Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 31 (1.8.1866)
- Date
- 1866-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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571 572 bade» > Herrn Dr. Heinrich, für 30 Verwundete 60 Gratisbäder zu erwirken. Der Verein setzt ununterbrochen sein Wirken fort, mit dessen segensreichem Erfolge nur noch die Bescheidenheit der Vereinsmitglieder — dieses edle Charakteristikon der Wohlthätigkeit — konkurriren kann. (Magyar Viläg.) Hf. Pest, 29. Juli. Wie den Lesern des ״Ben Chananja" bereits aus den polit. Blättern bekannt sein wird, wurde an den Vorstand unserer Gemeinde gleichwie an den der Wiener die Aufforderung gestellt, Sammlungen unter den Glaubensgenossen im Lande behufs Ausrüstung freiwilliger Regimenter zu veranstalten, doch wurde zugleich gemeldet, daß man von dieser Idee in Folge des energischen Protestes, der dagegen eingelegt wurde, bereits auch wieder abgekommen sei. Wir wollen diesen im Keime erstickten Plan keiner weitern Kritik unterzie- Heu, doch können wir die eine Bemerkung nicht unterdrücken, wie sehr es zu verwundern ist, daß während doch sonst Angelegenheiten von vie untergeordneter Wichtigkeit erst nach reiflichster Prüfung und langwierigrr Wanderung durch die vielen Dikasterien ihre Erledigung finden, die Regierung sich eben in vorliegendem Falle so sehr beeilte, die Preposition eines obskuren Individuums zu genehmigen und die betreffende Weisung so schleunig an die betreffenden Länder-ChefS ergehen zu lassen. Arad, 25. Juli. Wie in allen Städten der Monarchie werden auch hier die größten Anstrengungen gemacht, um den Verwundeten unserer braven Armee ihr trauriges Schicksal zu erleichtern. Es hat sich ein eigenes, aus Mitgliedern aller Konfessionen zusammengesetztes Hilstkomilö konstituirt, welches Sammlungen an Geld, Naturalien, Cbarpie und Verbandstücke eingeleitet hat. Die Sammlungen find von bestem Erfolge begleitet und tritt, so wie immer, auch hierbei der Patriotismus und der WohllhätigkeitSsinn der israelitischen Bevölkerung unserer Stadt in das schönste Licht. Die Komitämitglieder gehen je 2 und 2 ihrem frommen Liebeswerke nach und ernten nicht nur reichliche Gaben, sondcrn auch noch den Dank all derer, denen sie Gelegenheit bieten, ihr Schärflein auf den Altar reiner Menschenliebe darbringen zu können. Der hier in hohem Ansehen stehende hohwürdige Pater Guardian Gustach Sujänßky ist ebenfalls Mitglied dieses Komitös und unterzieht sich den anstrengenden Sammlungen in Gemeinschaft mit dem Mitgliede der,isr. Gemeindeverwaltung Sigmund Schwarz. Der erhabenen Bedeutung dieser Thatsache brauche ich nichts weiter hinzuzufügen, fie ist selbstredend. Hieher mögen sie kommen, die Männer der ״Kirchenzeimng", Brunner und Konsorten, und an dem Beispiele dieses Seelen- Hirten mögen fie lernen und erkennen, wie der von der Heiligkeit seines Berufes wahrhaft durchdrungene Priester der Religion der Liebe seine Aufgabe erfaßt und seine Auffassung auch durch seine Handlungen bethätigt. Kultus und Kultusgemeinde. X. Wien, 24. Juli. Herr Jos. Szäntü aus Groß-Knnisza, approbirter Rabbiner, der sich auch als Schriftsteller bemerkbar gemacht, ist zum jüdischen Feldprediger ernannt und als solcher bereits beeidet worden. Berettyö-Njfalu, im Juli. Mit Vergnügen habe ich die Korrespondenz von N. Kärüly in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 27. Sp. 506 gelesen; der Einsender dieser Korrespondenz war aber blvS theilweise und nicht, ganz genau unterrichtet. Ich fühle mich daher als Sohn des Herrn OberrabbinerS Mayer PerlS und als emsiger Leser Ihres lehrreichen ״Ben Chananja" verpflichtet, die von der Urquelle erhaltene Aufklärung des ThaibcstandeS hiermit der Oeffentlichkeit zu übergeben. Es ist wahr, daß mein hochgelehrter Vater den ב״ד pDD von Nagy- Mihüly nicht unterschrleben. Auch ist es wahr, daß er^mit manchen, die denselben unterschrieben, nichts gemein haben will. Nicht minder wahr ist es aber, daß er in den Hauptpunkten und nur in diesen mit dem Peßak einverstanden ist und schließlich ist mein kluger Vater kein derartiger Gegner der Chaßidim, wie ihn mein theurer Onkel, Herr Jonas Rooz, d-r mich gütigst entschuldigen möge, haben möchte. S. PerlS. §. Miskolcz, 22. Juli. Herr EduardKartschmaroff, unser bisheriger geachteter und beliebter Oberkantor, hat am