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Ben Chananja · 1866-08-15 · 33 (15.8.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
33 (15.8.1866)
Date
1866-08-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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597 598 Ich glaube, daß eine Religion, die sich durch Jahrtausende zu erhalten wußte, unmöglich eine andere Grundläge haben könne, als die reine Moral; und unter Denjenigen, die gegen die Juden sprachen, zeige mir Einer eine Religion, die sich so lange zu erhalten verstand. Es ist daher Schade, löbl. Stände, sich auf eine Religion zu stürzen und ihr die Jmmoralität als Grundlage zn imputiren: das ist nicht schön, das ist ein bürgerliches Verbrechen! Auf all das, was gegen die Lehren der israelitischen Religion vorgebracht wurde, erwidere ich nur so viel, daß es kaum eine Religion gibt, welche die Behauptungen und Dogmen der andern Religion nicht für Jrrthümer erklären würde; ich berufe mich nur auf d i e Religion, die sich unter den christlichen Konfessionen die reinste dünkt, und die dennoch ihre Gebete und die Verlesung einer gewissen Bulle gegen die schismatischen Christen bis auf den heutigen Tag beibehalten hat, obschvn aus dieser Bulle nicht das Wort der Liebe, sondern eher das der Unduldsamkeit spricht — und dennoch, wer wird diese Religion der Unduldsamkeit und der Lieblosigkeit zeihen? Das sind Ueberreste einer veralteten Denkweise; Lieblosigkeit und Verfolgung können in einer reinen Religion nicht bestehen, um so weniger in der christlichen. Und betrachten wir die Israeliten. Zeigen sie ein Beispiel der Unduldsamkeit und Lieblosigkeit? Sehen wir nicht, wie der christliche Bettler vor dem jüdischen Hanse reichlieher mit Almosen bedacht wird, als vor dem christlichen? Ist das nicht ein Zeichen dafür, daß Gott dem Juden ein liebend Herz verlieh? Und sieht der Herr Deputirte nicht — was uns Alle in Staunen versetzt —, daß das Gefühl der Barmherzigkeit in keiner Volksklasse so entwickelt ist, wie gerade in der vom Herrn Deputirten so hart getadelten? Er möge nur die Institute und die Armenpflege bei den Juden betrachten und er wird einsehen, daß die Beschuldigung eher uns trifft, als Diejenigen, die er entweder nicht kennt oder nicht kennen will. Die Deputirten des Csanäder und Borsoder Komitals trugen die Gründe der alten Verfolgungen und warum dieses Volk gerade in den Städten verfolgt wurde, ganz richtig vor. Dies hat einen Grund, wovon die Erfahrung einen Jeden überzeugt. Die Israeliten durften bisher in den Städten keine Handwerker sein, in die Zünfte wurden sie nicht ausgenommen und der Egoismus und Selbsterhaltungstrieb der sogenannten kollegialen Körperschaften stand den Jsraeliten beim Erwerben der bürgerlichen Rechte hindernd im Wege. Hierzu kommt der häßliche Egoismus einiger Beamten, die die Israeliten wie eine Melkkuh benützen und dann auSrufen, die Stadt werde zu Grunde gehen, wenn wir den Israeliten Rechte geben; diese Beamten verwerfen nicht die Gulden und Dukaten der Juden und versagen Letzteren das, was wir denselben durch das Gesetz geben wollen, aus dem Grunde, damit, wenn das Gesetz nicht eristirt, der arme Jude gezwungen sein soll, sich seine Rechte von ihnen zn erkaufen. Genug Gründe dafür, daß sich die Verfolgung gegen die Juden mehr in den Städten zeigt. Und dennoch, wenn wir die königlichen Freistädte betrachten, sehen wir den Handel und Besitz größtentheilS in den Händen der Juden; und obschon gar viele Juden, die den Handel beginnen wollen, die Paar hundert Gulden, die sie geerbt haben, den geldsüchtigen Beamten geben müssen; bringen sie eö dennoch durch ihren Fleiß so weit, baß sie in einigen Jahren zum Neide derjenigen christlichen Einwohner, die denselben Han- - del betreiben, mehr und mehr vermögend werden. Der Grnnd dessen aber ist wahrscheinlich der gespannte Fleiß und, wie der Deputirte des Csanäder Komitätö sehr richtig bemerkt hat, die durch die Noth geschärfte Thätigkeit und der durch dieselbe hervorgerufene Eifer. Weil ich aber ein treuer Freund der in den königlichen Freistädten unterdrückten Bürger bin und nicht will, daß auch fernerhin jene Anomalie aufrecht bleibe, der zu Folge die Aufnahme oder Nichtaufnahme der Israeliten in den Handelöstand von der Willkür des sogenannten Magistrats abhängt, und weil ich sehe, daß hierdurch nicht die Bürgerschaft, sondern lediglich der Magistrat bereichert wird, nachdem unter den heutigen Verhältnissen das Schicksal der Inden vom Wohlwollen einzelner Beamten abhängt (woraus es leicht erklärlich ist, warum die Beamten die Israeliten außerhalb deS Gesetzes stehen lassen und die gerechte Wohlthätigkeit deS Gesetzes auf dieselben nicht ausdehnen wollen); — aus all diesen Gründen wünsche ich, daß über die Juden ein Gesetz kreirt werde. Die Emanzipation der Juden liegt, so glaube ich, im eigenen Interesse der Bürger, und zwar darum, weil schon . das Gesetz des letzter. Landtages den Juden die Erlanbuiß ertbeilt hat, in allen Städten, in denen sie sich kraft des Gesetzes niederlassen können, die Handwerke frei ausüben. Hieraus folgt, daß der Jsraelite nicht an die Regeln der Znnft gebunden ist und daß er ein Handwerk, ob er eö nun gelernt hat oder nicht, ausüben könne, sobald der ״amplissimns magistratus“ ihm dazu die Erlaubniß ertheilt; während der christliche Bürger, der ein Handwerk beginnen will, erst mehrere Jahre hindurch wandern muß, und nur nach vielen Jahren, nachdem er alle Sekaturen der Zünfte überstanden, zur Aus- Übung seines Handwerkes, die der Jsraelite in einigen Angenblicken erlangt, gelangen kann. Das ist ungerecht für die christlichen Einwohner, denn der Israelit steht nicht unter den drückenden Regeln der Zünfte und kann, wenn er Geld hat, um den Magistrat zn ״schmieren", augenblicklich seinen 'י Handel beginnen. Das will ich durch die Aufhebung der Zünfte beseitigen; und wenn ich dieselben nicht aufheben könnte, würde ich die Juden auf gleichen Fuß mit den chriftlichen Handwerkern und Kauflenten stellen. Geschieht dies, dann werden einige Herren, die Ursache hätten, ihre Augen niederzuschlagen, sich umsonst bemühen, die Bürger gegen die Gesetzgebung aufzuhetzen, und ich bin überzeugt, daß dann in den königlichen Städten kein Bürger mehr gegen die Juden sprechen wird; denn die Gleichstellung wäre ein Schritt, der mit der Zeit ohne Zweifel jeden denkenden Menschen beruhigen würde. Ich glaube, daß wenn die Israeliten ihre Fehler haben, die ich nicht leugne, sie auch ihre Tugenden besitzen, und ich frage einen Jeden, ob er , wenn er in einer ähnli- 33*

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