Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 32 (8.8.1866)
- Date
- 1866-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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587 588 ב״ק Fünfkirchen, I. August. Tin kleines politisches Tage- -latt in Wien läßt sich aus Czernowitz über den dort grassirenden Tod und über eilte vom dortigen Rabbiner als Todessühne arrangirte Ko« mödie berichten. Wer sich auf diesen Theil der politischen Journale nnr halbwegs versteht, der muß gleich aus der ersten Zeile herauslesen, daß hier diejenigen Leser bedacht werden, die von Zeit zu Zeit ihre schauerliche Sensalionsuotiz haben müssen. Daß hierbei die Wahrheit nicht übermäßig gepflegt werde, dafür sorgt die reiche Phantasie der betrefsenden Feuilletouisten, deren erfinderische Federn aus der unschuldigsten Nachricht eine fürchterliche Mähre herauskritzeln müssen, damit die bereitS erwähnten Leser nicht ohne geistige Nahrung bleiben. Daß auch der Eingangs erwähnte Czcrnowitzer Bericht zu der eben geschilderten Kategorie der Zeitungsnotizen gehört, darüber kann kaum ein Zweifel auskommen. Jedenfalls wird es im Interesse des ^Czcrnowitzer Rabbi nerS gelegen sein, überden Sachverhalt Aufschluß zu geben. N. Ragy-Körös, 29. Juli. Unser Kantor, der zu wonnigfachen Streitigkeiten in der Gemeinde Anlaß gab, verläßt uns. Gestern verrichtete er daS letzte Mal den Gottesdienst. — Als einen erfreulichen Forschrilt zum Bessern registrire ich, daß der Unfug, der aus der Der- Pachtung der Koscherflcisch-Gabella entstand, endlich abgeschafft und die AuSschrottuug des Koscherfleisches sreigegeben wurde. — Der ReligionSunterricht der Gymnafialschüler, um den es bis jetzt ziemlich arg be« stellt war, wird, wie ich vernehme, der Leitung des wackern Lehrers Schäfer anvertraut werden. Es läßt sich nicht bezweifeln, daß dieser Unterricht hierdurch in ein neues, besseres Stadium treten werde. — An den für die Rekruten eingeleiteten Sammlungen haben sich unsere Glaubensgenossen lebhaft betheiligt, und ein jüdischer Geselle hat sich vorige Woche selbst als Freiwilliger gestellt. צ- Balassa-Gyarmal, 1. August. Die Losonczer Gitter- Akten ruhen, wie ich höre, beim Bizegespan. Der Losonczer Rabbiner hat neue Verstärkungen an sich gezogen. Aus Galizien ist ein mit zahlreichen Unterschriften versehener Brief augelangt, in welchem nachdrücklich gewarnt wird, eine Synagoge zu betreten, in welche man nicht auf einigen Stufen hinabsteigt. Die entschiedenen Orthodoxen werden nächstens in Nagy-Mihäly zusammenkommen, um zu ihren Beschlüssen einen Zusatzartikel in diesem Sinne zu sauktioniren. G. Balasfa-Gyarmat, 3. August. Dem Vernehmen nach soll sich unser Vorsteher, Herr Sal. Weiß, endlich — nach acht Jahren — entschlossen haben, über die finanziellen Zustände unserer Gemeinde einen erschöpfenden Ausweis vorzulegen. Ein sehr löbliches Vorhaben! Eines sollten die orthodoxen Gemeinden vor Allem von ihren progres- ' siven Schwestern lernen: Ordnung in ihre Finanzverwaltung zu bringen! k.. LI. Berettyö-Njfalu, im August. Die ungestörte Eintracht der hiesigen Gemeinde erleichtert unserm wackern Vorsteher, Herrn S. PerlS, sein gemeinnütziges und verdienstvolles Wirken. Unsere baufällige Synagoge ist bereits renovirt, zur Erbauung einer Mikwa sind bereits die Mittel vorhanden. W. Rima - Szombat , Mitte Juli. Der Bau unseres Tempelö bleibt vor der Hand ein pium deslderium. Die bewilligte Losen« lotterie hat bis heute in Folge der abnormen Zeitumstände Weniges ringebracht und sehen wir einer bessern Zeit hoffnungsvoll entgegen. R. Miskolcz. Ende Juli. Die Parteikämpfe dauern in unserer Gemeinde trotz des zu Stande gekommenen Waffenstillstandes in einer das Gefühl eines jeden Beffergesinnten tief verletzenden Weise noch immer fort. Die Nagy«Mihälyer Beschlüsse oder Albernheiten wurden in unzähligen Eremplaren abgedruckt und unter den leicht erregbaren Pöbel vertheilt. Unsere Schächter betreten seitdem ein von 72 Orthodoxen- und Chassidim-Rabbinen Unterzeichneter Mahnruf an die hiesige Gemeindevorstehung gelangt ist, — den Chortempel nicht mehr. J. 8. Ptttliok, 1. August. Die Opferwilligkeit der hiesigen aus 10 zumeist armen Familien bestehenden Kultusgemeinde unter Leitung des anerkannt tüchtigen und zeitgemäßen Rabbinen, Herrn Braun, verdient in Ihrem geschätzten Blatte registrirt zu werden.