Sabbathe Chazon und am neunteu Ab zum letzten Male seine herrliche Stimme in unserer neuen Synagoge ertönen lassen. Kein Auge blieb bei seinen Vorträgen thräNenleer. Herr Kartschmaross wird dem gebildeten Theile der hiesigen Gemeinde unvergeßlich bleiben. Unsere besten Segens, wünsche begleiten ihn zu seinem neuen Wirkungskreise. T Aus dem Borfodev Komitate, im Juli. Die Aussaat von Nagy-Mihäly fängt bereits an, ihre Ernte zu tragen. In Miskolcz wurde von den Orthodoxen über einen sehr orthodoxen Schächter der Stab gebrochen, weil derselbe die neue Synagoge besucht. In EperieS legten die Schächter ihr Amt nieder, um nicht von dem Bannstrahle, der Synagoge getroffen zu werden. Den Gemeinden erwachsen hieraus augenblickliche Verlegenheiten. Dieser Nachlheil wird aber reichlich von dem nützlichen Dtenste ausgewogen, den die Nagy-Mihälyer Beschlüsse der Sache der Reform leisten, indem sie die Romantik diskreditiren, Opposition wecken, Diskussionen anregen, und praktisch die Konsequenzen zeigen, deren Folgerichtigkeit nur von Wenigen ans theoretischem Wege entdeckt werden konnte. K. Mak«, 26. Juli. Der heilige Hillel hat an unserer Gemeinde für die ihm widerfahrene Schmach Revanche genommen. Da die hiesigen Schächter unsere Synagoge besuchen, in welcher nicht im Jargon, sondern in korrekter eleganter Sprache gepredigt wird; so stellten unsere Chaßidäer in Szikßü die Anfrage, ob diese Schächter im Sinne der Synodalbeschlüffe von Nagy-Mihäly das in sie gesetzte Vertrauen verdienen. R. Hillel antwortete: nein! Die Chaßidäer gehen daher mit dem Plane um, einen eigenen Schächter anzustellen. Die Kluft zwischen Rabbaniten und Chaßidäern wird, wie Sie sehen, in Kurzem so ziemlich der Kluft gleichen, welche die Rabbaniien von den Karäern trennt. Ueber die Zulässigkeit der Verschwägerung mit den nichtchaßidäischen Rabbanitcn haben die Chaßidäer bisher zwar keinen Beschluß! gefaßi; da aber die Besucher der ״Chorschulen" unter dem Banne ste- Heu, so versteht es sich von selbst, daß sich die Heiligen nicht mit ihm» verschwägern dürfen. In der hiesigen Gemeinde wird übrigens der Chaßidäismns leider eher zuals abnehmen: nicht wenige Gemeinde-- glieder stehen auf einer so tiefen Stufe der Bildung, daß dre chaßidäischen Extravaganzen denselben imponiren müssen. kr. Pest, 29. Juli. Die gestrige (in Paranthese gesagt, vortreffliche) ungarische Previgt Dr. KohnS bietet uns Gelegenheit, aufden Uebelstand aufmerksam zu machen, daß das Tempelbesuchende Publikum nie davon in Kenntniß gesetzt ist, ob es eine ungarische oder deutsche Predigt zu erwarten habe. Nachdem es doch im Interesse beider Parteien liegt, hier Abhilfe zu treffen, so wollen wir hoffen, daß der Tempelvorstand ehestens das Nöthige veranlassen wird, um so eher, als es sich hier bloS um Einführung einer ManipulationSverbefferung handelt, die allerseits dankbar empfangen werden wird. Der Verfasser der LIräiyutcai levelek reripricht einen ungarischen Lnach; wie wäre es denn, wenn er in demselben nicht bloS die Festtage, sondern auch die Sabbathe, an denen nngarische Predigt gehalten wird, bezeichnen wollte? Nnter den Zuhörern obiger Predigt bemerkten wir auch unter Andern Sr. Hochw. Josef SzökätS, Herrn Franz v. Kubinyi und. den Grafen Gedeon Räday. Schulwesen. Pest, 21. Juni. (Die Reich'schen Preisfragen. Fortsetzung*). II. Die Mittel, die dem Lehrstande zu Gebote stehen, um eine günstigere Gestaltung seiner Verhältnisse zn erzielen , find leider nicht ven der Art, um all die, vorhandenen Schäden sofort beseitigen zu können. Die mannigfachen Leiden, die demselben, wie bereits erwähnt, in Folge der tiefen sozial-politischen Stellung der Juden zu Theil geworden, sie können nur von der Macht eines milden humanen Zeitgeistes radikal geheilt werden. Gottlob! in dieser Beziehung sind wir zn den schönsten Er- Wartungen berechtiget. Freilich dürsten mit der bürgerlichen Befreiung der Juden kaum all die üblen Folgen der bisherigen Unterdrückung, von denen namentlich unser UuterrichtSwesen empfindlich berührt wurde, sofort zum Schwinden gebracht werden. Die Gewohnheit ist ein gar hartnäckiges Nebel. Der sklavische (?)Sinn verwandelt sich so leicht nicht in hochherzige Gesinnungen. Allein mit dem Sprengen der Fesseln zieht doch allmälig ein freierer, milderer Geist ein. Ein AehnlicheS ist'S mit *) S. die vorige Nummer.