Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 33 (15.8.1866)
- Date
- 1866-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543208--4928-2548973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
595 596 Die Bevölkerung Bukarests rottete sich am Tage, an dem es sich in der Kammer um die Judenfrage handelte, zusammen und beging grausame Handlungen, indem sie eine Synagoge zerstörte. Dieses Benehmen ist ohne Zweifel sehr zu bedauern; aber prätendirt denn Herr Crcknieur, daß die Bevölkerung Bukarests verständiger sei, als das Volk von Pariswelches sich gestern noch ähnlicher Fehler strafbar gemacht hat? verständiger, als das englische Volk, das uns heute ein Beispiel davon gibt? Woher kommt nun diese Antipathie, dieser Haß des rumänischen Volkes gegen die Juden? Werfen Sie einen Blick auf die Geschichte; sehen Sie das Bild, das uns die Juden Frankreichs, EnglangS, Deutschlands geben ... als sie von den Völkern, in deren Mitte sie lebten, gehaßt, mißhandelt und vertilgt wurden; dieser Blick enthebt mich, die Beschwerden der Rumänen gegen die Schützlinge des Herrn Crsmieur aufzuzähleu. Mögen also die rumänischen Inden das thun, was die Juden Frankreichs, Deutschlands gethan haben; mögen sie sich auf die Höhe der Völker erheben, die sie umgeben, und die Rumänen — wie zurückgeblieben sie man auch immer nennet — werden, ich zweifle nicht daran, sich beeilen, ihnen ihre Arme zu öffnen und sie als Brüder anzuerkeunen. D. S o u d i t o u. III. Antwort non 35 jungen Rumänen auf Sonditons Sritf. Paris. 2. August 1866. Herr Redakteur! Mit den Gefühlen der schmerzlichsten Befremdung haben wir den in Ihrem geschätzten Blatte von H. Souditou veröffentlichten Brief bezüglich der Judenfrage in Rumänien gelesen. Wir verwerfen und mißbilligen viel zu entschieden jeden Gedanken der religiösen Intoleranz, um nicht diesen Brief zurückzuweisen, der die Gefühle der rumänischen Jugend auf keine Weise ausdrückt. Unsere Aufgabe, die Aufgabe der rumänischen Jugend wird es sein, die religiösen Vorurtheile zu zerstören und wir werden unsere Arbeit nicht eher für vollendet betrachten, als wir über die Ignoranz und den Fanatismus den Sieg davongetragen haben werden. Wir hegen so viel Zuversicht in dieser Angelegenheit, daß wir an ein Gelingen in einer nicht sehr fernen Zukunft glauben. Nur weun dies der Fall sein wird, werden wir muthig ausrufen können: ״Die Freiheit herrscht in Rumänien!" Genehmigen Sie, Herr Redakteur, den Ausdruck unserer ergebensten Gefühle. I. Campiniano, C. P. Filiti, C. Nacou, N. Prisaziano, C. Oecononrns, D. Sergius, Leresco, Kalindero, Al. Lupeöco, A. StoizeSco, G. Mariano, Warlam, TernSiano, B. Christopulo, Dicolesco, G. Ghitza, G. Demetriou, G. Antachi, Al. Bcücoaüw, Gr. Balntzo, C. Maraziniano, M. Pherekydes, C. Lahovari, A. Zenziano, N. A. Dchne'lrieöco, Calotesco, V. Zisso, M. Boranesco, G. Jatropolo, Jean Lahovary, Jacques Lahovary, Nicolesco, Costin, D. DraghieSco, V. I. Vladesco. IV. Lrvmienx an die 35 rumänischen Jünglinge. An die fünfunddreißig rumänischen Jünglinge, die den Brief an die ״Opinion nationale“ gezeichnet haben. Paris, 4. August. Meinen Dank, Jünglinge! — Bei der Lektüre Ihres Briefes haben sich meine siebenzig Jahre emporgerafft, um Ihnen zuzujubelu. Ja, dies ist die Jugend des neunzehnten Jahrhunderts; französisch oder rumänisch, sie bleibt sich immer gleich! Dieselbe Großherzigkeit, derselbe Edelsinn! Das ist die Zeit, die wir erwartet haben! Diese schöne Filososie des neunzehnte» Jahrhunderts — sie hat die erhabensten sozialen Fragen erleuchtet! Im siebeuzehnten Jahrhundert noch, inmitten der erhabensten Wunder deS Geistes, die diese Zeit auf die Höhe des großen perikleischen Jahrhunderts erheben, stoßen wir auf gewaltsame Bekehrungen, — Jünglinge werden dem ProtestautismuS entzogen und der katholischen Kirche zugeführt — auf Dragonnaden — die größte Sünde Frankreichs nebst der Bartholomäusnacht —, auf Bossnet, den unsterblichen Bossnet, den Verfasser der Grabrede Letellier's! Da ergreifen unsere Filvsofen die Feder, und im Verlauf von sechzig Jahren werden die unbesiegbarsten Vorurtheile entwurzelt. Das Jahr 1789 erscheint und unsere Revolution schreibt auf die Spitze aller unserer Freiheiten: Die Freiheit des Gewissens! Sie haben Recht, Jünglinge! ״Ihre Aufgabe, die Aufgabe der rumänischen Jugend ist es, die religiösen Vorurtheile zu zerstören und Sie können Ihre Arbeit nicht eher für vollendet betrachten, als Sie über den Fanatismus und die Ignoranz den Sieg davongetragen haben werden." Ihr Brief, Jünglinge, Ihr Brief, den ich allen Städten, allen Dörfern Rumäniens werde zukommen lassen, wird für Ihre christlichen Mitbürger ein ernster Gegenstand des Nachdenkens werden, eine Leuchte inmitten der Finsterniß; für die so grausam heimgesuchte jüdische Bevölkerung aber wird der Brief ein Trost, eine Hoffnung sein. Adolf Cremieur. Heile «fjafiticf ,M11M (Geb. 18. November 1804 in Pest, gest. 3. August 1866 in Kalvcsa.) ZN Gunsten der Emanzipation -er Inden, gehalten im ungarischen Reichstage am 10. Februar 1844. Mitgetheilt von Samuel Low. Nach dem, was die Deputirten des Csanäder und Borsoder Komitats über diesen Gegenstand ganz richtig und treffend gesagt haben, will ich dem Deputirten der Stadt Debreczin ganz kurz nur Eines erwiederu. Er erfüllte seine Justruktiou und seine Pflicht, indem er gegen die Emauzipation der Juden sprach; aber bezüglich der Gründe, die er aus der Neligionölehre der Juden schöpfte und gegen die moralische Grundlage der israelit. Religion anführte, muß ich bekennen, daß didselben mich an die spanische Inquisition erinnern; und ich habe nie gedacht, daß ich von einem aus der Mitte der freien Bürgerschaft stammenden Deputirten gegen eine Volksklasse solche Ideen zu hören bekommen werde.