- Diesem verdankt auch unser nach neuem Styl erbautes Gotteshaus, dessen Einweihung in Kurzem erfolgen soll, sein Entstehen. Um diesen heiligen Bau, bei dessen Grundsteinlegung die Vornehmsten unserer Bezirksbe« wohner —'ohne Unterschied der Religion - sich einfanden, und bei welcher Gelegenheit nahmhaft gespendet wurde, haben sich außer den Vorstehern, Herrn P. Weiß und A. Hoffmann, sämmtliche Gemeindemit« glieder bleibende Verdienste erworben. Die Errichtungskosten von 7000 Gulden sind ohne Darlehen beschafft worden. Die Segnungen unseres Seelenhirten, der inmitten des ihn umgebenden Zelotismus seine Neutralität zu wahren versteht, erstrecken sich auch auf sonstige humane Einrichtungen, deren sich unsere Gemeinde zu erfreuen hat. Auch unfern leidenden Mitbrüdern fehlt es nicht an erwünschter Hilfe. Der in weiter Runde allgemein berühmte, seit 11 Jahren hierund in ber Umgebung in uneigennütziger Weise wirkende praktische Arzt. Herr Dr. A. Schwarz, wird allgemein als ihr Schutzengel angesehen, und genießt allenthalben die woloerdiente Anerkennung. Ihm ist es auch gelungen, gewisse Vorurtheile auszumerzen und die brüderlichen Banden der verschiedenen GlaubenSbenoffen enger zu knüpfen. Gott erhalte ihn noch recht langes — Ueber das Einweihungsfest in unserem nächsten Berichte. G. Fünfkirchen, 3. August. Die alten nordischen Klopfgeister tauchen wieder auf, um etwas Finsterniß in das flaue Einerlei zu bringen. Während ein mächtiger Wellenschlag die Geister durchzitterr, erheben sich im Norden Ungarns die allbekannten Dunkelmänner mit dem berüchtigten Exorzisten aus Szikßü an der Spitze, um aus ihrem trüben umnachteten Dasein Pfeile abzuschießen gegen den immer lichter strahlenden Morgen einer zur Selbsterkenntniß gelangten Zeit. Die würdigen Jünger des edlen Ritters von der Mancha mühen sich vergebens ab, einjugrcifen in das vorwärts rollende Rad der Zeit, und darum toben sie wuthenibranut gegen die Sonne, weil sie Licht und Wärme verbreitet und gegen alle Errungenschaften, welche der zeitgemäße Fortschritt auf ferne Fahne geschrieben. Die Nachricht, daß die hiesige Gemeinde einen Tempel baue, muß über die chinesische Mauer eingedrungen sein in das Reich dieser Unholde. Dieser Tage gelangte an den Herrn Gemeinde, : Vorstand aus der Residenz Mihalowitz die Peßak Beth-Din benamstt Enzyklika an *). Daß die Gemeindevorstehung diesen blühenden Unsinn lächelnd ad acta gelegt, vei steht 'sich vcn selbst. Unterdessen ragt bereits der neue Tempel majestätisch in die Höhe, ein beredter Zeuge, daß man Alles kann, was man will, wenn man nur recht will, was man kann. Wir aber, und mit uns gewiß flllc Leser des ״Ben Chananja" rufen mit gepreßtem Herzen: ״Gebt uns Rabbinerseminäre!" Schulwesen. Pest, 2l. Juni. (Die Rcich'schen Preisfragen. Schluß)**). II. Der Verein hätte ferner dahin zu wirken, den gesunkenen Muth der gebeugten Lehrer wieder aufzurichteu und selbe einander nähir zu bringen, was zum Theile ja schon durch das erhebende Bewußtsein geschieht, irgend einer kompakten Körperschaft anzngehören, die für das Recht ihrer sämmtlichen Mitglieder einzustehen, stets bereit ist. III. Der Verein, resp. die Lehrerkonferenz müßte es einstimmig als einen Chrenpnnkt bezeichnen, daß bei Ausschreibung eines Konkurses kein Mitglied des Vereins an der Konkurrenz sich betheilige, es wäre denn, die Gemeinde würde gleichzeitig die Erklärung ihres früheren Lehrers betreffs seines spontanen Rücktrittes veröffentlichen. Es ist leicht, selbst einen definitiv augestellten Lehrer durch fortgesetzte Verationen zur Verzichtung auf seine Stellnng zu veranlassen, minder leicht dürfte es jedoch einer solchen Gemeinde gelingen» eine derartige Ehrenerklärung von demselben zu erlangen. Nachdem mit ziemlicher Evidenz vorausgesetzt werden kann, daß bei Befolgung ähnlich praktischer Zwecke alle besseren Lehrer unserer Heimat dem Vereine sich alsbald anschließen dürsten, wäre dies ein ziemlich wirksames Mittel gegen die in vielen Gemeinden in bedenklicher Weise graffirrnde Lehrerwechselsucht. IV. Der Lehrerverein hätte zugleich seinen Einfluß dahin zu richten, daß die Thätigkeit der Lehrer auch außerhalb der Schule fortgesetzt werde, und zwar: *) Die neun Jßur-Puukte sind im ״B. CH." Nr. 24 (Korrespondenz aus Ungvür) mitgetheilt worden. Red. —) S. die vorige Nummer.