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Ben Chananja · 1866-08-08 · 32 (8.8.1866) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
32 (8.8.1866)
Date
1866-08-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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589 a) Sei der Lehrer nicht bloS Erzieher der Schule — sondern auch der reiferen Zugend, die seine Anstalt bereits verlassen; er bleibe mit dieser so lange als möglich in engster Connerion, leite ihre Lektüre, stehe ihr bei jeder Veranlassung mit Rath und That bei und strebe einen getvissen Grad moralischen Einflusses auf deren Gemüth sich zu bewahren. Es wird ihm dies gelingen durch Errichtung einer an» gemessenen Zugendbibliothek, durch häufigere Zusammenkünfte und Ab« Haltung kleiner Vorträge gemeinnützigen Inhaltes u. s. w. — Freilich dürfte dies dem Lehrer kaum einen materiellen Nutzen bieten, allein abgesehen davon, daß er sich hierdurch unfehlbar eine moralische Steklung erwerben könnte, würde er sich, würde er der Schule auf diese Weise die zuverlässigsten Freunde und Gönner erziehen. 11) Es wäre im Zntereffe, nicht nur der Schule, sondern auch des Leh« rers, dahin zu wirken, daß in Zukunft den LehramtSzöglingcn die Gelegenheit geboten werde, auch in der Musik einen gründlichen Unterricht genießen zu können. Die Erlernung einer fremden Sprache wäre nicht minder wichtig. Wie häufig wird nicht der tüchtigste und gewandteste Schirl« manu von einem sogenannten ״Hofmeistcrchen" verdunkelt, der wol keinen deutschen Satz, dafür aber ein klein wenig Musik oder Franzöfisch versteht. Die jüdische Lehrerbildungsanstalt wird bekanntermaßen aus dem jüdischen Schulfonde erhalten. Bei einer genügenden Molivirung dürfte die hohe Regierung kaum Anstand nehmen, auch für diese Fächer entsprechende Lehrkräfte anzustellen, da hierdurch dem jüdischen Lehrerstande eine freundlichere Zukunft geboten werden dürfte. V. Der Verein müßte endlich vorauf achten, bei Kreirung von Filialvereinen, die bei der Ausdehnung Ungarns gewiß unentbehrlich wären, angesehene einflußreiche Männer mit den respektiven Aemtern zu betrauen. Die Sache würde hierdurch in allen Gemeinden feste Stützpunkte gewinnen, die Beamten des Vereins würden in ihren Kreisen für Schule und Lehrer Propaganda machen, was auf die Stellung der letztern gewiß nicht ohne Einfluß bleiben dürste. Es muß mit den Verhältnissen der jüdischen Lehrer anders wer« den, es wird anders werden. Israel weiß, was eS der allgemeinen Volksaufklärung zu verdanken hat. Die mannigfachen Vorurtheile, die gegen Juden und Zudenthum von jeher geherrscht, sie sind in unseren Tagen in Folge der fortschreitenden Volksbildung, wenn auch nicht gänzlich geschwunden, doch wesentlich abgeschwächt. Die Judenheit hat mithin genügenden Grund, für das Volksschulwcsen cinzustehen. Sollten die Juden die eigene Schule trotzdem pcrhorrcsziren, dann hieße es נטרתי אח הכרמים , כרמי שלי לא נטרחי. Pest, 5• August. Das vom 1 . Juli l. I. datirte Jntimat des kön. ungarischen StatthalterciralheS bezüglich der allsogleichen Sperrung aller Fakultäten und Mittelschulen, aller israelitischen öffentlichen Hauptschulen und Präparandicn hat bereits in der PrariS eine Jllustration gefunden, vor der jede fernere Beleuchtung dieser Angelegenheit erblassen muß. Sowol die Lokalitäten fast aller hiesigen christlichen öffentlichen Lehranstalten ohne Unterschied des Wissenschaft« licheu Charakters, als auch die unserer Normalhauptschule und kön. Musterschule sind zu Nothkaserurn umgestaltet. WaS ״B. CH." profezeit hat, daß nämlich das erwähnte Jntimat große Bestürzung unter den israelitischen Eltern Hervorrufen wird, ist bereits, namentlich in der Nachbargemcinde Alt-Ofen, in Erfüllung gegangen. Die israclitische Repräsentanz der eben erwähnten Gemeinde reknrrirte an die Schulbehörde, um die Wiedereröffnung ihrer Schule zu erwirken. ״Wir haben die Schulen nicht gesperrt, wir können sie nicht öffnen", war die Antwort. Hierauf drohte man mit der Sistirung der Auszahlung der Lehrergehalte. Eine kategorische Antwort, welche die Worte: ״eintretbcn, erc« quiren" enthalten haben soll, hob die Drohung auf. Wie der Rabe das Zupfen nicht lassen kann, wandte man sich neuerdings an den Studien Obcrdirektor, er möge doch