucke steht, der Tugend fähig sei und daß sich derselbe von den Sünden, in die er verfallen ist, in kurzer Zeit befreien werde. Ich aber bin kein Freund des Aufschiebens und glaube, daß, wenn die löblichen Stände gegenwärtig ein Gesetz krekren, welches anordnet, daß die Juden in den Städten Bürger sein können, wir dadurch die Nothwendigkeit, über dieselben ein allgemeines Gesetz zu schaffen, noch nicht beseitigt haben. Was jene Besorgnisse betrifft, welche der Deputirte des Pester KomitatS vorgebracht hat, daß nämlich die Juden aus den österreichischen Provinzen sich hereinschaaren und das Vaterland bedecken würden; so kann man dem durch ein Gesetz für die Ausländer Vorbeugen. Das aber ist unmöglich, daß Diejenigen, die wir bereits ins Land gelassen haden, die an allen Steuergattungen partizipiren, die nicht nur alle gesetzlichen Steuern tragen, sondern — gestehen wir nur die Wahrheit — zur Schande der Regierung und der Nation — dafür, daß sie Gott so anbeten, wie es ihre Väter thaten, auch durch eine ungesetzliche Steuer gedrückt werden; es ist unmöglich, sage ich, daß wir diese aller Rechte berauden, nur darum, weil sie sich zu einer andern Religion bekennen. Und damit man dem CsongrLder Komitate «ich t vorwerfen könne, daß dasselbe der Judenheit nur in den Städten Rechte verleihen wolle, spreche ich ganz offen die Instruktion meiner Absender aus, daß sie den Inden, wie auf dem porigen, so auch auf dem gegenwärtigen Landtage, mit den nichtadeligen Bewohnern des Landes gleiche Rechte ertheilen wollen, und dieselben zu emanzipiren wünschen. Hieraus folgt auch, daß ich meine Stimme für die in Frage stehende Fassung abgebe. Zum Schluffe will ich noch Diejenigen, die gegen die Juden die Waffen des Spottes zu gebrauchen pflegen, an die Tabellen erinnern, die vor einigen Tagen verlesen wurden. Ich meine die Kriminal-Tabellen. Aus diesen kann Jeder ersehen, daß die Zahl der israelitischen Sträflinge zu der der christlichen Sträflinge in keinem Verhältnisse steht, weil sich viel weniger Juden in sträfliche Fälle verwickeln, als Christen. Diese Thatsache ist aus Tabellen geschöpft, die sich Jeder anschaffen kann, aus gerichtlichen Kriminal-Tabellen, die nach Religionen eingetheilt sind, und [cS erleidet keinen Zweifel, daß diese für die Juden ein günstigeres Sittlichkeitsmaß abgeben. Ich schließe damit meine Rede, daß ich den Menschen, der sich nur dann frei fühlt, wenn es auch Sklaven auf der Welt gibt, auf einer niederen Stufe der Bildung erblicke; ich nenne den einen freien Menschen, der da verlangt, daß Jedermann frei sei, daß um ihn und neben ihm kein Mensch sei, der ihn an die Ungerechtigkeit deS Gesetzes erinnert! Malroii (פדטטחן). mn archäologischer Gzkurs. Don Areisrabbiner I. WieSner. Wir begegnen hier, wie in neuerer Zeit hin und wieder bemerkt wurde, und wie wir bereits im Jahre 1862 in diesen Blättern (S. 384) anzudeuten Gelegenheit fanden, einer Person aus der persischen Mythologie, welche in unsere theologische Literatur, versteht sich mit einigen Modifikationen, sich etngeschlichen hat. Es sei uns gestattet, hier auf diese Persönlichkeit, wie sie in der Zendsage und in den jüdischen Schriften aufgefaßt wird, etwas naher einzugehen. ״Mithra", sagt Rhode (Sage der Perser S. 264) ״ist der Schutzwächser der Welt und der Provinzen Irans. Ormrrzd! hat ihn auf Albordj zum Mittler für die Erde geschaffen. Er läuft vom Albordj aus, durchkreiset den ganzen Raum zwischen Himmel und Erde, bis er wieder zur Brücke Tschinevad zurückkömmt." Sein Mittleramt für die Erde wird genauer bestimmt: ״Ormuzd schuf ihn zum Mittler der Erde, daß er sie weit mache in OrmuzdS Welt, ihr Weite und Fruchtbarkeit gebe, da Devs sie drücken (vgl. Spiegel Avesta 3. B. S. XXV.)" — Wir haben hier den vom höchsten Wesen eingesetzten Regenten der Welt, welcher im Talmud (Chulin 60, a. Jabamoth 16, b.) שר העולם oder auch )2יםםרו—Mithra genannt wird. In dem Opfergebete an Mithra (Mihir Pascht 103) heißt es: ״Mithra, den zum Beschützer und Umfrieder der ganzen lebendigen Natur Ahura-Mazda geschaffen hat. Der uneingeschläfert mit der Waffe beschützt des Mazda Geschöpfe."- Die Gemara (Synhedrin 38, b) gibt dem Mitatron sogar das Mittleramt zwischen Gott und Moscheh, eine Annahme die den Judcnchristen für ihre Folgerungen ganz besonders günstig erschien, und sie waren ganz in ihrem Rechte, wenn sie den Juden mit der Frage entgegenrückten:'״Wenn dem so ist, so solltet ihr dem Mitatron göttliche Ehre erweisen, warum wird dies von euerer Seite unterlassen?" Und in der That können wir diese von Inkonsequenz nicht ganz freisprechen, wenn sie von dem Resultate ihrer eigenen Prämissen erschreckt, den Mittler Mitatron, den sogenannten ״Regenten der Welt", wieder bei Seite schieben, um wenigstens in Bezug auf das Volk Israel die unmittelbare Vorsehung Gottes walten zn lassen (Synhedrin a. a. O.) Mitatron trägt den Namen seines Herrn (daselbst), d. h. nach Naschi, es wird Mitatron zuweilen geradezu mit dem h. GotteSnamen (dem Tetrogrammaten) benannt. ES ist dies nichts besonders Auffallendes, indem auch Rasckban (zu Genesis 18, 1) bemerkt, daß auch dieser heiligste GotteSname zuweilen auf Engel als Stellvertreter Gottes übertragen werde. In ganz ähnlicher Weise heißt es in Avesta (Mir-Past. 1.): ״Es sprach Ahura-mazda zu dem heiligen Zarathustra: Als ich den Mithra, der weite Triften besitzt, erschuf, o Heiliger, da erschuf ich ihn so verehrungswürdig, so preiswürdig, wie mich der Ahura-mazdai. (Schluß folgt.) Zur Geschichte -er Semiuarfrage. Von D. L. Straffer. Bezirksrabbiner in Aula. Es dürste Sie, der Sie im ״B- CH." 8. Jhrg. Nr. 1 und Z den schon 1806 aufgetauchten Plan, in Ungarn eine Rabbinerschult zu errichten, besprachen, wie auch die Leser Ihres geschätzten Blattes inirreffiren, zu erfahren, daß auch in Mähren in dem ersten Viertel unsereS Jahrhunderts schon ein solcher Wunsch und Plan gehegt wurde. Und zwar fand ich dieser Tage unter den Manuskripten meines selige« Vaters ei» Fragment noch von der Zeit, als er in Triesch privatistrte