gestatten, die Kinder wenigstens in der Religion unterweisen z» dürfen. ״Damit man nicht auf den Gedanken komme, daß ich intolerant sei, so erkläre ich Ihnen, daß ich von diesem Vorschläge keinen anderweitigen Gebrauch machen werde; auf zwei Punkte jedoch muß ich Sir aufmerksam machen: 1) ich weiß nichts von der Sache; 8) im Schullokale darf der beantragte Religionsunterricht 590 nicht erlheilt werden. Auf Grundlage dieser schwer errungenen Konzession trat in Ofen eine Plenarsitzung zusammen, wie vielleicht noch nie und nirgends. Zn dieser Sitzung , zu welcher auch der dirigirende Lehrer Braun sammt Kollegen geladen wurde, war bereits die Majorität der Ausfchußmitgliedec dafür, daß der vorgebliche Religionsunterricht im Archivlokale der Gemeinde, das in einem dritten Stocke sich befindet, statlfinden soll. Die Ueberzeugung von der Lebhaftigkeit, von welcher die Alt-Ofner Jugend so viele eklatante Beweise geliefert/ gab dem Dirigenten Anlaß, gegen diesen zu fassenden Beschluß zu protestiren; der« selbe besteht nämlich darauf, daß er und seine Kollegen der Verantwortung der Schäden, welche die Zöglinge, deren Ueberwachung auf dem flachen Lande mit so vieler Mühe verbunden ist, sich und Andern von der Höhe eines Ofner dritten Stockes aus eventuell zufügen könnten, sich nicht unterziehen können. Schon war die Versammlung bereit, aus der Noth eine Tugend zu machen, den Wiederbeginn des Jugendunterrichteauf die in Aussicht gestellte Friedenszeit zu vertagen, als* der Antrag gestellt wurde: ״man solle die Kinder in der ״Weiberschule" unterrichten." Dieser Antrag wurde angenommen, und der All-Ofner Jugend' wird täglich von 8—10 Uhr Vormittags uud von 2—4 Uhr Nachmittags Unterricht ertheilk. L. M. Bauer. — AbvNY, 2. August. Der Äbonyer Korrespondenz gegen - über, die in Nr. 30 des ״B. Ch." erschien, kann ich meine in Nr. 29. veröffentlichten Daten mit gutem Gewissen aufrecht erholten. Die Schule hat wirklich vier Klassen gehabt und die vierte Klaffe besteht heute wirklich nicht mehr. Und daß der Vorstand wirklich mit der Absicht umging, die dritte Klaffe anfzuhcben, ist wieder eine Thatsache, die nicht abgestritten werden kann. Dies zur Illustration der sogenannten Berichtigung des II Korrespondenten. Wohlthätigkeit und Wohlthätigkeitsanstalteu. Hf. Pest, 5. August, Den Abgebrannten der Vörösvärer Geweinde wurde von uuserm Vorstande ein namhafter Beitrag behufs Aufbaues der ebenfalls in Asche gelegten Synagoge gespendet. Nekrolog!©. L. Szegedin, 6. August. Au dem heute stattgefundenen Begräbnisse hat sich auch die hiesige jüdische Gemeinde sehr zahlreich betheiligt. Der Verbliebene, einer der ersten 8tatsmänner Ungarns und ein Liberaler von echtem Schrot und Korn, war seit 1839 einer der wärm - sten und beharrlichsten Vorkämpfer der Emanzipation der Juden. Sein Andenken wird, wie bei allen Klassen der ungarischen Bevölkerung, so auch bei den ungarischen Juden ein gesegnetes bleiben. Friede seiner Asche! K. Paris, Mitte Juli. Am 23. Juli d. J. starb zu Amsterdam Med. Dr. SSa.xaa.xxol Sarpliati (geh. 11. Jäner 1813), einer der bedeutendsten Männer der niederländischen Judenheit. Die allgemeine Achtung, in der der Verewigte stand und die er durch sein edles, menschenfreundliches und wohlthätiges Wirken verdient, kennzeichnet am besten der Brief, den Prinz Friedrich auf die Kunde seines Todes an Hrn. J. A. van Eyk, den Direktor des Industriepalastes zu Amsterdam, welches Institut mit mehreren ähnlichen stalswirthschaftlichen Vereinen, den Verewigten zu seinen Gründern zählt, gerichtet und den wir nach den ״Archives Israelites“ widergeben: Im Haag, 25. Juni 1866. Die Nachricht von dem Tode des Drs. 8. Sarphati war mir bereits zugekommen, als Ihr Brief vom 23. d. M. dieselbe zu meinem grössten Bedauern bestätigte. Die trau.ige Neuigkeit hat mich lebhaft berührt Es ist ein unersetzlicher Verlust für viele Personen, für viele industrielle Vereine und vorzüglich für den Industriepalast, dem der Verewigte alle seine Zeit, alle seine Kräfte gewidmet. Der Wunsch, nützlich und dienstlerug zu sein, sowie die hohen Eigenschaften, die ihn in so anerkannter Weise auszeichneten, machen sein Andenken seinem Vaterlande und seinen Mit-

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